Lieb zu

Vögeln

oder:

Dort tanzt Lulu …

in vorwiegend zotenfreien

Feuchtzonen

Eine Geschichte

von

Bernd Schmidt

© by Bernd Schmidt, Graz 2014.

(ENDFASSUNG: 2015)

Das Romantische ist phantastisch,

erfindungsreich, metaphysisch, imaginär,

versucherisch, überschwänglich, abgründig.

Es ist nicht konsenspflichtig,es braucht

nicht gemeinschaftsdienlich, ja noch nicht

einmal lebensdienlich zu sein.

Rüdiger Safranski, Romantik.

*

LULU:

Auf jeden Fall bist du der einzige Mann

auf dieser Welt, der mich beschützt hat,

ohne mich vor mir selbst zu erniedrigen!

Frank Wedekind, Erdgeist

*

Schön

Klar doch! Ich hätte auch weiterhin Nachhilfestunden in Latein geben können, auf der Uni herumsitzen oder im Kaffeehaus. Aber, sozusagen, die Aussicht, womöglich zwei mir durch­aus antipodisch erscheinende Begriffe wie Lust und Arbeit miteinander zu verbinden, sie konvenierte mir durchaus. Ja, das versprach eindeutig und um vieles mehr als das Bisherige, das schon Gehabte; und ergo: das Schale.

Zudem glaubte ich, Beate sei durchaus dazu geeignet, fürderhin mittels ihres Körpers und der durch ihn ermöglichten und mit ihm verbundenen Liebes-Dienstleistung für unseren gemein­samen Lebensunterhalt aufzukommen. (Ich freilich musste mir erst das Rüstzeug zum Zuhälter aneignen. Und das entpuppte sich als schwieriger, als ich eigentlich gedacht hatte. Nachhilfestunden in Latein zu geben glich dagegen vergleichsweise einem Kinderspiel.)

Wir, Beate und ich, hatten einander in der Uni-Mensa – fast bloß zwischen Tür und Angel – kennengelernt, wo sie mir ihren brühheißen Kaffee beinah über mein braun-gelb-kariertes Sommer-Jackett geschüttet hätte. Versehentlich. Und so kamen wir ins Gespräch.

Ein Wort ergab das andere, ausgehend von den Kaffeeflecken und einer kleinen, eher unbe­deutenden Verbrennung meinerseits …

Sie war ein Superweib. Blondes langes Haar, mittelblaue Augen, leicht abgedunkelter Blick, tolle Oberweite, hübsche Beine … Und die frühen Siebziger, also, die 1970er Jahre, die man später, in der Nachschau, gern als die goldenen 70er bezeichnete, sie schienen gerade und tatsächlich voll frühsommerlich durchs Fenster zu uns herein. (Freilich, die Fenster in der Mensa waren nicht so ganz sauber. Wie die goldenen 70er letztlich dann ja auch nicht …)

Wir waren in fast allem noch Amateure. Also auch auf dem weiten Gebiet der Hurerei.

Beate, der sich bald schon eine Reihe anderer Mädels anschloss, war zudem keine Logikerin – obwohl sie offiziell dem Philosophiestudium oblag -, nein; sie war vielmehr: gefühlsbetont; ja: gefühlsdurchdrungen. (Da musste sie sich einiges abschminken mit der Zeit.)

Wie ich später erfahren würde, früh schon von einem Onkel (namens Hugo, einem Bruder ih­rer überaus strengen alleinerziehenden Mutter [der Vater hatte sich bald nach Beates Geburt abgesetzt]), früh also schon von diesem Arschloch Hugo sexuell missbraucht, verfügte sie be­reits über erkleckliche Erfahrungen auf erotischem Gebiet. Doch vermochte sie, erstaunlich genug, auch in puncto Zärtlichkeit zu überzeugen; zumindest spielte sie das alles sehr, sehr glaubhaft. Wie sie überhaupt in allem ausgesprochen überzeugend wirkte. (Und das sollte bald auch ihre Qualität zu guten Teilen ausmachen: Überzeugung.)

Ihre Mutter, die strenge Aufpasserin – seltsam nur, bei Onkel Hugo und seinen unappetitli­chen sexuellen Annäherungen und den späteren eindeutig unzüchtigen Handlungen an dem Mädchen, da hatte sie anscheinend beide Augen krampfhaft geschlossen gehabt … -, ihre Mutter, Isolde Nusshold mit Namen und Chefsekretärin von Profession, schien nicht nur mir eine durchaus würdige Nachfolgerin des legendären antiken Argus zu sein; Frau Nusshold war in der Tat äußerst streng. Obwohl doch eigentlich Beate das gebrannte Kind gewesen hät­te sein müssen, das fürderhin alle mögliche Sorgfalt anwenden sollte in Männerfragen, ließ Frau Isolde kaum irgendeinen Schwanzträger an ihre Tochter ‚ran und besah sich deren Um­gang (der nun einmal notwendigerweise auch Männer einschloss) mit der Akribie einer im Dienst ergrauten US-Geheimagentin, mindestens aber eines Haftelmachers.

