Mit Goethe

im Zug der Zeit

 

Eine Burleske von

Bernd Schmidt

© by Bernd Schmidt, Graz 2013.

(ENDFASSUNG 2016.)

 

 

(…)

Hier sitz‘ ich, forme Menschen

Nach meinem Bilde,

Ein Geschlecht, das mir gleich sei,

Zu leiden, weinen,

Genießen und zu freuen sich,

Und dein nicht zu achten,

Wie ich.

Johann Wolfgang Goethe, Prometheus 

*

 

I

„Verzeihung, ist der Platz hier noch frei?“ Der alte Herr weist mit der Rechten auf die Sitzmöglichkeit mir gegenüber im Speisewagen des Zuges, der nach Zürich unterwegs ist. Von Frankfurt am Main aus. Unter anderem.

„Ja, natürlich! Bitte!“ Ich erhebe mich höflich (und als der doch um einige Jahre Jüngere), während Goethe sich seines Mantels entledigt, diesen aufhängt, sein Köfferchen neben den Tisch stellt und schließlich selber Platz nimmt.

„Danke“, sagt der Geheime Rat et cetera und greift nach kurzer Zeit zur Weinkarte. Eine formelle Vorstellung muss wohl erst gar nicht erfolgen. Oder? Ich weiß, wer er (gewesen) ist; und er sagt tatsächlich: „Schmidt, nicht war? Bernd Schmidt …“

Ich nicke, etwas verwirrt.

„Ja. Man hat mich instruiert …“

Das ist allerdings eine knappe Auskunft. Irritierend … Geht es hier um ihn oder um mich?

Doch ich lasse es lieber dabei.

Außerdem: Ich freue mich, Goethe gegenüber zu sitzen. Noch dazu in einem einigermaßen gepflegt aussehenden Speisewagen der Deutschen Bahn, an dem übrigens, draußen natürlich, der Namenszug Johann Wolfgang von Goethe prangt (welch ein Zufall!). Und auch der Dichterfürst sieht einigermaßen gepflegt aus. Gut erhalten, irgendwie; wenn man bedenkt, dass der alte Herr auch schon über 180 Jahre tot ist …

Goethe.

Er ist der Erschaffer mitunter so schlechter Lyrik, dass deren Nicht-Qualität auch durch keinen noch so furchtbaren Anlass gerechtfertigt erscheint, und so mitreißender, vor der man tatsächlich knien möchte …

Goethe, der in seinem Versepos „Reineke Fuchs“ makaber Ergötzliches, in „Herrmann und Dorothea“ weihrauchig Erhabenes, im „West-östlichen Diwan“ exotisch Inniges vermittelt.

Goethe, dessen Dramatik mir – abgesehen von einigen starken Szenen in beiden „Fäusten“, dem ganzen „Götz von Berlichingen“ und der „Iphigenie“ – insgesamt eher verzichtbar erscheint. (Wenngleich ich den diesbezüglichen Rundumschlag des – inzwischen auch schon verblichenen – Regisseurs Peter Zadek für bedenklich halte, der dem Dichterfürsten in einem „Profil“-Artikel von 2004 gleich jedes dramatische Talent absprechen zu müssen geglaubt hatte. Gipfel der Frechheit: „Ich habe nichts von Goethe inszeniert, weil er ein schlechter Bühnenautor ist. Der hat kein einziges gutes Stück geschrieben.“)

Goethe, der sich als Prosa-Autor oft weniger originell („Wahlverwandtschaften“, „Die Leiden des jungen Werthers“) als umständlich („Wilhelm Meister“) geriert.

Goethe, der lebendige, in der Natur- wie Kunstbetrachtung souverän beobachtende und schildernde Reiseschriftsteller („Italienische Reisen“) und weitgehend beschönigende (wenn nicht sogar verlogene) Autobiograph („Dichtung und Wahrheit“).

Goethe, der gleich mutige wie fruchtbare Dilettant in den Naturwissenschaften („Farbenlehre“, „Zwischenkieferknochen“), in Theologie und Philosophie.

Goethe, der umstrittene Theater-Intendant, glücklose Bergwerksleiter und windige Diplomat.

Goethe, der Dauerbespiegeler seines Ego, dem das eigene Bild, bedingt durch eben die permanente (Selbst-)Reflexion, nicht selten abhanden zu kommen droht.

Goethe, der sprachgewaltige Zauderer und gefühlsbetonte Vorwärtsstürmer – in einem.

Goethe eben, nach dem nicht von ungefähr eine ganze Zeit benannt ist. (Siehe dazu: Rüdiger Safranski, „Goethe. Kunstwerk des Lebens“!)

Goethe schließlich, der sich bei so vielem (fraglos nicht immer leicht erarbeiteten) Ruhm und keineswegs geringem Geistesaufwand die missbräuchliche spätere Verwendung durch das sogenannte Bildungsbürgertum bis hin zum Nazi-Gesindel nicht verdient hat.

Goethe.

Worüber wird er mit mir sprechen – denn dass er mit mir sprechen wird, setzte ich einfach voraus! -, der so geniale und so vielseitige Ausnahmemensch? Am Ende auch über Intimes? Über die Familie, die Farbenlehre, den Zwischenkieferknochen und die Liebe? Über Religion, Botanik, Bergbau und Politik? Über seine speziellen Freunde und über seine speziellen Ex-Freunde, über Herder, Jacobi, Lavater (besonders über Lavater, wenn wir schon im Zug nach Zürich sitzen …)? Über den Herzog Karl August, über Schiller, die Brüder Humboldt, Merck, Lenz, Langer und die Klettenberg? Dann – über seine diversen Geliebten und Herzdamen – von Klärchen, Lottchen, Friederike und Christiane bis Stinchen und Trinchen? Über die Frau von Stein? Über –

Der Speisewagenkellner hat uns Rheinriesling empfohlen. (Ich habe mich – nach Goethes ausdrücklicher Aufforderung – der Bestellung des ausgewiesenen Weinkenners sicherheitshalber angeschlossen; außerdem verfügen die hier vermutlich über keinen Wein aus der Südsteiermark.)

Wir trinken zunächst einmal. Wacker. Wacker.

Ich denke bei mir: Was reden mit einem wie Goethe? Das, was sich geziemt? Oder das, was mich interessiert?

Doch der Alte errät anscheinend meine Gedanken. (Ach, er ist ja instruiert …)

„Ja, ja, die Frauen …“, sagt Goethe, als ob er just über dieses unerschöpfliche Thema sinniert hätte (vielleicht sogar immer just über dieses unerschöpfliche Thema sinniere? Egal …).

„Die Frauen“, hebt er erneut an und blickt kurz über das Tischchen zu mir her; als wäre ich einer seiner Schauspieler und hätte das Stichwort überhört.

„… und die Liebe“, erlaube ich mir daher, möglichst eilfertig anzuschließen. „Sie galten zeitlebens nicht gerade als – Kostverächter, verehrtester Geheimrat …!“

Einige Gläser in stiller Rückbesinnung.

