Wer verweilt,

wird Wüstling

Eine Kolportage von

Bernd Schmidt

© by Bernd Schmidt, Graz 2016.

Sehen Sie, auch mich macht der

Frühling nervös, auch mich setzt die

holde Trivialität der Erinnerungen

und Empfindungen, die er erweckt,

in Verwirrung; nur, dass ich es nicht

über mich gewinne, ihn dafür zu schelten

und zu verachten; denn die Sache ist die,

dass ich mich vor ihm schäme, mich

schäme vor seiner reinen Natürlichkeit

und seiner siegenden Jugend.

Thomas Mann, Tonio Kröger

*

Lenz im Wald

Zugegeben, es gibt noch weniger attraktive Orte als Blumstätten an der Otter. Doch Blumstätten an der Otter genügt eigentlich auch schon. O ja. Blumstätten ist hübsch hässlich, verfügt über eine eher schwache Verkehrsanbindung, dafür jedoch über eine flotte Umfahrung. Blumstätten an der Otter ist schlichtweg – zum Vergessen. (Was indes kaum jemand bestätigen kann, weil den Ort jeder, der schon einmal dort war, genau: sogleich wieder vergessen hat …) Außerdem: Die Umfahrung wird auch gerne angenommen.

Markt Blumstätten an der Otter ist rund um einen mittelhohen Kogel auf knapp 640 Metern Seehöhe errichtet worden und zählt (nach der kürzlich erfolgten Gemeindezusammenlegung mit vier anderen, ebenfalls eher wenig attraktiven Kommunen) circa 5100 Einwohner. Ohne die Nutz- und Haustiere. Den urkundlich erstmals im 13. Jahrhundert (in einem landesfürstlichen Urbar) erwähnten Ort würde die barocke Kirche St. Peter & Paul krönen, wenn sie dazu architektonisch und künstlerisch das Zeug hätte. Doch auch dieses, im Inneren vorwiegend düstere Gotteshaus in mittelprächtiger barocker Ausgestaltung verfolgte anscheinend schon zur Zeit seiner Errichtung in erster Linie das Ziel, die spätere Bedeutungslosigkeit der Marktgemeinde untermauern zu helfen.

Gut, Blumstätten weist – über die obligate Raiffeisenbank mit Maschinenring hinaus – den halbwegs maroden Tochterbetrieb einer wackelig bilanzierenden Schuhfabrik auf, außerdem ein immerhin einigermaßen florierendes Bundes-Oberstufenrealgymnasium, eine Volks- und eine Neue Mittelschule sowie einen florierenden Fleischerei-Großbetrieb. Und just Würste sind – auch in vorwiegend vegan ausgerichteten und auf die Gesundheit fokussierten Zeiten – all die Weil beliebt.

Außerdem ist Blumstätten immerhin noch ein Dechanat; auch wenn das in einer Ära weitgehender Religionsindifferenz kaum ins Gewicht fallen mag. Wie übrigens auch die kleine, eher unauffällige Moschee nicht, die Anfang der 2000er Jahre errichtet worden ist.

In Blumstätten an der Otter gibt es nämlich nicht einmal einen richtig saftigen Fremdenhass. Auch dazu ist der hiesige Menschenschlag wohl zu wenig beweglich.

Der Wald, der den Ort im Norden und Nordosten begrenzt, der sogenannter Feichtinger Forst mit dem Galgen-Waldl als Zentrum, der ist freilich recht üppig und schön anzusehen. Doch. Auch pilzreich (in den dazu geeigneten Zeiten) und ein Tummelplatz von allerlei Kleingetier sowie ein Dorado für die erstaunliche Flora. Aus manchen der Pilze, Beeren und Baumparasiten lassen sich hübsche Sachen herstellen. Und einige der Bewohner von Blumstätten an der Otter verstehen sich auch auf die Produktion recht gediegener Halluzinogene nach uralten regionalen Rezepturen … So halten die Bewohner des verschlafenen Ortes vermutlich das Leben in Blumstätten überhaupt aus.

Nicht so Sepp Brenner, dieses ungustiöse Ferkel, dieser Ungustl und schiere Teufel in Menschengestalt, wie der Herr Dechant Johann Weidenholz, unter eifrigem Schlagen mehrerer Kreuze, den zugegeben: moralisch (und überhaupt) minderen Mitbürger im Kreise der eingeweihten Erzkatholen vom Pfarrkirchenrat zu nennen pflegt. Diesen Batzi. (Gelobt sei Jesus Christus, in Ewigkeit. Amen.)