Es gelang mir indes, diese durchaus bewehrte und auch entsprechend gesicherte Festung schließlich siegreich doch noch quasi im Handstreich einzunehmen. (War es Charme, war es Ausdauer, war es Glück? Nun ja – Charme kann leicht bald einmal verwelken, und Ausdauer verlässt einen mit Sicherheit irgendwann; wenn man nicht Marathonläufer von Beruf ist. Na, und mit dem Glück ist das überhaupt so eine Sache … Kurz und gut: Ich bezwang die Festung und nahm Beate samt Mutter/Gefängniswärter für mich ein.)

Doch – oh, welches Wunder! – ab dem Zeitpunkt, da Beate und ich ein Paar waren und schließlich dann auch bald schon zusammenlebten (und sie ihre Mutter nur mehr sporadisch sah), stellte Frau Isolde ihre Spitzeltätigkeiten, die früher noch jeder STASI-Mitarbeiterin alle Ehre gemacht hätten, ein und schien auch keineswegs mehr misstrauisch. (Oder hatte sie ihre Tochter da ohnedies schon mehr oder minder abgeschrieben?!)

Dann gesellten sich, wie schon angedeutet, die anderen Mädels zu uns, und, wären wir etwas geschäftstüchtiger gewesen, hätten wir alsbald sogar einen Trust bilden können. Ein Fick-Unternehmen, einen Vögel-Betrieb, eine Bums-Agentur oder so etwas in der Art.

Doch leider, so tüchtig waren wir allesamt nicht.

Deshalb haftete unserer ganzen Hurerei auch bis zuletzt etwas Amateurhaftes an.

Ich muss es hier einfügen: Ich war damals – wenn auch längst nicht mehr aus Überzeugung, sondern eher aus Trotz oder aus einer Art von Masochismus heraus, die freilich so überhaupt nichts mit sexueller Lust zu tun hatte! – Germanist. Und ich hätte vermutlich die ganze verblödete Germanistik, diese mir schon in den ersten paar Semestern meines Studiums, die seit der Immatrikulation verstrichen waren, höchst verhasste Disziplin, nicht annähernd so lang überstanden, wie ich es dann tatsächlich schaffte, wäre da nicht quasi als Ausgleich die Zuhälterei gewesen.

Nun ist ja jede Wissenschaft – und erst für die Pseudo- und Afterwissenschaften wie die Medizin oder, soll sich Gott verhüten, gar die Psychologie! gilt das in besonderem Maß – eine spezielle Form von Hurerei; aber eben, um es, sozusagen: tatsächlich zu sein, dazu sind diese grauslichen Studienrichtungen dann erst recht wieder zu wenig konsequent.

Die Zuhälterei indes ist, konsequent und, entsprechend menschenverachtend ausgeübt, durchaus prinzipiell wie auch ehrlich.

Aber diese verblödete Germanistik –

Wie oft und in welchen Bedeutungsschattierungen Walther von der Vogelweide das ominöse, vieldeutige Wörtchen minne einsetzt; ob es motivisch tatsächlich von irgendeiner Bedeutung sein mochte, ob den meist reichlich ätherisch-schönen, zur Schwindsucht neigenden Darstellerinnen in den Romanen und Erzählungen Thomas Manns justament „ein kleiner Sattel von Sommersprossen (…) über ihrer kurzen, aber recht fein geschnittenen Nase“ zu sitzen hatte, „was sie gut kleidete“ (Zitat: „Der kleine Herr Friedemann“, 1897); und ob es von Nöten sei, überhaupt noch selbst Adalbert Stifter zu analysieren; oder ob man dieses Geschäft guten Germanisten-Gewissens gleich den vom korrupten Verlagswesen und vom heruntergekommenen Kritikergesindel gemeinsam (und in erstaunlich konzertierter Weise) zum literarischen Wunderwuzzi hochstilisierten Edellangweiler Peter Handke erledigen lassen sollte. Dem unglücklichen Oberösterreicher, der sein Leben lang unmäßig viel in Essen und Trinken investiert hatte, konnte es schließlich egal sein.

Damals konnten wir noch nicht wissen, wohin sich der gemächliche Kärntner Handke, der einst, am Beginn seiner steilen Karriere, mit der recht famosen „Publikumsbeschimpfung“ sogar frischen Wind ins bürgerliche Theater gebracht hatte, später versteigen würde. Sein Bericht von 1996, betitelt mit „Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien“, konnte zwar als politisch töricht abgetan werden; doch den Ex-Präsidenten Slobodan Milošević, der vom Gerichtshof in Den Haag des Völkermords und des Verbrechens gegen die Menschlichkeit angeklagt worden war, im Jahr 2004 im Gefängnis zu besuchen, fanden Teile der Weltöffentlichkeit schon eher empörend. Für den Verblichenen dann jedoch 2006 auch noch die Grabrede zu halten, schien kaum mehr verständlich … Auch wenn der pausbäckige Ex-Tyrann a priori so nett auf harmlose Opa-Figur hin frisiert worden war.

Doch wären Peter Handkes politische Eskapaden letztlich seine eigene Sache gewesen, hätte der larmoyante Schilderer eigener Befindlichkeiten daraus nicht ebenfalls den Stoff für seine zunehmend dünn werdende Erzählsuppe gefiltert. (Doch davon konnten wir am Anfang der 1970er Jahre freilich längst noch nichts ahnen.)