Dann, Goethe, fast eruptiv: „Ach, was! Dieser ganze unsinnige Zwiespalt – hie fein-seelische, platonische Beziehungen, da ordentlich zupackend erotisch-sexuelles Handeln -, er war doch meistenteils den Konventionen geschuldet! Den Konventionen, Schmidt! Hohlem, vordergründigem Quark also … Nein, Quark kann nicht hohl sein. Entschuldigen Sie! – Also, hohlem, vordergründigem Gefasel. Ja, Gefasel, das ist gut …, wenn auch stilistisch nicht sehr originell … – Klar, natürlich hätte ich mich (noch mehr als ich es ohnedies tat, bitte sehr!) über die Konventionen und die gesellschaftlichen Grenzen meiner Zeit hinwegsetzen sollen; und vor allem: früher, viel früher schon …! Dann wäre zum Exempel die Sache mit der kleinen Anna Katharina Schönkopf, mit dem süßen Kätchen, in Leipzig wohl wesentlich glücklicher verlaufen …, weiß Gott!“

Ein, zwei Gläser braucht das schon.

Ja, da halte ich mit.

„Oder mit der grandiosen Friederike Brion, die Sesenheim-Affäre – oder besser wohl: Fast-Affäre …“, werfe ich dann mutig ein. „Wahrscheinlich wäre es geschickter gewesen, die hübsche Friederike zu bumsen, als den in Seelengröße großartig Entsagenden zu mimen?!“

„Aber, hören Sie: Ich habe nicht gemimt! Ich -“

„Oder, bitte schön, was war mit der schönen Charlotte Buff damals in Wetzlar? Da ließen Sie, höflich und galant und erneut, ach!, so entsagend!, dem Legationsrat Johann Christian Kestner den Vortritt zur Bettstatt der Angebeteten -“

„- und kam so immerhin an meinen ,Werther‘-Stoff, mein Bester! Nein, nein, so simpel darf man die Dinge nicht betrachten; auch die Liebesdinge nicht …“

„Hm“, mache ich, nachdem ich das Weinglas abgesetzt habe.

Ja, ja, ja: Goethe und die Frauen. Auch Leuten, die von jeglicher Goethe-Kenntnis unbeleckt sind und denen seine weitläufigen Ideengebäude und Denksysteme überhaupt nichts sagen, die, wenn es hoch kommt, ein paar Balladen à la „Erlkönig“ oder „Heidenröslein“, „Zauberlehrling“ und „Schatzgräber“ mit ihm in Zusammenhang bringen, Leuten also, die wenig mit ihm am Hut haben, gilt der Prominente aus dem Lexikon immerhin als ausgesprochener Frauenfreund und – in aller Regel erfolgreicher – Schürzenjäger. Ja, für die ansonsten Unbedarften stellt der Womenizer Goethe immerhin ein bestaunenswertes Exemplar einer sich nicht zuletzt lendengewaltig äußernden Genialität dar. Doch auch sonst gelten die schmückenden Beiwörter vom Dichter als Gemeindestier, vom Wissenschaftler als Tugendbezwinger, vom immer geilen Bock in all seinen übrigen Professionen durch die Zeiten.

Ob die intensive Zuneigung zur um ein Jahr jüngeren Schwester Cornelia (vermutlich nicht ganz ohne inzestuöse Tendenz), ob der etwas problematische Umgang mit einem wenig älteren Mädchen, Gretchen genannt – bereits Goethes Frankfurter Kindertage scheinen Frau-bestimmt. Und wenn auch nicht immer Goethe drin ist, wo Frau draufsteht – der Umgang hat sich nun einmal stets rasch ergeben. Nicht immer allerdings bleibt die Bekanntschaft dann auch frei von Friktionen.

Etwa die Jugendzeit, in Leipzig, im sausenden, brausenden Studentenleben mit Anna Katharina (Kätchen) Schönkopf. Dann Sesenheim und Friederike Brion. Wetzlar und Charlotte Buff. Maximiliane La Roche. Liebschaft und Verlobung mit Anna Elisabeth (Lili) Schönemann. Parallel dazu „Beginn der Brief- und Seelenfreundschaft“ (Zitat nach Rüdiger Safranski, „Goethe. Kunstwerk des Lebens“) mit Auguste (Gustchen) Gräfin zu Stolberg. Charlotte von Stein. Gräfin Antonia von Branconi. Die (hoffentlich: sinnliche) Römerin „Faustina“ (!). Schließlich (und sicherlich sinnlich:) Christiane Vulpius. Rahel Levin, die spätere Frau von Varnhagen von Ense, Anne Louise Germaine Baronne de Stael. Bettine Brentano. Natürlich Marianne Jung (Willemer). Der Teeny Ulrike von Levetzow. Die polnische Pianistin Maria Szymanowska …

Eine ganz ordentliche Latte.

„Außerdem, Schmidt, zwischen Leben und Werk bestand bei mir stets – Korrelation!“

Nun trinkt auch Goethe einen bedächtig aufgenommenen Schluck.

„Ja“, fährt er energisch und belehrend fort, „ich versuchte immer, Poesie mit Realität, Dichtung mit Wissenschaft zu vereinigen, das Leben gleichsam poetisch zu mildern in zarter Empirie … Natürlich war das nebenher auch Quelle vieler Missverständnisse …“

Und an den gerade in der Nähe befindlichen Speisewagenkellner gewandt: „Wir hätten gerne noch so eine Bouteille, bitte!“

„Noch ’ne Flasche Rheinriesling. Kommt sofort.“ Und der Livrierte macht sich davon.

Wohl wahr, denke ich. Der Versuch, das Leben gleichsam poetisch zu mildern, muss geradezu Missverständnisse evozieren (und sogar Freundschaften vergiften). Gerade an Goethes philosophisch-naturwissenschaftlich-poetischem Heiligtum, der „Farbenlehre“, scheiden sich doch die Geister! Georg Christoph Lichtenberg ignoriert sie, weil sie ihm als Naturwissenschaftler wohl zu poetisch abgemildert erscheint; der junge Arthur Schopenhauer, eigentlich ein glühender Goethe-Adept, wächst an ihr über den Meister hinaus, was der keimenden Freundschaft den Todesstoß versetzt. Und auch die nachfolgende Fachwissenschaft lehnt sie großteils ab. (Da geht es Goethe, dem Wissenschafts-Dilettanten mit seinem „Zwischenkieferknochen“ noch besser, und das os incisivum Goethe wird sogar nach ihm so zugenannt …)

„Leben und Werk in Korrelation … Ja, ich weiß: Kunstwerk des Lebens …“, zitiere ich nicht ohne Hintergedanken den Untertitel von Rüdiger Safranskis eben erst (2013) erschienener „Goethe“-Biographie. (Und denke bei mir dabei: Am besten wäre vielleicht gleich: Goethe – ein Gesamtkunstwerk …)

Dann frage ich ziemlich gerade heraus: „Entschuldigung, aber: Haben Sie denn nie unter der Angst gelitten, dereinst womöglich zum Artefakt schrumpfen zu können?“

„Goethe als Überbleibsel? Goethe als gewesenes Kunstwerk? Goethe als geschrumpelte Weltidee? Goethe als leicht angefranstes Flaschenetikett? – Nein, lieber Schmidt, solche Ängste plagten mich nie! Ich lebte als der mich zwar stets Verändernde und war somit einer, der sich permanent weiterzuentwickeln trachtete; aber ich war mir (mit wenigen Ausnahmen, die wir hier indes nicht erörtern werden) meiner selbst immer sicher. Ja, das kann ich sagen!“ (Er richtet sinnend den Blick nach oben, als wollte er sagen, dass es da wohl andere gegeben habe, die sich zwischen Pflicht & Neigung et cetera nicht selten aufgerieben hätten. Ach, ja, Fritz Schiller …! Selige Zeiten, als noch der stürmende und drängende Geniewahn à la Johann Gottfried von Herder in ihnen pulsiert hatte …!)