Nein, der Brenner Sepp braucht den Wald weniger als Lieferanten von Pilz, Beere und Bewuchs, sondern in erster Linie als rohes Betätigungsfeld seiner Lüste; abseits von Drogenherstellung und alter Hexenweisheit. Hier kann er sich austoben, der Brenner. Kann junge Weiden am schmalen Bach begatten oder kranke Jungrehe. Hier schiebt er seinen bedrohlich von dicken Adern durchwachsenen Riesenschwanz in Astgabeln knorriger Eichen oder umhalst eine alte halblahme Hirschkuh. Besteigt eine grindige Wildsau und dekliniert auch sonst das ganze sodomitische Alphabet rauf und runter.

Dann bricht er von den Waldblumen einen schönen Buschen und geht heim zu seiner roten Olga, der alten Hur‘. Denn auf seine Weise empfindet er schon auch was für sie … Und dann? Dann zeigt er ihr immer wieder aufs Neu, wo der Bartl den Most holt.

Mancher mag ja im Lauf des Jahres die Wälder durchstreifen; und das aus verschiedenen Gründen. Der Förster Erwin Knauer oder sein Adjunkt, der Bierbaumer Xaver, zum Beispiel oder die diversen brunftigen Liebespaare. Aber so rigoros wie der Brenner Sepp ist mit Sicherheit keiner bei der waldigen Sache …

Egal, ob im Frühling oder im Hochsommer, ob in der Herbstzeit oder bei steifem Winterfrost: Der ewig geile Brenner Sepp durchpirscht kontinuierlich sein Waldrevier. Ihm entgeht nichts.

Ganz intensiv freilich treibt er es im Lenz. Dann ist wahrhaftig Lenz im Wald.

Im eigenen Saft

Dann, eines schönen Tages, am frühen Morgen und mitten im wieder einmal halbwegs heißen August, wird er gefunden, der Brenner Sepp. Natürlich, im Feichtinger Forst, wo denn auch sonst? Dort, ganz hinten, in der verwachsenen Lichtung, wo, im Dreieck angeordnet, die Reste der uralten, längst schon weitestgehend verfallenen Richtstätte stehen: die halbwegs bemoosten Bruchsteinpfeiler der drei ehemaligen Galgen.

Die Mirl Linsinger, die alte Schwammerlkönigin, die luchsäugige, sie ist beim Pilzesuchen fast über ihn gestolpert. Wie er so daliegt, in seinem Blut, das ihm aus dem Hosentürl rinnt und aus Ohren, Augenhöhlen und Mund, hätte er an einen barocken Springbrunnen erinnern können. Aber nicht die Mirl, denn die kennt keine barocken Springbrunnen. Aber so halt –

Wenn es sich nicht um den Ungustl, den Brenner Sepp, gehandelt hätte, der da in seinem Blut liegt, hätte man sagen können: Ecce Homo, seht den da, der da liegt geschändet und gemaßregelt nach Übermenschenmaß (oder so ähnlich). Aber im Fall des schandbaren Josef Brenner sieht die Sache freilich anders aus: Da ist dem Wüstling wohl ein anderer, ein ebenbürtiger oder ein noch geschicktere Unhold zuvor gekommen … Da hat eine entmenschte Menschmaschine die andere zermalmt und ausgelöscht.

Ein üppig blühendes Exemplar, so schient es, von umfassender Verrohung … Prächtig in der Ausbildung von so viel Gewalt und Stumpfsinn“, fasst Rechtsmediziner Prof. Dr. Felix Klarbach das blutige Stillleben entsprechend sprachblumig zusammen.

Sei froh, Felix, das es solche rare Exemplare überhaupt noch gibt in freier Wildbahn“, erwidert ihm ironisch Major Georg Enzenberger. „Sei froh!“

Die Polizisten von Blumstätten an der Otter, allen voran ihr breitschultriger Kommandant Johann Pumpinger, verstehen wieder einmal Bahnhof. Doch das scheint ihnen ohnedies zu reichen. (Jetzt, wo sich bereits die Behörde aus der Hauptstadt um die Sache kümmert …)

War ja doch eine arme Haut, denkt der Dechant Johann Weidenholz und zweifelt mit einem Mal an seinen vorherigen, stets eher deftigen Aussagen, den nun toten Mitbruder unter Mitbrüdern und Mitschwestern im Herrn betreffend … Jaja, die Vorurteile, diese Vorurteile. Und der alte Pfarrer schüttet sich noch einen vom Zirbengeist hinter die Binde (wie die deutschen Urlauber zu sagen pflegen, wenn sie den Bazillus der Langeweile von Blumstätten hochprozentig zu bekämpfen suchen).