Wie gesagt, uns interessierte damals – wenn überhaupt – der frühe Handke, unser Zeitgenosse also; der allerdings bald schon zum Symbol für die verkorkste Germanistik und ihre schamlose Liaison mit der Literaturkritik, dem Groß-Feuilleton und dem Verlagsunwesen zu werden versprach. Abgehoben, mehr künstlich als künstlerisch, vampiresk fahl und in Summe unaussprechlich angeekelt von der Welt; höchstens eben mal bereit, eine hochdotierte Auszeichnung entgegenzunehmen … Und wenn Peter Handke im Jahr 1987 dann – in einer Karsthöhle in der Nähe des slowenischen Lipica – den Vilenica-Preis für Mitteleuropäische Kultur verliehen bekommt und erklärt, mit dem Begriff Mitteleuropa nichts anfangen zu können, so halten das die eingefleischten Fans des so ätherisch wirkenden Langweilers und berufsmäßigen Adoranten seiner Kunstfertigkeit vermutlich sogar noch für besonders mutig.

Mitunter ist es in der Tat gut, zu dem Zeitpunkt, da irgendwelche Idiotien vor sich gehen und geschehen, nicht mehr am Leben zu sein. Auch wenn wir, von denen hier die Rede ist, es aus nicht ganz unverständlichen Gründen – zumindest für mich kann ich das so sagen – für ganz schön und richtig gefunden hätten, auch ein wenig vom Ruhm naschen zu dürfen … Zumin­dest: Die Chance eingeräumt zu bekommen, ja, das hätte uns gefreut; ob wir sie wahrzunehmen in der Lage gewesen wären, steht freilich auf einem anderen Blatt. Aber auch so, nämlich von einem seinerseits kaum bekannten Schriftsteller abkonterfeit zu werden und auf diese Weise, wenig elegant, zumindest nicht gänzlich der Vergessenheit anheimfallen zu müssen, löst zwar auch nicht gerade Hochgefühle in einem aus; ist aber immerhin eine Möglichkeit; und besser als gar nichts. Und das, obwohl uns (in diesem Punkt waren wir, so­zusagen, immer: Spät-Achtundsechziger!) die Gesellschaft grosso modo ohnedies egal war. Ja, doch: Sie ging uns die meiste Zeit am Arsch vorbei. (Und erst die Nachwelt …)

Doch jetzt? Jetzt fristen wir, Dahingegangene, die wir nun einmal sind, jetzt fristen wir unser dunkles Erinnerungsdasein eben im eher schon ignorierten Schrifttum eines weitgehend unbekannten, eines vergessenen Autors. Eigentlich schade. Hatten wir uns doch zwischen­durch so sehr bemüht, nach etwas auszusehen …

Aber zurück zur Germanistik. Unter dem Motto – Apropos: Idiotien.

Allein schon das, was Anfang der 1970er bei uns in dieser Scheinwissenschaft da so vor sich ging (wenn überhaupt etwas vor sich ging …), war eine ausgemachte Scheiße; und dazu noch eine hausgemachte Scheiße. Jaja, was sich hierorts in puncto sogenannter deutscher Sprach- und Literaturwissenschaft tat, war den berühmten Pfifferling nicht wert.

Da lobe ich mir doch – wenn schon, denn schon – eher noch den (ebenfalls leicht verbohrten) Schweizer Walter Muschg, auf den wir noch zurückkommen werden, der es, im Jahr 1948 mit Fleiß und Ausdauer unternommen hatte, die Literatur wenigstens auf die Tragik als Triebfeder hinzutrimmen. Immerhin, bedenkt man viele ihrer Protagonisten: ein einleuchtender Ansatz!

Hierorts freilich herrschten Hohlheit und leer schepperndes Pathos vor in dieser in erster Linie sich selbst überschätzenden und zudem im Großen und Ganzen nutzlosen (angeblichen) Wissenschaft. Einer Disziplin, die sich – neben Arroganz und Borniertheit – noch auf ihr Banner geschrieben hatte, möglichst jegliche Leselust auszutreiben, ja: zu killen.

Dagegen war die Zuhälterei, sozusagen: Wahrheit pur.

Einer der feinen Herren Germanistik-Professoren war zudem (und wohl nicht zu Unrecht) als Weiberheld verschrieen. Er stand ausschließlich auf blonde langbeinige Tussen (die man da­mals allerdings noch nicht so nannte) und fiel über die jungen Dinger nachgerade in der Art eines total ausgehungerten – besser gesagt: nach Blut dürstenden – Vampirs her. (Es nahm Wunder, dass er sich nicht auch noch in ein schwarzes, innen rot-seidig gefüttertes Cape hüllte und den Sonnenstrahlen nach Möglichkeit auswich! Und das alles für blonde Katzen …)

Seine Lebensgefährtin war kurioserweise (oder auch nicht kurioserweise) dunkel-brünett.

Einen anderen Ordinarius hatte es gar vom Bibliothekswesen her an die Universität verschlagen. Er sah entsprechend papieren aus und spröd … Und ihm gelang es schließlich auch, den letzten Rest an Leselust, der uns Jungspunden möglicherweise noch innewohnte (weil er – wunderlich genug – die Mittelhochdeutsch-Attacken des gewieften Weiberers und Casanovas, des lächerlichen Pseudo-Don Juans und Möchtegern-Draculas überlebt hatte) endgültig zu killen. Und dabei war sein Spezialgebiet die deutsche Romantik; nun gut, dieser deutschen Romantik wohnte bekanntlich immer schon eine gewisse Gefährlichkeit inne. Weshalb sie dann sogar von den Nazis vereinnahmt hatte werden können, propagandistisch; und von den Jüngern des braunen Aushängeschilds im angeblich völkischen Denken (freilich der gehobeneren Schichten), Martin Heidegger („Sein und Zeit“,1927), philosophisch.