„Pardon, aber daran hatte ich nicht den geringsten Zweifel gehegt“, beeile ich mich den alten Herrn möglichst rasch wieder in gute Laune zu versetzen. „Und Ihr ein langes Leben andauernder Galopp durch diverse Beziehungssachen, dieser Parforceritt in amouröser Hinsicht, wenn ich so sagen darf, vermag ja auch durchaus zu imponieren! Auch er (oder gerade er?) zeugt übrigens ebenso von dauerndem, überaus ausdauerndem Wandlungswillen -“

„- auch wenn ich dabei nolens, volens mancher der Damen großen Kummer bereitet haben mag! Ja, sagen wir es ruhig heraus: Ich war da ziemlich rigoros …“

Wir schweigen, während der wieder zu uns getretene Kellner die Gläser aufs Neue füllt aus der zu Ende gehenden Flasche.

Wir trinken. Genießen. Ja.

„Vielleicht wäre es besser gewesen, doch den Inzest zu leben mit meiner Schwester Cornelia?!“ sinniert Goethe. „Aber auch ein flotter Dreier hätte wohl etwas für sich gehabt! Denken Sie nicht auch, Schmidt?!“

Ich nicke, in mein Glas und den guten Wein vertieft.

„Besser zumindest, als bloß theoretisch darüber abzuhandeln …“ Auch Goethe greift wieder zum Glas. (Und gedenkt dabei vermutlich der Wahlverwandtschaften …)

„Jaja“, werfe ich, vom Rheinriesling merkbar animiert und ein wenig forsch vielleicht, immerhin möglichst charmant lächelnd ein. „Diese Theorie, diese graue …, und im Gegensatz dazu: so grün des Lebens goldner Baum!“

„Sie sind ein Schelm, Schmidt“, sagt Goethe. Dann schließt er launig an: „Außerdem – ohne meinen Eckermann sag‘ ich jetzt gar nichts mehr …“

Wir prosten einander zu, während der Speisewagenkellner die nächste Bouteille serviert.

„Doch – das eine noch zu diesem Thema: In Christiane Vulpius habe ich sie dann ja doch gefunden, die Frau, die für mich sowohl Seelen-Gefährtin als auch erotisch-sexuelle Geliebte sein konnte – und war!“ Und Goethe hebt das Glas, auf die Frau, in der jeder, hätte man den Ausdruck damals schon gekannt, vermutlich und ohne Leugnen seinen Lebensmenschen gesehen hätte. „Ja, Christiane war – wie schon meine Mutter sie anerkennend nannte – mein Bettschatz, aber nicht nur …“

Er will sich, so scheint es, (zumindest zum jetzigen Zeitpunkt) zu diesem Thema nichts Weiteres entlocken lassen.

Schade, eigentlich.

Immerhin wäre es reizvoll, etwas über Donna Vulpia aus seinem Mund zu hören! Und beispielsweise über die Aufgaben und näheren Umstände der Arbeiterinnen in der Weimarer Blumenmanufaktur des vielseitigen Autors, erfolgreichen Cervantes-Übersetzers, regen Zeitungsherausgebers, Verlegers und Beamten in herzoglichen Diensten, des Tausendsassas Friedrich Johann Justin Bertuch; denn als solches Blumenmädchen wirkt Goethes langjährige Geliebte und spätere Ehefrau zunächst … Und interessant wäre es zudem, was der Olympier wohl zur Definition seiner eigenen häuslichen Zustände zu sagen hätte, wie sie der Herrscher über Weimars Gerüchteküche, der Altphilologe, Gymnasialdirektor sowie frühe Adabei und Seitenblicker Karl August Böttiger, liefert: „Nichts ist einfacher, als seine jetzige Häußlichkeit. Abends sitzt er in einer wohlgeheizten Stube eine weise Fuhrmannsmütze auf dem Kopf, Moltumjäckchen u. lange Flauschpantalons an, in nieder getretnen Pantoffeln u. herabhängenden Strümpfen im Lehnstuhl, während sein kleiner Junge (August, Anm.) auf seinen Knieen schaukelt. In einem Winkel sitzt stillschweigend und meditirend der Maler Meyer, auf der andern Seite die Donna Vulpia mit dem Strickstrumpf. Dieß ist die Familiengruppe.“ (Um Böttiger hier nach der Ausgabe der „Literarischen Zustände und Zeitgenossen. Begegnungen und Gespräche im klassischen Weimar“ in der Edition von Klaus Gerlach und René Sternke von ³1998 zu zitieren.) Er würde den neugierigen und indiskreten Zeitgenossen zumindest – wieder einmal – Arschgesicht, Vogelscheuche oder Schmeißfliege nennen …

Oder sollte er diesmal die Aussage verweigern?

Egal.

Erstaunlich überhaupt die verbale Zurückhaltung, geht es ums Ewig-Weibliche, das uns angeblich hinan zieht … Erstaunlich für einen, der so gern (von Frankfurt bis Rom, Straßburg und Wetzlar bis Weimar) am Grasen und Tendeln ist, am Anbeten und Fordern, am Erobern, Genießen und Fallenlassen; und sich sogar darüber den Kopf zerbricht, dass es trauriger Weise in der deutschen Sprache kaum einen adäquaten, indes nicht abwertend klingenden Ausdruck für das gibt, was die Medizin recht profan Penis nennt: Gib mir statt „Der Schwanz“ ein ander Wort, o Priapus! / Denn ich Deutscher, ich bin übel als Dichter geplagt“, heißt es in den (lange verheimlichten) Epigrammen. Phallos, wie er das Ding griechisch benennen könne, möchte ihm zwar konvenieren; oder auch Mentula in Latein. Aber nein, doch nicht: Der Schwanz ist etwas von hinten, / Und nach hinten war mir’s niemals ein froher Genuss. (Siehe: Ernst Johann, „Unziemliche Sachen …“; Gudrun Schury, „Goethe A B C“.)