Aber – war der Brenner Sepp nicht am Ende gar so ein ähnlicher Typ gewesen wie der berühmte Tannhauser von der Wild-Wiesen, ganz in der Nähe? Einer, der zuerst als großer Sünder vor nichts zurückgeschreckt ist und die Welt in gottloser Weise verunsichert hat, dann aber sogar nach Rom gepilgert ist, um sich von seinen Sünden reinwaschen zu lassen; vom Papst selber …?!

War am Ende auch der Sepp schon innerlich auf dem rechten Weg …?! (Er, der Herr Dechant, würde sich diesen Gedanken aufschreiben – für die Sonntagspredigt. Ja.)

Auch der Bürgermeister Gerald Holzinger schabt sich das schlechtrasierte Kinn mit Zeigefinger und Daumen der Linken, während er sinnend durch eines der Fenster des Gemeindeamts schaut, vorbei am Gemeindewappen, den drei Blütenständen auf silbernem Grund.

Hm“, grunzt der Holzinger. Dann ordert er bei der Veverl einen weiteren Kaffee.

Der Brenner Sepp, denkt der Bürgermeister, liegt er also da … im eigenen Saft.

Der alte Horner

Es gehört vermutlich zu den als ungerecht empfundenen Gegebenheiten, dass nicht selten just Menschen, die aber schon gar nichts an Besonderem auszuzeichnen scheint, plötzlich so ganz besonders hervorgehoben werden und ausgezeichnet. Von Kommunen, Behörden, Vaterland oder sonst noch was. In ähnlicher Weise mag es den übrigen Gemeinden als ungerecht erscheinen, wenn gerade Orte, die sich kaum durch besondere Schönheit, Lage oder irgendwelche Sehenswürdigkeiten von anderen vergleichbaren Käffern ((c) Duden!) unterscheiden, über eigene Ortshistoriker verfügen. Nun, in Blumstätten an der Otter war dem jedoch schon seit alters her so.

O ja, der geistig bereits ziemlich abgebrannte Gregor August Horner wusste auch immer noch ziemlich über alles Bescheid, was sich so in dieser inferioren Marktgemeinde zutrug. Sogar darüber. Was sich nicht zutrug – und warum … Was der aktuelle Bürgermeister gerade an krummen Dingen plante, wie der Dechant auf der bischöflichen Abschussliste balancierte, wonach es beim Maschinenring parteipolitisch stank – et cetera.

Etwas zu wissen, was andere nicht wussten, das lag nun einmal in der Familie Horner.

Über seinen getreuen Zech-Kumpanen (und seltsamerweise: ideologischen Gegner in so manchem hitzigen Streitgespräch), den allzu national und großdeutsch gesonnenen Chorherrn von Stift Vorau, Ottokar Kernstock (den seine Vorgesetzten schließlich auf die nahegelegene Festenburg verbannen mussten), über den ist übrigens Opa Horner, des aktuellen Horner Großvater, Gregor Anselm mit Namen, über Kernstock war der sogar noch mit dem alten Goethe der Voralpen, mit Peter Rosegger, bekannt geworden.

Ja, da schaut man.

Und so hatte Opa Horner (wie sein Sohn Gregor Agathon und sein Enkel, der oben angesprochene Gregor August, zunächst einmal im Lehrberuf beschäftigt) gar im berühmten Heimgarten ein paar Gedichte publizieren dürfen. Damals.

Insgesamt mit wenig Erfolg, aber immerhin.

Das Literarisieren, wie diese ihre Beschäftigung von vielen weit weniger begabten Zeitgenossen gerne abgetan wird, liegt also in der Familie. Und ihr diesbezügliches Talent tröpfelt in allen drei Fällen in ähnlich unergiebiger Weise dahin. Immer wieder knapp im Versiegen begriffen. Leider.

Oder finden Sie etwa diesen Vierzeiler des aktuellen Horner besonders gelungen? Also:

Ich bin ein stehendes Gewässer.

