Wörter, ach,

alles bloß

Wörter …

Oder – auch Worte?!

Aphorismen von

Bernd Schmidt

(c) by Bernd Schmidt, Graz 2016.

(Zusammenstellung: Graz, im Februar 2002)

Wenn zwei um die Wette laufen, kommt der Sieger als Vorletzter an.

Beim Brotschneiden ist auf die Brösel zu achten: Sie machen den Wohlstand aus.

Über den Hunger in der Welt wird meist bei sogenannten Arbeitsessen gesprochen.

Mach mehr aus Dir – bilde Dir was ein!

Die Hebel der Macht sind die Daumenschrauben der Ohnmächtigen.

Pläne am Abend sind die am wenigsten gefährlich: Meist liegt eine ganze Nacht zwischen ihnen und ihrer Verwirklichung.

Cave finem!

Die Ideen zu einer Tat ist gefährlicher als die Tat und der Täter: Sie ist unsterblich.

Hinter den besten Ideen verbergen sich oft –Leute.

„Ich mag nicht mehr!“, rief er aus – und griff in die nächste Schüssel.

Je weicher man sitzt, umso schwerer erhebt man sich.

Er sah in sein Inneres. Dann fing er an, vor fremden Türen zu kehren.

Die Seele ist unsichtbar. Man sieht sie folglich auch nicht, wenn sie gar nicht vorhanden ist.

Der Folterknecht blinzelte. Da brauchte der Gefolterte kurze Zeit nicht in seine tückischen Augen zu blicken.

Früh übt sich, wer am meisten werden will.

Sag es kurz – oder noch besser: gar nicht!

Wegweiser weisen auch – Umwege.

Böse Menschen sind von guten meist nur dadurch zu unterscheiden, dass sie freundlicher sind.

Homo homini humus.

Geteilte Freud´ ist halbes Übel.

Auch Gedankengänge können Sackgassen sein.

Eines muss man den schlechten Menschen zugute halten: Sie reden weitaus weniger über ihre Schlechtigkeit als die guten Menschen über ihre Güte …

Manche Behauptungen sind genauso falsch wie ihr Gegenteil. Andere wiederum sind genauso richtig. Das sind die ungefährlichen.

Es ist albern, immer wieder dieselben Fehler zu begehen – woraus sollte man denn solcherart lernen?

Die größten Egoisten sind Menschen mit Minderwertigkeitskomplexen. Sie wollen partout immer die Kleinsten sein.

Andere leiden zu sehen, bereitet Masochisten Schmerzen – und daher gleichzeitig Freude.

Gedanken gegen die Diktatur nennt man die „Ideen des März“.

Wir sind in religiösen Dingen liberal geworden. Wir gehen nicht nur am, Sonntag ins Gasthaus.

Wer zuletzt lacht, wird Totengräber.

Oft ist die Ehe bloß Verputz für Seitensprünge.

Es gibt groß gewachsenen Menschen, die auch nach oben hin nicht interessanter werden.

Aufrecht stehen können die meisten. Aufrecht denken nur wenige.

Sich im Spiegel zu sehen, kann unangenehm sein. Sich im Mitmenschen zu sehen, ist unangenehm.

Auch wer alles falsch macht, ist Perfektionist.

Der Zweck heiligt das Mittelmaß?!

Die Zeit vergeht – mit der Zeit …

Auch konsequent inkonsequent zu sein, ist konsequent.

Mancher ungebildete Reiche vermittelt den gebildeten Armen die Überzeugung, Bildung sei das höchste Gut.

Zum Bildersturm rufen nicht selten Maler auf. Solche nämlich, deren Bilder nicht aufgehängt werden.

In Diktaturen sind Bücher Zündstoff. Daher eignen sie sich hervorragend als Brennmaterial.

Auch Atheisten glauben – an nichts.

Beim Cappuccino sind die Schaumschläger noch am ungefährlichsten.

Au! Sie tun mir schon wieder nicht weh …!

Kopf hoch! Das Wasser steigt …

Das Rad der Zeit ist in Wahrheit das Rad des Hamsters.

Ordnung steht am Beginn jedes funktionierenden Chaos.

Ende gut, alles gut. (Welcher Trottel hat bloß diesen Unsinn verzapft?!)

Ein zu klarer Gedanke ist wie ein Schwert ohne Griff.

Liebe Dich selbst wie Deinen Nächsten!

Zurückhaltung ist oft vorbeugend!

Niveau ist eine Sache des Verlassens.

Hören Sie nicht auf ihn – sondern: auf!

Wer sich heutzutage einer Diskussion nicht stellt, kommt ins Gerede.

Der Schatten fällt immer vom Objekt weg, nie zu ihm hin. Er ist objektiv.

*

Es ist schon verrückt, dass …

… auch im schlechtesten Politiker ein korrupter Kern stecken kann.