Da wissen wir zwar wieder partiell mehr, die große Frage indes bleibt offen, wie intensiv es der Herr Geheimrat, Minister, Wissenschaftler und Mega-Dichter tatsächlich getrieben habe mittels seines Iste, wie er den munteren Gesellen dann doch zu benennen beliebt … Und er lässt sich sogar über dessen Tücken aus, will er (besonders im Fall eines außerehelichen Versuchs) partout einmal doch nicht: Denn der so hitzig sonst den Meister spielet, / Weicht schülerhaft zurück und abgekühlet. Nun, so kann es eben gehen, wenn es einmal nicht geht. Doch dann, da der schon leicht konsternierte Mann, der in einer Art Dienerrolle von den Launen besagten Meisters Iste abhängt, in seiner Not an die geliebte Ehefrau daheim denkt, funktioniert die Sache schließlich ja doch noch: Wir waren augenblicklich, unverdrossen / Und wiederholt bedient vom braven Knechte! (Aus dem Gedicht „Das Tagebuch“ von 1810, zitiert nach Schury, „Goethe A B C.“; die recht frivolen Verse, geschrieben im Umfeld der „Wahlverwandtschaften“, lockern zwar, laut Safranski, intime Männerrunden auf, wo sie der gutgelaunte Goethe selbst mitunter vorliest; sie finden jedoch verständlicherweise keine Aufnahme in die offizielle Ausgabe letzter Hand. Als locker-burlesk dargebotener Beweis dafür, wie tugendsame Höhe über ein körperliches Tief zu triumphieren vermag, geben sie immerhin sogar psychologisch einiges her – im Spannungsfeld von Tugend, Pflicht, Verlangen und Liebe …)

 

II

„Aber – auch die Männer, mit denen sie zu tun hatten? War es – mit Verlaub – nicht ein wenig gefährlich, sich Ihrer Freundschaft zu rühmen?“ Ich frage in scheinheiliger Demut, was Goethe ohne Zweifel sofort durchschaut. Zumindest kräuselt er seine Lippen zu einem ziemlich mephistophelischen Lächeln.

„Sie meinen, da ich mich, im Unterschied zu manchem Zeitgenossen, weiterzuentwickeln entschlossen war und es mir nicht auf einmal erworbenem Lorbeer bequem machte?“

Ich nicke.

„Gut, ich habe manchen, sozusagen: überholt. Aber immerhin: Oft wurden Freundschaften auch wieder aufgenommen …, freilich, oft nach Jahren erst.“

„Mit Schiller war es doch anfangs auch nicht so ganz einfach“, werfe ich ein, „und doch gilt die Freundschaft just mit ihm – zumindest für die nachfolgenden Generationen – als ehernes Zeichen und gleichsam unerreichbares Vorbild, geht es um Freundschaft zwischen gleichgesinnten Männern. In diesem Fall: sehr eminenten (und prominenten) noch dazu …“

„Hm“, macht Goethe. „Ja, Freund Schiller … Anfangs taten wir uns in der Tat nicht ganz leicht mit einander -“

„Er verübelte Ihnen doch sogar seine Professur in Jena, die sie befürwortet hatten, nicht zuletzt, weil sie ein unentgeltlicher, also ohne Besoldung zu erledigender Job war …“

Mein Gegenüber holt zu einer gleichsam wegwischenden Geste aus. „Immerhin – wir fanden später dann doch sehr innig und eng zu einander. Weiß Gott!“

Goethe mag das Thema trotzdem nicht so ganz, merke ich. Es ist ihm irgendwie unangenehm. Trotz der „Horen“ und besonders der „Xenien“ sowie anderem innigen Zusammenarbeiten der beiden dann auch wieder so verschiedenen Genies: Hier war Schiller, alles streng der hohen Kunst, dort Goethe, alles der Natur unterordnend. Zwei verwandte Antipoden. Seltsam.

„Und sie wurden – abgesehen von Ruf und Ruhm des einzelnen – doch schließlich auch im olympischen Duo ein Begriff! Ja, sind es bis heute …“, beeile ich mich, die Situation vorsichtshalber zu entschärfen. Man kann ja nie wissen.

Da, Goethe lächelt wieder. Er mag kleine Schmeicheleien – wenn sie nicht zu plump vorgebracht werden.

Und wir trinken mit Genuss.

Kleine Pause.

„Sie haben es jedoch auch meisterlich verstanden, sich die einflussreichen Leute Ihrer Umgebung zunutze zu machen, nicht wahr? Zum Beispiel: Der Herzog Karl August vermochte Ihnen kaum eine Bitte abzuschlagen. Sogar überzogene Urlaube, etwa die Italienische Reise, fanden sein volles Verständnis; und auch Begünstigungen bei den von Ihnen eigentlich zu erfüllenden (und alles andere denn schlecht dotierten) Amtsgeschäften gewährte er Ihnen anstandslos, damit Sie sich mehr ihrem dichterischen und wissenschaftlichen Werk widmen konnten …“ (Naturgemäß auch ein bisschen zu dessen, des Herzogs, Ruhm.)

Goethe nickt. „Er war grosso modo ein guter Junge, ja …“

Vielleicht folgt Karl August, seit 1775 regierender Herzog von Sachsen-Weimar und Eisenach (und ab 1815 dann sogar Großherzog), zunächst nur dem Geschmack der Zeit und will sich, wie viele andere deutsche (Klein-)Fürsten auch, angeregt durch das leuchtende Vorbild des großen Friedrich, ein Exoticum an seinen Hof binden. Wie der Preußenkönig die Herren Voltaire oder La Mettrie, Frankreichs Ludwig XV. gar den buntschillernden Grafen Alessandro Cagliostro alias Giuseppe Balsamo, einen Abenteurer, Hochstapler und Beutelschneider (mit dem und dessen Familie sich Goethe übrigens noch eingehend beschäftigen wird); oder den – bis zu seinem Tod anno 1784 – eigentlich im Ruf ewigen Lebens stehenden Alchemisten, Edelstein-Klitterers und recht geschickten Tuchfärbers Graf Saint-Germain, der gegen Ende seiner Karriere recht erfolgreich am Hof des Landgrafen Prinz Karl von Hessen-Kassel wirkt.

Karl August richtet zum Exempel dem kommoden Lehrer, munteren Trink- und Liebes-Kumpanen, später dann seinem honorigen Minister sowie stolzen Geheimrat, der 1815 gar Staatsminister im Großherzogtum wird, und vor allem: seinem verehrten Herzeige-Genie sogar das entsprechend ausgestattete, durchaus taugliche Weimarer Hoftheater als – im Wortsinn – Spielfeld seines szenisch-dramatisch-dramaturgischen Gestaltungswillens ein. Und tatsächlich beginnt die ursprüngliche Liebhaberbühne ab 1784 mit einem festen Ensemble zu florieren.

Allerdings entwickelt sich der Posten später zum mehr und mehr als hinderlich empfundenen Klotz am geistigen Bein Goethes. Kein Wunder, gilt es doch immerhin, etwa auch Stücke vom zwar überaus erfolgreichen August Friedrich Ferdinand von Kotzebue aufzuführen (den der Herr Intendant persönlich strikt ablehnt), sich mit dem in bombastischer Attitüde durchs Land gastierenden Bühnen-Heros August Wilhelm Iffland zu arrangieren oder gar Heinrich von Kleists Lustspiel „Der zerbrochene Krug“ als Regisseur in den Sand zu setzen …

Der Herzog hört übrigens im Vorfeld der Beendigung von Goethes zuletzt nicht immer ganz konfliktfreier Intendanz anno 1817 auf seine Mätresse, die Schauspielerin Karoline Jagemann (jetzt nobilitierte Frau von Heygendorf), welche Dame mit dem Geheimrat seit 1808 immer wieder mal im Clinch liegt; nicht zuletzt, weil sie seine Fähigkeiten als umsichtigen und fachkundigen Theaterleiter anzweifelt. Aktuell haben sie sich wegen eines Pudels (sic!) in der Wolle, der als Held im historisch-romantischen Boulevard-Stück aus dem Französischen, Der Hund des Aubri de Mont-Didier oder Der Wald bei Bondy, einem publikumswirksamen „Trivialfetzen“ (so Schury), mit auf die Bühne soll – gegen Goethes ausdrückliches Interdikt! Goethe lässt das Gerücht streuen, die Intendanz abgeben zu wollen, und sein großherzoglicher Freund entbindet ihn nunmehr dieser Bürde … Der Hund übrigens darf mitspielen.