Wenn ich flösse, gings mir besser …

Ja, brannte ich vor innrer Glut,

Dann gings mir gut.

Zugegeben: Mit solchen Versen war kein Blumentopf zu gewinnen, Heimgarten hin oder her.

Aber in Sachen Ortshistorie, da ist die Horner-Dynastie eine von echten Fachleuten. Deshalb gelten und galten sie zu ihrer jeweiligen Zeit auch viel. Und so führt also seit den 1970er Jahren der inzwischen pensionierte Volksschuldirektor Gregor August Horner recht penibel die Ortschronik; ganz im Geist von Vater und Großvater.

Er redigiert aus Freundschaft heraus sogar nebenbei des Dechanten Johann Weidenholz schmales und weitgehend inhaltsschwaches Pfarrblättchen.

Ansonsten grollt Horner III lyrisch vor sich hin, trinkt (vorwiegend) Rotwein und hadert mit seiner Frau Mathilde, mit Gott und der Welt. (Mitunter erscheint ihm dann, im Rausch, sein großes Vorbild, der bedeutende Heimatpoet und Schilderer sozialer Gegebenheiten, Peter Rosegger [alias Petri Kettenfeier], und schimpft ihn dann meist ordentlich aus.)

Zwar hadert Horner also mit seinem Geschick, beklagt die Profession des Poeten wie Wilhelm Busch in seiner Bildgeschichte „Balduin Bählam, der verhinderte Dichter“ (1883) oder räsoniert wie Thomas Mann über das Künstlertum in „Tonio Kröger“ (1903); doch – was nützt es ihm? Ändert das etwas? – Nein.

Übrigens hilft es ihm auch nicht weiter, angeblich (weder sein Großvater [Gregor Anselm] noch sein Vater [Gregor Agathon] und auch er selbst haben es bis dato einwandfrei zu verifizieren vermocht) vom Baumeister der Blumstättener Pfarrkirche St. Peter & Paul abzustammen, einem gewissen Remigius Horner; der nebenbei auch in Hartberg, Kaindorf sowie in Pöllau, Ratten und Stanz bei Mürzzuschlag mit recht bedeutenden Bauwerken beziehungsweise Entwürfen zugange gewesen ist. Das ist freilich alles schon in der Barockzeit gewesen. Wenn überhaupt.

Vor einigen Jahrzehnten (lang, lang ist es her …) ist Gregor August Horner kurze Zeit einmal der roten Olga verfallen gewesen, als die noch als die inoffizielle erotische Attraktion der Bar „Zum gelben Kanarivogel“, ein paar Kilometer weiter, auf halbem Weg zum schön-gelegenen Erholungsort Miesenbach, gegolten hat. Das grindige Etablissement hatte der Wilde Jonny (ohne Filter!) geführt, ein einschlägig beleumundeter vierschrötiger Bursche mit diversen Fähigkeiten und Talenten.

Bis man ihn dann ziemlich tot am Fuß einer mittelhohen Anhöhe unter dem Kalvarienberg von Miesenbach gefunden hat, den Jonny. Erschlagen. Ja.

Das sind halt noch Zeiten gewesen, damals, in den frühen 1960er Jahren. Zeiten.

Ja, das denkt er, der alte Horner.

Die überkadidelte Eberhardine

Also, der Horner schreibt, die Karaffe mit dem Rotwein vor sich, das Neueste vom Tag in seinen Laptop. Vom Brenner Sepp und davon, wie man die arme Sau schließlich im Feichtinger Forst, im Galgen-Waldl, gefunden hat.

Und da kommen ihm so manche alte Geschichten in den Sinn:

Zum Beispiel, wie das war mit der Mutter vom Josef Brenner, der drallen Anna. Und wie die dann plötzlich mit dem Bankert dagestanden ist, mutterseelenallein. (Man hat gemunkelt, das Kind habe ihr der damalige Bürgermeister gemacht, ein gewisser Anton Unterlechner. Der ist der Chef vom Maschinenring gewesen und zudem ein aufstrebender Schwarzer, ein ÖVPler halt , Landtags-Abgeordneter und so …, verheiratet und selbst schon zweifacher Vater. Wenig später hat ihn dann der eigene Traktor zermalmt. Ein Unglück kommt selten allein …)

Und die Sache damals, mit dem alten Hans Brenner, dem halb-verwahrlosten Bruder von der Anna; diesem grobschlächtigen, ungustiösen Menschen? Angeblich sogar ein Wilderer. Auch ein Schürzenjäger. Und ein Kinderverführer. Wilderer, Weiberer, Kinderschänder – ach Gott, was noch alles! Nur weil er früher einmal, in den 1950er Jahren, ein Kommunist gewesen sein soll?!