… mitunter auch ein blindes Huhn eine Flinte im Korn findet.

… heutzutage auch Modistinnen auf der Hut sein müssen und Komponisten nach Noten betrogen werden.

… seit geraumer Zeit tatsächlich Chancengleichheit in der Schulbildung besteht: gleich niedrige Bildung für alle.

… auf manche „große Geister“ erst gehört wird, wenn sie längst als Gespenster umgehen.

… angeblich große Leute beim Waschen ihrer weißen Westen – eingehen.

… es auch das Minimum darauf anlegt, ein Superlativ zu sein.

… man Gefangene nicht selten von ihren Fesseln befreit, indem man ihnen die Hände abschlägt.

*

Es ist besser, …

… einem Zug nachzuschauen, als auf den Schienen zu liegen, wenn er kommt.

… den Spatzen wegfliegen zu sehen, als von der Taube am Dach beschissen zu werden.

… immer aufzupassen, als immer dazuzupassen.

… etwas Vernünftiges zu unterlassen, als etwas Unvernünftiges zu tun.

… in den Wald hineinzurufen, als ihn vor lauter Bäumen zu übersehen.

… anderen eine Grube zu graben, als selbst hineinzufallen.

… einen Leichenwagen zu überholen, als von ihm transportiert zu werden.

… jemanden vorübergehend zu bedauern, als an jemandem dauernd vorüberzugehen.

… in der Wüste zu hausen, als zu Hause zu wüsten.

… den Kopf im Sand zu haben, als den Sand im Kopf zu haben.

… die Sau zu verkosten, als die Kost zu versauen.

… mit den Löwen zu heulen, als mit den Lemmingen zu springen.

*

Manche Regisseure inszenieren das Publikum gleich mit.

Auch der Nagel, an den er seinen Beruf hängte, war krumm.

Der Vergleich war so weit hergeholt, dass er unterwegs das Hinken verlernt hatte.

In cognito ergo sum.

Die Erfüllung bringt den Wunsch um seinen Inhalt.

„Freunde!“, rief Caesar aus. Man schrieb gerade den 15. März im Jahr 44 vor Christi Geburt.

Sicherlich liegt der Irrtum auf meiner Seite – aber: Ich stehe ja auf Ihrer …

Ich weiß, dass es nicht ernst gemeint war. Deshalb nehme ich es dir ja auch übel.

Lärm ist die Charakterlosigkeit der Akustik.

Auch manche Aquarellisten sind nicht liquid.

Es gab einmal einen Menschen, der kam sich so groß vor, dass er sich jedes Mal bückte, wenn er sich in jemand anderen hineindenken wollte.

In teuren Kleidern kann sich mancher seine Billigkeit leisten.

Wo man hinschaut – lauter Blicke.

Wie sollten jemandem ehrenhafte Geschäfte gelingen, der schon an den unehrenhaften scheitert?!

Auch der Pazifismus wird leider scheitern. An seinen – Strategien.

Warum ist eigentlich gerade in Hochhäusern die Raumhöhe so gering?

Es heißt zu oft „in der Tat“, wenn es eigentlich „in der Un-Tat“ heißen sollte.

Mitunter öffnet sich der Vorhang zu keinem Stück.

Nicht die Souffleuse muss den Text, die Schauspieler müssen die Souffleuse verstehen …

Manche Theaterdirektoren haben eine Sou-Brett´ vorm Kopf.

Wenn Statisten zu dynamisch werden, wollen sie in den Betriebsrat.

Stücke von Theaterrezensenten wirken nicht selten wie von Eunuchen gezeugte Bastarde.

Der Souffleurkasten ist aus der Theater-Mode. Der Text sitzt in den Füllhaltern der Feuilleton-Schreiber.

Manch jugendlicher Held ist in Wahrheit – Komiker.

Um als komische Alte reüssieren zu können, muss man dereinst Salondame gewesen sein.

Theater aus dem Bauch? Aber, ja doch! Nur muss es deshalb nicht durch den Arsch gehen …!

„Gehen Sie mir aus dem Weg!“ – „Gern, wenn Sie zur Seite treten!“

Politiker werden in zunehmendem Maß nach ihrem Äußeren beurteilt. Das dürfte ursächlich mit ihrem Inneren zu tun haben.

Das Gefährliche am Fernsehen ist – seine Nähe.

Der vom gehörten Ehemann überraschte Liebhaber geriet in einen Lendenwirbel.

Gehorsamster Diener, sagte der alte Fiaker zu seinen Pferden. Es waren angeblich ausgemusterte Lipizzaner darunter.

Rotkäppchen unterhielt eine lockere Freundschaft zum Wolf, bis sich die Großmutter dazwischen drängte. Die naschhafte Alte wollte den ganzen Kuchen.

Numerisch betrachtet, ist der Zirkus ungerecht. Zwei Elefanten fallen viel stärker auf als 1000 Flöhe.

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