Goethe nickt. „Ja, das stimmt: Man sah recht gut auf mich …“

„Doch auch hier waren es nicht zuletzt die Damen, die Sie unterstützten und förderten“, presche ich ein wenig frech vor.

„Naturgemäß war es von Vorteil, zum Exempel bei der Herzogin-Mutter, bei Anna Amalia also, einen Stein im Brett zu haben …“, gibt Goethe zögernd und die alte, zerfurchte Stirn zusätzlich runzelnd zu. „Und auch die Bekanntschaft mit der Pietistin Susanna von Klettenberg war für mich, den damals Jungen und in Glaubensfragen Suchenden, sehr bedeutsam.“

„No, und Charlotte von Stein?“, werfe ich ein, jetzt schon etwas mutiger geworden. „Die war ja nun wohl mehr als bloß -“

„Hören Sie, mein Bester!“ Goethe wirkt leicht ungehalten, doch auch irgendwie erheitert. (Wahrscheinlich, weil das alles schon so weit in der Vergangenheit liegt und ihm daher auch ziemlich egal sein kann. Schätze ich.) „Tun Sie um Gottes Willen nicht so, als wäre ich Richard Wagner – und die Stein die Mathilde Wesendonck!“

Und zum Speisewagenkellner, der eben und erneut (na, so etwas!) in unserer Nähe herumwuselt: „Herr Ober! Noch ein Fläschchen!“

Nun gut, denke ich. Lassen wir dieses Kapitel. Ist ohnedies ziemlich abgelutscht und ausgeschlachtet. (Von wegen Liebespflicht und -lust, auch in Hinblick auf platonische, vor-, außer- und endlich: eheliche Liebe! Und besser auch keine Vulpiade, sonst kommt mir der Alte wohl gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus …)

Der Kellner erscheint wieder, die Weinflasche im Anschlag. Übliches Zeremoniell.

Reden wir, denke ich, ein wenig über die Romantik. Immerhin, ein Phänomen, das Goethe a) wenigstens nicht (allein) erfunden hat; und b) gegen das er recht dezidiert gewesen ist … Bei Romantik, da denke ich zum Beispiel an Jürgen Safranskis fundiert-spannendes Buch „Romantik. Eine deutsche Affäre“ (2007) und besonders an die (längst nicht bloß literarische!) Strömung an sich und ihre Folgen. „Das Romantische findet sich bei Heine“, schreibt Safranski, „der es zugleich überwinden will, so wie auch bei seinem Freund Karl Marx. (…) Dann Richard Wagner und Friedrich Nietzsche, die keine Romantiker sein wollten, aber es doch waren als Jünger des Dionysos.“ Und weiter: „Beim Kriegsbeginn 1914 glaubten Thomas Mann und andere, die romantische Kultur Deutschlands gegen die westliche Zivilisation verteidigen zu müssen.“ Und sogar auf ein recht eigenwilliges Dreigestirn verweist der Autor, nämlich auf „Hofmannsthal, Rilke, George – bei ihnen war noch einmal romantische Blüte (…). Sie übten als gewissermaßen offizielle Würdenträger und Botschafter des poetischen Reiches große Wirkung aus.“

Doch – nein, ich will den alten Herren ja nicht unnötig verärgern. Daher lasse ich das mit der Romantik lieber und überlege mir: Wechseln wir vielleicht besser ins Philosophische hinüber; falls ich mit meinem vergleichsweise bescheidenen Wissen da überhaupt mithalten kann. (Ein Schuhlöffel? – Ach, ja! Lavater! Wozu fahren wir denn schon durch die schöne Schweiz!)

Da sind wir also alsbald im überaus lebendigen, angenehm vom Rheinwein begleiteten Gespräch beim Prediger, Philosophen und Autor Johann Kaspar Lavater angelangt, der in Zürich wirkt und den wieder einmal zu besuchen Goethe (soviel hat er mir immerhin schon verraten!) überhaupt unterwegs ist. Nach diversen Entzweiungen und Wiederannäherungen – wobei die ersteren, so mein beredtes Gegenüber, stets in grundsätzlich divergenten Auffassungen über Frömmigkeit und Glaube begründet gewesen seien – versucht Goethe, ermutigt vielleicht auch durch den Umstand des schon ziemlich weit zurückliegenden Todes beider, nunmehr wieder eine Versöhnung mit dem Schweizer Theologen. Immerhin, beim letzten Fast-Zusammentreffen in Zürich übersah der alte Lavater Goethe, und dieser drückte sich in eine Mauernische … Doch nunmehr ist das Trennende wohl längst irrelevant geworden; wie auch der Umstand, dass Goethes damalige wesentlich freiere Auffassung in Sachen Gottesbegriff sich a priori an der in gewisser Weise bodenständigeren, eben auf der heiligen Schrift gegründeten Sichtweise Lavaters reiben hatte müssen … Wie gesagt, jetzt längst schon irrelevant; von neuer und anderer Sicht überlagert.

Und natürlich landen wir Gesprächs-technisch alsbald schon bei Baruch de Spinoza.

Der zuletzt (vor allem von seinen Glaubensbrüdern) als Ketzer verteufelte, aus einer jüdisch-niederländischen Kaufmannsfamilie stammende, so bedeutende wie umstrittene Philosoph des 17. Jahrhunderts, der Systematiker des Rationalismus und Pantheis, steht in Goethes Augen für die Natur. Eben in ihr – nicht in irgendwelchen heiligen Schriften! – offenbare sich Gott, ja: In ihr und nicht außerhalb ihrer sei er als Substanz vorhanden! Der Mensch könne, indem er lerne, streng zu sein, Askese zu üben sowie frei zu werden von Eitelkeit und Selbstüberschätzung, insgesamt also von sich absehe, inneren Halt erlangen – durch „die Erkenntnis der Einheit, die den Geist mit der gesamten Natur“ verbinde, wie es Rüdiger Safranski ausdrückt.

In seiner Jugend schon, obwohl der spätere hochdekorierte Hofmann und Dichterfürst damals die Schriften Spinozas (ebenso wie auch die Immanuel Kants) vermutlich eher oberflächlich studiert, mag ihn bereits die Frömmigkeit des Denkens fasziniert haben. Immerhin sucht Goethe zu dieser Zeit und kurz darauf auch bei den Pietisten rund um Susanna von Klettenberg und beim Leipziger Freund Ernst Theodor Langer Unterweisung und Halt in Glaubensfragen; und er nähert sich sogar, wenn auch bloß für kurze Zeit, den gestrengen Herrnhutern an.

Nun aber, da er ab Herbst 1784, also Jahrzehnte später, einer ernsteren Lektüre von Spinozas „Ethik“ (Ethica ordine geometrico demonstrata, postum anno 1677 erschienen) obliegt, die er übrigens gemeinsam mit Charlotte von Stein betreibt, gelangt er immer mehr in eine Art von Denkgemeinschaft mit dem prominenten Niederländer (1632 – 1677).