Ein drittes Exemplar aus der unrühmlichen Reihe unserer Germanistik-Ordinarien schließlich lutschte andauernd irgendwelche Pfefferminz-Bonbons und war ansonsten für die sogenannte neuere deutsche Literatur zuständig. Wahrscheinlich litt er darunter, keine blonden, langbeinigen Studentinnen aufreißen zu können (da galt nämlich immer noch das Monopol des Kollegen vom alten Fach!) und nicht einmal vom Bibliothekswesen herzukommen … Vielleicht hatte das Lutschen von Pfefferminz-Bonbons auch Ursachen, über deren Gründe er in den Schriften Sigmund Freuds hätte nachschlagen sollen. Doch er fühlte sich nun einmal für Hugo von Hofmannsthal, Hermann Bahr und Karl Kraus zuständig. (Fragen der Moderne, des Modernismus, der Postmoderne und der Posthistoire waren noch nicht eminent wichtig.)

Die Germanistik glich letztlich grosso modo einem Pandämonium.

Doch hätte das wirklich so sein müssen? Zumindest nicht zwingend.

Vielleicht wäre es besser gewesen, diese verkorksten Typen hätten uns studiosi in die Vergnügungen des literarischen Plagiats eingeweiht? Hätten uns beispielsweise auf Wilhelm Hauffs kecke Fälschung einer Fälschung hingewiesen, nämlich auf seinen Trivialroman „Der Mann im Mond oder Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme“ (1826 bei Friedrich Franckh in Stuttgart erschienen), den der Romantiker dem damals überaus populären Vielschreiber Carl Heun – noch dazu, sozusagen: offiziell, unter dessen allseits bekanntem Pseudonym H. Clauren – kurzerhand untergejubelt hatte. Oder auf die berühmte Kontroverse zwischen Bertolt Brecht und dem Starkritiker Alfred Kerr, die sich an der Verwendung von Versen des François Villon für die „Dreigroschenoper“ in der von Brecht nicht angegebenen Übersetzung durch Karl Klammer (K. L. Ammer) entzündet hatte; in Wahrheit freilich ausgelöst worden war durch Brechts grundsätzliche Laxheit in Fragen geistigen Eigentums (Zitat Brecht). Oder auf Karl Kraus und seinen köstlichen Reinfall in Bezug auf den ehemaligen Schlosser, Mörder und Fremdenlegionär Karl Piehowicz, der zu Therapiezwecken anno 1928 Insasse der Irrenanstalt von Czernowitz war und vom wortgewaltigen Fackel-Träger recht unvorsichtig und pauschal zu einem der besten Poeten deutscher Zunge hochstilisiert wurde; zu jemandem also, der, so Kraus, in einem Atemzug zu nennen wäre bloß noch mit Matthias Claudius, Friedrich Hölderlin oder Eduard Mörike; unter den Zeitgenossen, wenn überhaupt, dann mit Georg Trakl oder Else Lasker-Schüler. (Der Bursche hatte indes bloß recht kreativ notiert, was vormals Kollegen aus der Fremdenlegion aus dem Gedächtnis aufgesagt hatten … Kraus freilich stand, nachdem der Irrtum aufgedeckt war, ziemlich blamiert da …) Ja, solche Inhalte wären originelles Studentenfutter gewesen!

Aber dazu hätten sie, die Herren Obergermanisten, über etwas verfügen müssen, woran es ihnen weitestgehend mangelte: nämlich über Humor.

Ihnen galten deshalb ja auch die Satiriker wenig und sogar die Komödienschreiber – es sei denn, die waren nachweislich antik oder wenigstens schon ein paar Jahrhunderte tot …

Nein! Die Germanistik war ein Pandämonium.

Die Zuhälterei war da ein Ausweg, den echte Qualität auszeichnete.

(Allerdings, ich muss einschränken: Jeder Holzweg wäre mir in meiner Situation letztlich als durchaus tauglicher Ausweg erschienen, hätte er mich nur möglichst weit weg von der verhassten Germanistik geführt!)

Zuletzt freilich kam es, wie es hatte kommen müssen: Beate geriet mit Emma, der Rothaari­gen, in Streit. Eifersucht. (Oder Geld? Schulden? Rivalität? – Wie auch immer.) Ja, vermutlich tatsächlich Eifersucht. Und Eifersucht ist nun mal Gift in diesem Job. Und überhaupt …

Gift war da im Spiel: Beate und Emma starben an Kaffee plus Strychnin. Und das, obschon sie mir immer wie zwei mit einander so innig verbundene Figuren von Frank Wedekind er­schienen waren, nämlich wie die Lulu und die Geschwitz. Eine Herz und eine Seele in zwei Paaren ausnehmend schöner Brüste jedenfalls …

Ja, mit Kaffee. Und Strychnin.

Zusätzlich dumm an der Sache war nur, dass auch ich von dem Gesöff getrunken habe.