Dann hat man ihn gefunden, eines Tages, so wie jetzt den Sepp: erschlagen im Feichtinger Forst, dort, im Galgen-Waldl.

Das scheint bei den Brennerischen überhaupt der Lieblingsort zum Auffinden der diversen Familienmitglieder zu sein, als Tote, dann …, zuletzt. Ist nicht auch die Anna Brenner dort -? Der alte Horner hält inne und trinkt.

Hm“, knurrt er zweifelnd (was aber nicht den Wein betrifft).

Und wie der Sepp dann um die zwanzig Jahre alt gewesen ist, so um die Jahrtausendwende herum, da ist etwas gewesen mit der letzten sogenannten Gräfin von Schloss Birkenstein. Mit der schon leicht überstandigen, ziemlich hysterischen Hermine Gabriele Gisela Stephanie Elvira Maria Eberhardine von Spormann-Ährenfleiß. Und die nicht mehr taufrische Dame, die jüngere Schwester des ebenfalls auf merkwürdige Weise verblichenen Philipp Christian Friedrich von Spormann-Ährenfleiß, ward von einem hübschen Buben entbunden, drüben, im Krankenhaus in Vorau. (Wobei Brenners Vaterschaft außer Zweifel gestanden sein soll, was jedoch niemanden sonderlich zu interessieren schien. Der Onkel des Buben, besagter Graf Philipp Christian et cetera, soll sich bald darauf bei der Schnepfenjagd selbst die Kugel (besser gesagt: das Schrot) gegeben haben …

Das Kind, das man auf die Namen Igor Peter Josef Rudolf Gotthold Erasmus Georg Emanuel zu taufen beschlossen hatte und das aus verständlichen Gründen über die Herkunft seines Erzeugers im Unklaren belassen worden ist die ganze Zeit, wird (was freilich jetzt noch niemand ahnen kann, naturgemäß auch der Ortschronist Gregor August Horner nicht) dereinst ziemlich Karriere in der Politik machen. Irgendwann in den 2030er Jahren …

Vorher muss allerdings der Fall Brenner Sepp erst einmal zu den Akten gelegt werden. Und das tut man doch gern. Nicht wahr?!

Niemand hat etwas gesehen, niemand hat etwas gehört. Aber alle reden darüber.

Bis auch das mit einem Mal aufhört.

Doch der Brenner Sepp lebt immerhin als Sage weiter.

Und als beliebtes Selfie-Motiv.

In irgendwelchen halbvergilbten Fotoalben (oder auch im Internet) wird sich übrigens auch irgendwo die eine oder andere Abbildung der Gräfin, also Hermine Gabriele Gisela Stephanie Elvira Maria Eberhardine, finden. Denn Gräfin hat man sie in Blumstätten an der Otter (zugegeben: ein wenig spöttisch, aber zumindest gespielt ehrerbietig) genannt.

Fest steht, dass sie um 2015 herum von einem Tag auf den anderen verschwunden ist.

Doch das Verschwinden von einem Tag auf den anderen ist in Blumstätten an der Otter nichts Außergewöhnliches. So ist auch der Altbürgermeister, der Apotheker Ambros Schlitzinger, in den späten 1950er Jahren plötzlich weg gewesen. Wie vom Erdboden verschluckt. Und auch die Otter war weg, nach einer gröberen Sommerdürre anno 1961.

Der Fluss ist allerdings wiedergekommen. Der Apotheker nicht.

Der Bub, der Igor Peter Josef Rudolf Gotthold Erasmus Georg Emanuel, hat sich zur Zeit des Verschwindens seiner Frau Mama schon in einem Schweizer Internat befunden. Für die Kosten der Ausbildung ist ein gräflicher Cousin aufgekommen. (Nicht zuletzt, weil auch er, Spross einer Nebenlinie aus Thüringen, geglaubt hat, sich Hoffnungen machen zu dürfen, womöglich der Vater des aufgeweckten Buben zu sein …)

Aber sie blieb weg, die überkandidelte Eberhardine.

E N D E

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