Warum Goethe überhaupt wieder zu Spinoza greift? Nun, das hängt – laut Safranski, auf dessen erhellende Ausführungen sich diese und die folgenden Spinoza-Passagen der skriptoralen Einfachheit halber in erster Linie auch stützen – hauptsächlich damit zusammen, dass der Philosoph, Diplomat, Autor und Goethe-Freund aus Jugendtagen, Friedrich Heinrich Jacobi, seinerseits eine Abhandlung über den immer noch weitgehend verteufelten jüdisch-holländischen Denker aus Amsterdam herauszugeben geplant habe („Über die Lehren des Spinoza“). Nach ihrem Erscheinen anno 1785 kommt es übrigens zur – erneuten – heftigen Verstimmung zwischen den Freunden, da Jacobi Goethes Hymnus „Prometheus“ ohne des Verfassers Wissen besagter Schrift beigelegt hatte.

Das höhere Wesen in der Natur – oder gar: als Natur?

Johann Peter Eckermann („Gespräche mit Goethe …“) schreibt per Datum 28. Februar 1831 zur zumindest teilweisen Kongruenz zwischen Spinoza und Goethe in Glaubensfragen unter anderem: „Einen solchen Standpunct (bezüglich das Wirken eines höchsten Wesens in und durch die Natur, Anm.) fand Goethe früh in S p i n o z a , und er erkennet mit Freuden, wie sehr die Ansichten dieses großen Denkers den Bedürfnissen seiner Jugend gemäß gewesen. Er fand in ihm sich selber, und so konnte er sich auch an ihm auf das Schönste befestigen.“

Nun, das mag ein wenig schönfärberisch sein, eckermannisch untertänig formuliert; denn, wie wir nunmehr wissen, inspirierte der Holländer unseren Goethe erst später wirklich stark.

Doch worum geht es Spinoza? Nicht zuletzt um die Verbesserung des Verstandes.

Er leugnet notgedrungen die traditionellen Denkgebäude; denn sie scheinen ihm keine selbsttragenden Konstruktionen zu sein. Der Wegfall etwa der christlichen oder jüdischen Glaubensvoraussetzungen, die mehr oder weniger (immer noch) für bare Münze genommen würden, bewirke, dass „alles in sich zusammen“ stürze. „Der Glaube hatte die universale Wahrheit empfangen, welche die denkende Vernunft dann nachvollzieht. Man fand Halt im Glauben, aber auch in den Institutionen, Traditionen, Ritualen, in denen sich die ganze kollektive Glaubensgeschichte verfestigt.“ (Safranski).

Das Kollektive, dagegen müssen Freigeister wie Spinoza – und Goethe – notgedrungen auftreten! Auf die Liebe eines Natur-fernen Schöpfergottes, die angeblich als das einzige Heilmittel gegen die Weltangst wirken könne, verzichten sie gerne; wie auch auf ein Weltvertrauen, das auf eben dieser Liebe zu basieren hat. Da setze man doch besser auf das Erkennen der Welt. Auf Bewusstsein. Denn: „Das Bewusstsein schließt sich im Erkennen mit dem Sein zusammen.“ Und: „Es ist die große Vereinigung, in der das Wesen der ,Substanz‘ deutlich wird, nämlich daß sie Geist und Materie umfaßt, die beiden Seiten der einen Natur.“ (Zitiert nach Safranski.)

Somit ergibt sich (für Spinoza wie für Goethe): Deus sive substantia sive natura – Gott ist gleichermaßen Substanz und Natur.

Gut, man darf nun Spinoza getrost einen Pantheisten oder Deisten, einen Vertreter des Monismus nennen; und Goethe einen – nun, ja – Freigeist; und beide dergestalt in einer gott– wie sinn-losen, nämlich in unserer Welt des 21. Jahrhunderts, ad acta legen. Nicht unterschlagen sei jedoch, dass Goethe selbst kein direkter Spinozist ist, vielmehr den Philosophen bisweilen (bloß) „mit der größten Erbauung zum Abendsegen“ liest. (Goethe bleibt nun einmal fast immer der Ironie mächtig.) Doch: Mit seiner Überlegung darüber, ob der Wille eine freie Ursache (was er entschieden verneint) oder nur eine notwendige genannt werden könne, hat Spinoza uns sehr wohl einen Stachel ins Fleisch gesetzt. „Daher kann jede einzelne Wollung nur dann existieren und zum Wirken bestimmt werden, wenn sie von einer anderen Ursache bestimmt wird, und diese wiederum von einer anderen, und so weiter ins Unendliche.“ (So zitiert zumindest Safranski Spinoza aus dessen „Ethik“, Teil I, Lehrsatz 32.)

Freilich, der aus einer jüdischen Handelsherren-Familie stammende Spinoza, dessen Vorfahren aus dem damals noch unter spanischer Oberhoheit stehenden Portugal geflüchtete sogenannte Marranen gewesen waren, wird aufgrund seiner als aufrührerisch geltenden Ansichten bald schon aus der jüdischen Gemeinde Amsterdams ausgeschlossen. Doch der Philosoph ist eigentlich geschickt. Und er macht es sich insofern nicht allzu schwer, dass er nämlich Gott in die Natur hinein hebt, nachdem er per überkommenem und stillschweigend gebilligtem Gottesbeweis (siehe dazu am besten Gottfried Wilhelm Leibniz!), zugegeben: ein wenig rossträuscherisch, beschließt, an dessen Existenz erst gar nicht zu zweifeln …

Den Sehnsüchten Lessings, Herders und auch Goethes (sowie einer Reihe von Romantikern) bietet er im Nachhinein nichts desto weniger eine taugliche Projektionsfläche – in ihrem Streben nach einer „universellen Einheit von Natur, Mensch und Gott“, wie es Franz Schupp in seiner „Geschichte der Philosophie im Überblick“ ausdrückt.

Und dort, wo Spinoza wie Lavater Gott ohnedies nicht in Zweifel ziehen, sind sie ja auch keineswegs uneinig. Da passt dann Goethe durchaus dazu, der nun vieles sein mag, sicherlich indes keiner aussichtsreichen Annäherung (woran auch immer) so gänzlich abhold …

Wir sehen uns nämlich vor die Frage gestellt, ob die Natur nun ein Reich der Freiheit oder eines der Notwendigkeit sei; in letzterem Fall hätte das Wirken eines Gottes (oder einer Substanz) immerhin noch Berechtigung, denn: Dieser Gott sollte die Natur doch wohl aus freien Stücken geschaffen haben und nicht, weil er gemusst hatte … Und: Die Natur bliebe weiterhin auf die Gnade des sie erschaffenden Gottes (oder der Substanz) angewiesen. Hm.