So hört dann auch alles auf, wo alles für gewöhnlich aufhört: in der Pathologie, später dann, wenn die Einäscherung vollzogen ist, abgefüllt in eine hübsche Urne, auf dem Friedhof …

Schade. Dabei war unser Geschäftsmodell der Geheimprostitution, soweit ich es durchschaute (als ich es endlich durchschaute), durchaus viel versprechend.

Freilich soll man sich vom Leben grundsätzlich nicht all zu viel versprechen.

Doch jetzt haben wir gewaltig vorgegriffen.

Also: Beate – – –

Lulu …

war Beate natürlich keine! Weder glich sie einem ,,Erdgeist”, noch verfügte sie über „Die Büchse der Pandora”. Sie stammte zudem natürlich auch keineswegs aus der an sich nicht unproblematischen poetischen Werkstatt Frank Wedekinds. Nein.

Dass sie allerdings eine überaus verführerische Kindfrau war, raffiniert-unschuldig und naiv-wissend, kann und soll nicht geleugnet werden. Doch hätte diese Beschreibung mit Sicherheit auf viele ihrer Geschlechtsgenossinnen in kaum geringerem Maße zugetroffen. (Wir lebten annähernd noch in der Film-Ära der Brigitte Bardot, nicht vergessen!)

Nur: Beate hatte das gewisse Etwas eben in natura.

Dort tanzt Lulu …, wie es im Schlager Will Meisls so schön heißt. Und obwohl diese Lulu mit der von Wedekind rein gar nichts zu tun hatte, waren doch alle schier hingerissen … Ja!

Man vermochte sich, Beates Reizen schlicht und ergreifend nicht zu verschließen.

Und auch sie war absolut aufgeschlossen.

Wir (besonders ich) verglichen sie damals gern mit der (kaum wesentlich älteren) Cathérine Deneuve. Die war nun wirklich eine Wucht: eine Schönheit, rätselhaft, charmant und doch na­türlich (und das auch noch unter Zentimeter-dicken Schichten von Schminke, trotz verfäl­schendem Scheinwerferlicht und durch alle die Chemie hindurch, die in der Zelluloid-Kunst angewandt wird). Obwohl Beates Kühle auch bei weitem nicht an die der schönen Französin heran reichte, so wog ihr tatsächliches Vorhandensein – die Deneuve war sozusagen nur vir­tuell, bloß per Film (etwa in Luis Buñuels „Belle de jour“, 1967) zu genießen – das auf alle Fälle und in üppiger Fülle wieder auf. (Freilich, von virtuell sprach damals längst noch nie­mand; und auch von Personal-Computer und Mobiltelefon war man noch meilenweit – sprich: Jahrzehnte weit – entfernt. Und Ohrstöpsel, um sich mit Techno-Sound, mit irgendwelchen, im Entferntesten vielleicht sogar noch an Musik erinnernden Klangkaskaden und sonstigem, eher abartigem Akustikbrei zudröhnen zu lassen, gab es natürlich auch noch nicht. Wozu auch?! Wir wollten ja dabei sein, bei allem, und mitten drinnen im Geschehen!)

Nein, nochmals: Beate war real zu genießen. Man konnte sie sogar vernaschen. (Gegen Gebühr; ich natürlich gratis …) Das Angebot stand.

Und das ist ausnahmsweise alles gar nicht einmal so zotig gemeint, wie es vielleicht klingen mag. Wie überhaupt alles rund um Beate, ihr Gewerbe und unser aller Tun (sogar einschließlich meiner bescheidenen Rolle dabei) sozusagen eine weitgehend zotenfreie Feuchtzone darstellte. Oh, ja.

Man bedenke – die Zeit! Wenngleich in den beginnenden Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts wirtschaftliche Prosperität und eine gewisse gesellschaftliche Liberalität zu spüren waren, lasse man sich nur ja nicht täuschen von den falschen Schalmeientönen; wie wir es notgedrungen taten. Ja, wir mussten uns täuschen lassen; es blieb uns, im Großen und Ganzen, gar nichts anderes übrig; denn immerhin wollten wir doch, bitte sehr, teilhaben an eben diesem Großen und Ganzen …

Bald freilich stellte sich heraus, wie wenig weit es mit der oben erwähnten Liberalität tatsächlich her war; wie eng die Freiräume in Wahrheit bemessen wurden; wie hoch die Gebühren (und Strafen) für das allenthalben Unbotmäßige ausfallen konnten.

Die Politik hatte sich mittlerweile schon daran gewöhnt, Dienerin der Wirtschaft zu sein; auch wenn sie das nicht offen zugeben wollte. Der Markt bestimmte das Denken und Fühlen, Bank und Börse hatten sich – auch wenn der Begriff global noch nicht erfunden war – nunmehr auch jenen schon beträchtlich angenähert, die Jahre zuvor noch befürchtet hätten, sich auf diesem überaus glatten Parkett wenn überhaupt dann bloß zu blamieren … Kurz: Das Wachstum rumorte in dieser Zeit schon gewaltig in den Hirnen der kapitalen Kapazunder, die auch bereits daran gingen, aus der Kapitallust (an der Lust, möglichst viel Kapital anzuhäufen also) der anderen, meist um einiges Unbedarfteren, selber Kapital zu schlagen!

Und im Ausbeuten war man ohnedies längst schon bestens geübt.