Goethe versucht immer wieder aufbrechende Klüfte zwischen Natur, Glaube, Poesie und Wissenschaft nach Kräften zu harmonisieren; und spricht von einer zarten Empirie, die „der Poesie ihr Heimatrecht im Reich der Wahrheit bewahren“ helfen sollte (Safranski). Die Religion kann er sich, ein wenig provokant, sogar ohne Glauben vorstellen; und da sich Gott durch die Natur und in ihr offenbare, bedürfte es auch keiner rituellen Äußerlichkeiten mehr; zwischen Prophetie und Poesie schließlich solle man vermitteln, keineswegs indes dürfe jene über diese gestellt werden. Nicht von ungefähr spielen diese Überlegungen später in „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ und zuvor schon im „West-östlichen Diwan“ eine bedeutende Rolle.

Doch nochmals kurz zu Spinoza. Billigte man dessen Naturbild, wenn er auch einen personellen Gott daraus weitgehend eliminiert hatte, allenfalls noch eine gewisse „religiöse Restwärme“ (Safranski) zu, so würde die Natur immerhin auch hier schon zu einer Art von unbelebtem Mechanismus geworden sein; zu einer Form von Reinigungs-Maschinerie gleichsam. Dazu da, letztlich dann auch überflüssige Ängste und Sorgen des Menschen abzuwaschen, der sich bewusst und freiwillig zu solcher Reinigung (von Trugbildern und Affekten) bereit gefunden habe. Ein wirklichkeitsgerechtes Verhalten grundiert somit noch den Pantheismus Spinozas, bevor es dann in der Folge an die vollständige Erkaltung geht.

Des Wirkens eines universellen Wesens in der Natur darf man sich dennoch sicher und gewiss sein. Und wenn es bloß dazu da wäre, das taedium vitae, den Lebensekel, zu mildern.

Noch etwas. Wenn sich Goethe auch stets der Kluft zwischen Freiheit (des Individuums) und Notwendigkeit (im Gemeinschaftlichen) bewusst ist, spielt er dennoch – nicht selten: ironisch – mit den Möglichkeiten diverser Gesellschafts-Utopien; etwa im späten, formal erstaunlich offen gestalteten Roman „Wilhelm Meisters Wanderjahren“ oder, sehr voraussehend und Heutiges (etwa virtuelle Welten, Geld- und Propagandawesen, die Medien) durchaus vorwegnehmend, im „Faust II“. Und nimmt man noch die doch einigermaßen kühne Vorstellung einer Ehe zu dritt aus dem frühen Schauspiel „Stella“ hinzu, erkennt man recht klar Goethes ausgesprochenen Hang zu sozial-theoretischen Modellen. Doch, wie gesagt, Freiheit und Notwendigkeit stehen einander gegenseitig in aller Regel im Weg. (Aber zuletzt muss man im Grund genommen an Freiheit und Notwendigkeit überhaupt nicht mehr denken …)

Und wenn gut zwei Jahrhunderte später Freiheit allenthalben zur Farce geworden und mit Notwendigkeit ohnedies nur das Wohl des Banken- und Wirtschaftssystems – sogar noch in seinen quasi virtuellen, vom Menschen längst abgekoppelten Interaktionen zwischen internationalen Großrechnern – gemeint ist, dann erweisen sich solch luxuriöse geistes-ästhetische Überlegungen ohnedies längst schon als obsolet.

Diese Gedankengänge trage ich Goethe indes erst gar nicht vor, reflektiere solches vielmehr bloß bei mir und so vor mich hin, beim Rheinriesling im Speisewagenabteil. Auch die Frage, ob im Falle Goethes, wenn er womöglich doch so etwas wie Spinozist wäre, diese Einstellung auch für ihn als Dichter zu gelten habe, behalte ich lieber für mich. Immerhin weiß ich inzwischen, wie streng er glaubt, stets zwischen Pflichten und Neigungen zu unterscheiden; freilich letztere auch niemals zu Liebhabereien verkommen zu lassen. Seine mir ein wenig diffuse Bandbreite zwischen „Tasso“-Freiheit und „Egmont“-Attitüde möchte ich schon gar nicht ansprechen. Dieses erstaunliche Segeln zwischen dem frohen Gebot des tätigen Lebens und ausgesprochenen Höhenflügen der Phantasie, grenzenlos, ohne Netz und doppelten Boden …

Nein, lieber nicht die Finger verbrennen … Wie gesagt, das denke ich alles bloß; während das alte Genie auf dem Klosett weilt.

Auch Genies müssen mal zwischendurch. Sogar tote Genies.

Genies. Was sind die Gründe, was ist eigentlich dafür verantwortlich, dass aus Menschen irgendwann (plötzlich oder sukzessive, wie auch immer) Genies werden?

Vermutlich ist es (oder zumindest: nicht zuletzt) das permanente Kreisen um sich selbst, sind es Selbstbespiegelung, aber auch daraus abgeleitet: Selbstbewunderung; Selbstzweifel und Selbstbestätigung; Lebensekel und Lebenslust – all das (trotz allem Widerstreit, trotz aller Ambivalenz) zusammen. Und noch manches mehr.

Und, klarerweise, mag man es nicht, wenn sich andere auch als Genies fühlen. (Vielleicht dürfte das, als einziger, später dann, Freund Schiller … Doch just der hatte da wohl Skrupel und Selbstzweifel.) Doch kennt man Goethes Ablehnung der aufkommenden Romantik mit ihrem speziellen, durchaus selbstverliebten und von sich überzeugten Künstlertypus.

Goethe steht nun einmal fest, fixiert im Zentrum seines, des Goethe-Systems. Er ist die Sonne als Zentralpunkt eben dieses Systems, aber auch die Planeten und deren Trabanten – alles in einem. Goethe ist der Barbier von Sevilla – schon Jahre vor dem Barbier von Sevilla!

Ein Vervielfachter, zugleich indes auch ein auf sich, quasi als Nukleus, minimierter Egomane.

Arrogant vielleicht, verspielt nicht selten und mit Sicherheit oft in Selbstschmeichelei befangen; stets allerdings und unerschütterlich davon überzeugt, etwas Besonderes zu sein. Und das sogar im Kreis – fast – gleichberechtigter Genossen im Geist; etwa mit den Brüdern Alexander und Wilhelm von Humboldt und Friedrich Schiller im Dezember 1794 zu Jena, da man, sozusagen, die Klassik begründete …

Ach ja, Schiller. Hier der natürliche Goethe, dort der Hirnmensch und Philosoph Schiller; dieser fasziniert von einer irgendwo verborgenen, ominösen Mittelkraft, jener heilfroh, sein geliebtes os itermaxillare, den Zwischenkieferknochen leibhaftig gefunden zu haben …

Die Frage brennt mir quasi unter den Fingernägeln (oder liegt mir schwer auf der Zunge): „Sind Sie eigentlich durch Schiller geistiger und freier, ist er durch Sie natürlicher und – sozusagen – urtümlicher geworden?“ Doch ich getraue mich icht, sie zu stellen.

Doch, siehe da, Goethe beantwortet sie trotzdem. Schlicht und unumwunden: „Nein!“

Allerhand. Nun, ja: Etwas Besonderes, das ist er letztlich immer noch, der tote alte Herr.

Goethe-Biograph Rüdiger Safranski („Goethe. Kunstwerk des Lebens“) spricht im Zusammenhang mit der (zugegeben: recht unverschämt geschönten und durchwegs zurechtgebügelten) Autobiographie „Dichtung und Wahrheit“ von Zeit des Erzählens und erzählter Zeit. Man kennt sie – nicht nur unter Germanisten -, diese Diskrepanz, wie sie etwa James Joyce in seinem „Ulisses“ zu überwinden sucht durch eine Art Rückbesinnung auf die Einheit der Zeit, die Inzidenz von Geschehens- und Erzähl-Dauer; im Spezialfall Joyce ein Erzähl-Kniff: Die reale Lesedauer des Textes entspricht etwa der Handlungsdauer von einem Tag.

Ein Trick, der dem Leser vielleicht verwirrend (und modern!) erscheinen mag; obgleich er eigentlich einen Rückschritt bedeutet. Beugt sich der Autor doch eigentlich – im Sinne der Einhaltung der drei Einheiten, nämlich der von Zeit, Ort und Handlung – einem längst überwunden geglaubten aristotelischen Gebot; im vorliegenden Fall (wenigstens) dem der Zeit …

Goethe nun, so weist Safranski nach, zollt seiner eigenen Stellung (und Bedeutung) Tribut, allein schon dadurch, dass er quasi seine Memoiren schreibt. Und das Raffinement liegt dann darin, wie er es tut. Beispielsweise spiegelt er im „Egmont“ seine anfängliche Verehrung Napoleon gegenüber, ohne den zur Zeit der Niederschrift besiegten und abgesetzten, somit in seiner historischen Bedeutung schon wieder ziemlich herabgeminderten, in seiner Persönlichkeit und Prominenz beschnittenen, ja: längst umstrittenen Heroen namentlich zu nennen. Er lässt somit in vorher Geschehenes (beziehungsweise literarisch Erfundenes) erst später (politisch) Erkanntes und deshalb auch manches von früher Revidierendes einfließen.

Überhaupt Napoleon! Er, dessen zunächst imponierenden Auftritt der Dichter bewundert, mutiert für Goethe später zum Inbegriff des Dämonischen. Und vor diesem Phänomen gelte es, sich vorzusehen; gehe doch just von solchen Exemplaren eine ungeheure Kraft (…) aus, und sie üb[t]en eine unglaubliche Gewalt über alle Geschöpfe („Dichtung und Wahrheit“). Übrigens: Da sich selten oder nie (…) Gleichzeitige ihresgleichen fänden und sie (…) durch nichts zu überwinden seien als durch das Universum selbst, mit dem sie den Kampf begonnen, müsse man sie fürchten. (Zu ergänzen wäre vielleicht: und ob ihrer unleugbaren Faszination …)

Einerseits ist der Geheimrat von Napoleon fasziniert; außerdem gilt der kleinwüchsige Korse als ein deklarierter Fan von Goethes Erfolgsroman „Werther“, einem europäischen Bestseller. (Bonaparte vertraut dem Dichter anno 1808 zu Erfurt sogar an, das Buch siebenmal gelesen zu haben!) Anderseits graut ihm vor diesem Dämon. Hat der durch die Revolution Emporgekommene doch immerhin nachhaltig auch (und gerade) die kleindeutsche politische Landschaft durcheinandergewirbelt. Und das ganz und gar nicht zur Freude des Dichters und Staatsbeamten, der auch jeglichem daraus entspringendem engstirnigem Patriotismus abhold ist. (Und insgeheim sogar dem Alten, Überkommenen gegenüber einigermaßen sentimental gestimmt zu sein scheint. Sturm und Drang, das war einmal …)

Von der Sprach- und Dichttheorie ins Politische übertragen: Als moderne Tatsache durchaus adorabel, wird der ehedem so gefährliche Napoleon als abgehalftertes Idol zum postmodernen Phänomen: zum zahnlosen, ausgestopften Löwen. Ein zusätzliches Schauobjekt handwerklich gelungener Taxidermie eben in einer an solchen Exemplaren gar nicht so raren Zeit …

Die Frage, inwieweit hier möglicherweise die Angst vor jeglicher Veränderung des herrschenden politischen Systems in dem bürgerlich-konservativen, später, anno 1782, dann sogar nobilitierten Patrizierspross aus Frankfurt am Main weiterwirkt, die sich übrigens schon bei Ausbruch der Französischen Revolution gezeigt hatte, soll durchaus erwähnt werden.

Fest steht, dass Goethe ein Leben lang für alles zu haben war, das dem System Goethe entgegenkam und ihm in irgendeiner Weise förderlich sein konnte. Das freilich nicht so sehr in materieller, sondern vielmehr in mentaler, in geistiger und in seelisch erbaulicher Form. (Angemerkt sei, dass auch Schiller sein Prädikat von abbekommt. Er wird, wenn auch erst im Herbst 1802, in den erblichen Reichsadel erhoben; auf von Goethes Intervention beim Freund und Gönner Herzog Karl August von Weimar-Eisenach hin und durch den Wiener Hof.)

So changiert er weiterhin munter drauf los. Wenn ihn zum Beispiel die Politik allzu unersprießlich dünkt, so wendet er sich eben und mit Verve dem Dauerproblem zu, wie er (zumindest für sich selbst, was freilich – Goethe ist nun einmal Goethe! – immer zugleich auch eine allgemein-menschliche Dimension zu haben hat) zwischen Natur und Poesie eine möglichst fruchtbringende Balance zu halten imstande sein könnte …

Wieder zurück vom Klo, wirkt Goethe mit einem Mal ein wenig aufgeregt. Ach ja – wir nähern uns immerhin Zürich! Für ihn (zumindest für diese Ausfahrt) der Endpunkt seiner Reise.

Der Geheimrat reicht mir freundlich die Hand. „Ich habe mir erlaubt, die Rechnung zu begleichen“, sagt er leise. „Allein daraus mögen Sie ersehen, lieber Schmidt, dass mir die Unterhaltung mit Ihnen keineswegs unangenehm gewesen ist!“

„Ich -“, stammle ich, ungelenk im Umgang mit toten Titanen. (Auch mit lebenden, übrigens.)

„Lassen Sie nur“, erwidert er weltmännisch und greift sich seinen Mantel und sein Aktenköfferchen, „und behalten Sie mich in guter Erinnerung … Ach ja, und blättern Sie hin und wieder in meinem Werk, wenn es genehm ist …, und nicht nur im ,Faust I‘ …“

„Ich -“ Ja, ich bin sprachlos.

Auf dem Bahnsteig erwarten Goethe zwei seltsame Gestalten in noch seltsamerer Eintracht: Johann Kaspar Lavater und Baruch de Spinoza. (Und nicht etwa – Friedrich von Schiller …)

„Da staunen Sie, was?!“, fragt Goethe, vor dem Aussteigen noch einmal zu mir gewandt. „Aber im Zug der Zeit geht so manches zusammen. Ein Umstand, der uns verwundert, eben weil es eigentlich unvereinbar zu sein scheint … Auf Wiedersehen und alles Gute!“

Der alte Herr klettert, mit erstaunlicher Behändigkeit (wie mir später Urs Wallimann, ein Schweizer Bahnbediensteter, den ich von einer anderen eidgenössischen Begebenheit her gleich zufällig wie flüchtig kenne, erzählen wird) aus dem Eisenbahnzug und umarmt seine alten Freunde.

Erst Spinoza, dann Lavater, übrigens.

Ja, in dieser Reihenfolge.

 

E N D E

 

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