Ja, es war eine gute Zeit, um – mit ein wenig Geschick und etwas Einfühlungsvermögen – am allgemeinen Wirtschaftskuchen mitzunaschen. Dazu genügten eine gewisse Findigkeit und ein Quäntchen Glück. Auch gab es schon diverse Vorbilder, die entsprechend nachwirkten; etwa die aparte Rosemarie Nitribitt, die eine Zeit lang in Frankfurt am Main durchaus ökonomisch Hurerei auf höchstem bundesdeutschen Niveau zu betreiben in der Lage gewesen war – im wahrsten Wortsinn; bis es sie, anno 1957, erst 24-jährig und mehr als nur wohlsituiert, dann leider letal erwischte.

Sie legte eine Bilderbuchkarriere hin, die später so glamouröse Rosemarie, die im Jahr 1933 als Rosalia Marie Auguste Nitribitt in Düsseldorf in äußerst tristen Verhältnissen zur Welt gekommen war, ihren Vater nicht kannte und von Heim zu Heim wanderte, von Besserungsanstalt zu Besserungsanstalt. Zielstrebig beschritt sie den Weg von ganz unten nach (vermeintlich) ganz oben, nämlich zur Champagner-schlürfenden Edelnutte. Und, man staune, sogar was für ihre Bildung hatte sie unterwegs getan: Rosemarie büffelte Englisch, Französisch und Hochdeutsch, besuchte einen Mannequin-Kurs und ließ sich zudem in gutem Benehmen unterweisen. Denn dieses kluge Mädchen hatte sich vorgenommen, später dann ausschließlich eine entsprechend reiche, betuchte und prominente Klientel zu bedienen; und solcherart nur mehr in den besten Kreisen zu verkehren.

Ab 1956 dann war sie mit ihrem legendären Coupé, das ihr ein wohlhabender Freier geschenkt hatte, in der Wirtschaftsmetropole Frankfurt unterwegs: einem schwarzem Mercedes-Benz 190 SL mit roten Ledersitzen und Weißmantelreifen. Mit dabei – ihr weißer Pudel Joe. Glamour, Glanz und großes Geld: Rosemarie war insgesamt ganz das Kind der deutschen Wirtschaftswunderzeit, nur eben eine etwas krassere Variante …

Dass die Nitribitt beste Beziehungen zur Prominenz in Gesellschaft, Adel, Wirtschaft und Politik gepflegt habe, stand nach ihrem Tod, der bis heute von Geheimnissen umrankt ist und im Übrigen nie aufgeklärt wurde (auch das Auto blieb verschwunden), also außer Frage. So sollen in einem in Leder gebundenen Notizbuch, das natürlich verloren gegangen war, fein säuberlich die Namen führender Politiker und Wirtschaftsbosse aufgezeichnet gewesen sein … Ob auch der ihres Mörders (ihrer Mörderin oder ihrer Mörder) darin zu finden gewesen wäre, wird wohl immer ungewiss bleiben. Zudem gab es zuhauf Ermittlungspannen, und außerdem munkelte man auch über gezielte Versuche der Vertuschung einer etwaigen Aufklärung, die von höherer und höchster Seite unternommen worden seien. Offensichtlich erfolgreich.

Als Hauptverdächtiger galt lange Zeit hindurch Rosemarie Nitribitts enger Freund, ein gewisser Heinz Christian Pohlmann, der allerdings zuletzt aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden musste. Er ließ sich übrigens zuerst sein Wissen von den Medien, später dann sein Schweigen von der betroffenen Prominenz fürstlich bezahlen.

Die bizarre Affäre kochte noch lange Zeit medial und gab überdies auch einiges an Stoff und Motivik her, sodass sich alsbald sogar die Trivialliteratur sowie Film und Fernsehen des Mädchens Rosemarie wollüstig, geil und gierig annahmen.

Trauriges Fazit: Naturgemäß konnte die glamouröse Nitribitt nicht als Vorbild dienen – für uns, für Beate, die anderen Mädels und mich, die wir da in unserem netten Puff, das da so unauffällig als gemütliche WG getarnt war, auch ein bisschen vom Wirtschaftskuchen mitnaschen wollten. Uns fehlten da allein schon das teure Mercedes-Coupé und der weiße Pudel … Und um die bekannten, stinkreichen Klienten war es zudem schlecht bestellt.

Aber träumen durfte man wohl noch! Oder?! Romantisch … Träumen.

Ja, unser kleines so ganz privatim, ein wenig amateurhaft geführtes Bordell – und was sollte man schon amateurhaft führen, wenn nicht ein Bordell?! – florierte. Und einen Puch-500er hätte sich Beate vielleicht leisten können, vom Pudel einmal ganz abgesehen.

Doch hielt das alles nicht allzu lang an.

Ja, doch, unser Puff hatte Flair! Hier obwaltete zwar eine merkbar etwas abgewetzte Halbschwester irgendeiner schon total ausgefransten altgriechischen (oder mindestens hellenistischen) Liebesgöttin, und ein ebenfalls schon leicht desolater gnomiger Amor legte, um im einmal gewählten Bild zu bleiben, wenn es sein musste, selbst Hand an … Da Beate und die anderen Mädels, Emma zum Beispiel, in gewisser Weise immer noch Amateurinnen oder Dilettantinnen waren im Geschäft mit der Lust und Pseudo-Liebe, wohnte dem ganzen Tun und Lassen außerdem eine gewisse Leichtigkeit inne. Ja, das war locker und flockig.

Wir nahmen nun mal das Leben leicht, und alles war vorwiegend heiter. (Sieht man einmal von der blöden Germanistik ab.)

Alles schien zudem sogar ein wenig schmierig zu sein bei uns und ein bisschen angeschimmelt; doch machte vielleicht gerade das den Charme des Etablissements aus, wartete es solcherart doch mit dem gewissen, sonst eher für normale Wohngemeinschaften typischen Schlendrian auf. Denn, zugegeben, auf dem hygienischen Sektor oder was die allgemeine Sauberkeit betraf, da waren wir ziemlich am Arsch. Ja, diesbezüglich konnte unsere kleine Wohnung nur zur Not mit den meisten Sauställen konkurrieren, als welche man damals ruhigen Gewissens die Mehrzahl der Wohngemeinschaften, zumindest: die wir kannten, hätte bezeichnen können. Es war eine ziemliche Schande.

Aber recht gemütlich.

Übrigens: Das Abendland hatte sich insgesamt doch erst mühsam aus Dreck und Gestank ans Licht einer einigermaßen tauglichen Hygiene und Wohnlichkeit durchringen müssen! Dass es im Altertum allenthalben gestunken haben mag und dreckig gewesen sein mochte, dürfen wir annehmen; und vom Mittelalter wissen wir dezidiert, dass damals für heutige Begriffe schier unfassbare Zustände herrschten. Miasmen und Emanationen der grässlichsten Art verpesteten Wege, Straßen, Anlagen und Häuser; zudem war eine rege Durchdringung der giftigen und gesundheitsschädlichen Stoffe allein schon durch die noch nicht vollzogene Trennung der Bereiche gegeben – etwa der Bezirke von Handel, Geschäft und Zunft auf der einen, von privater Sphäre auf der anderen Seite. Zur Mitte des 18. Jahrhunderts hin nahmen Architektur und Stadtplanung dann erst mittels neuer Funktionsbestimmung und Spezialisierung langsam Rücksicht auf solche Erwägungen. (Siehe: Alain Corbin, „Pesthauch und Blütenduft“.)

Sogar König Ludwigs XIV. neuer prächtiger Herrschaftssitz und Hofstaat zu Versailles selbst wurde immer wieder zum Konfliktstoff: Man pinkelte in alle Winkel, die Küche war desolat – und es mangelte an Toiletten. Noch anno 1780 zählte man zwar neunundzwanzig Abortgruben im Umkreis des Schlosses; doch war erstens der Gestank entsetzlich, bildeten zweitens die Senkgruben selbst, die ja zwischendurch immer wieder gereinigt werden mussten, eine echte Gefahr für Leib und Leben. (Siehe dazu: William Ritchey Newton, „Hinter den Fassaden von Versailles“.)

Also ließ sich das allgemeine Chaos von enormem Schmutz und üblem Geruch nicht so einfach und von heute auf morgen beseitigen; und das längst nicht nur in Paris (wie uns auch Patrick Süskind [„Das Parfum“] versichert, den wir gegen Ende dieser Geschichte noch entsprechend heranziehen und sozusagen zum Gewährsmann machen werden.)

Noch mehr Wert auf ein Deodorieren der eigenen Wohnung ging erst in den Jahrzehnten nach der Französischen Revolution und mit einem allgemeinen, auch politisch bedingten Rückzug des bürgerlichen Lebens in das traute Heim einher. Der bourgeoisen Haushygiene kam nun endlich größere Bedeutung zu, denn nicht einmal mehr die engsten Verwandten und Familienmitglieder konnten sich – im übertragenen Sinn – so ohne weiters riechen.

Doch vom naiven Versuch, die eigenen vier Wände olfaktorisch einigermaßen in Schuss zu halten, bis zu einem Reinlichkeits-Fanatismus späterer Tage, der unter anderem auch die Medizin, die Pharmaindustrie und die Kosmetikhersteller auf den Plan rufen sollte, verging noch eine gewisse Zeit; wie es, nebenbei sei es erwähnt, auch vom Einsatz des Kammerjägers bis zum Allergie-Experten entsprechend dauerte.

Also, in unserer gemütlichen Puff-WG herrschte durchschnittliche Reinlichkeit vor; ohne dass unser Domizil deshalb gleich aseptisch wirkte oder es darin gar nach Lysol roch.

Doch, ja: Das milde Licht aus den von Schleiern und durchscheinenden Tüchern halb verhüllten Steh- wie Hänge-Lampen tauchte unser Tohuwabohu in eine durchaus sympathische Unwirklichkeit. Deshalb wohl gaben sich die Freier bald auch schon quasi die Türklinke in die Hand. (Nein, nicht deshalb: wegen Beate, klar doch.)

Ja, das Geschäft florierte, dort, wo Lulu tanzte …, also in unseren halbseidenen vier Wänden. (Auch wenn es für einen dicken Wagen mit Stern längst noch nicht gelangt hätte. Und für einen Mord?!)

Richtig, es war eine andere Zeit. Man schrieb nun einmal die 1970er, die angeblich goldenen. Mit Langzeit-Bundeskanzler Bruno Kreisky, mit wenig Arbeitslosen, mit schrill-schreiender Mode voller Scheußlichkeiten sowie mit dem lustvollen Aufarbeiten und In-die-Tat-Umsetzen der (nicht zuletzt am Rande der Studentenrevolte von 1968 in Paris, Berlin, Wien oder München) endlich – zumindest pro forma – gewonnenen sexuellen Freiheiten.

Zwar gab es in Wahrheit gar kein neues Körpergefühl, aber man glaubte daran!

Des Sexologen Oswalt Kolles Bücher und vor allem seine sogenannten Dokumentar-Filme (Das Wunder der Liebe; Deine Frau, das unbekannte Wesen; Dein Mann, das unbekannte Wesen et cetera) waren noch Gesprächsstoff am Anfang der 1970er. Und da man endlich mehr nackte Haut – zumindest auf der Leinwand – zu vertragen schien, glaubten alle, das würde nun auch etwas mit sexueller Freizügigkeit zu tun haben. Nun, ja … Uns konnte es nur recht sein: Das Geschäft florierte. Und nach einem noch so dezenten Kolle-Filmchen fickte es sich eben um einiges besser. Angeblich.

Jean-Paul

Beate war hauptberuflich, wie gesagt, Studentin der Philosophie. Aber keine allzu gute; glaube ich zumindest. (Doch möchte ich mich, den damaligen Germanisten und Zuhälter, wohl auch bloß als Peripher-Philosophen bezeichnen.)

Beate hielt es zwar, wie weiter unten noch genauer auszuführen sein wird, mit Jean-Paul Sartre und der Existenzphilosophie. Aber sie war nun einmal keine einigermaßen klar strukturierte Existenzphilosophin (oder gar Existentialistin); eher schon und bestenfalls – wie ich sie gern ironisch nannte: – eine Existenz-Realistin

Nein, nochmals, Beate war keine sehr gute Philosophin, weil sie nun einmal keine sehr fleißi­ge war; so viel stand fest. Nunja, herumhuren und philosophieren, da musste automatisch eine der beiden Professionen hinten anstehen.

Außerdem: Wir, wir alle in unserer famosen Puff-WG, wir wollten schließlich ja auch ver­sorgt sein, nicht war?! Da musste jede ihr Scherflein beitragen und ihr Soll leisten. Und Beate war nun mal unbestreitbar das beste Pferd im Stall!

Also war sie keine sehr gute Philosophin. Wie sie auch keine sehr gute Romanistin war; das studierte sie nämlich als zweites Fach fürs Lehramt. Ja, so war das geplant worden, schon von Frau Isolde Nusshold, Beates Mutter, im Verein mit dem ziemlich verhuschten Prof. Theodor Traugott Gurktahler (Te-Te, die Gurke), einem väterlichen Freund des Hauses und ehemaligen Mittelschulprofessor für Geographie und Wasweißichnoch.

Jean-Paul. Das stand für uns andere, auch wenn wir – zugegeben: bloß mäßig interessiert – auch (im Sinne von nebenbei) der Philosophie oblagen, natürlich eindeutig für Jean-Paul Sartre. Nein, nicht für Jean-Paul Belmondo; obwohl wir den Burschen auch mochten. Und den Michel Piccoli …, als Partner der Deneuve.

Das Kino war in unseren Augen überhaupt (und bestimmt nicht zum Nachteil der Sache) stark französisch dominiert. Jean-Luc Godard, François Truffaut, Jean-Pierre Melville … Freilich sahen wir uns auch die Filme von Ingmar Bergman, Pier Paolo Pasolini oder Robert Altman an, ein wenig später wohl auch die Streifen von Rainer Werner Fassbinder, Ken Russell und Volker Schlöndorff …

Beate war als Philosophin von Jean-Paul, dem Sartre, beeinflusst. Stark, könnte man sagen. Sogar – indirekt – ein wenig von Martin Heidegger. Von Seinsangst und Seins-Versagensangst; letztere würde sie alsbald bei ihrer Klientel, sozusagen: hautnah erleben. Ja, das mit den Versagensängsten, das würde ihr quasi zum zweiten täglichen Brot werden, zum psychotherapeutischen Gabelbissen, zur Nutten-Jause, sozusagen. Nebenbei: ein gern bemerkter Beweis auch für die These, dass sie geradezu prädestiniert sei für diesen Job. Das hatte natürlich wiederum nur sehr bedingt mit Sartre und Heidegger zu tun, und mit Karl Jaspers, Gabriel Marcel und wie sie alle hießen, die Seins-Apostel und Apologeten des Nichts.

Wollte Sartres Existentialismus, also die zu einer Art geistig-politischer Bewegung gewordene Existenzphilosophie, „als ein Humanismus des denkenden, sich selbst entwerfenden Subjekts verstanden werden“ (wie Walter Schmiele im Nachwort zu Sartres Drei Essays“ ausführt [1965]), musste er die tradierten Formen des Humanismus überwinden; ergo zu einem Existenz-Humanismus der menschlichen Ichheit mutieren. Ein solcher Humanismus baute auf dem „sich entwerfenden und sich transzendierenden Menschen“ auf; und der anerkannte „keinen Gesetzgeber außer sich selbst“.

Dass dieser Mensch „in seiner Verlassenheit über sich selbst entscheidet und auf keine Vergebung seiner Schuld rechnen darf“, dass las sich recht gut und hörte sich ganz famos an. Denn Beates seelischem Urgrund, der – geschuldet der diesbezüglich denn doch eher kleinbürgerlichen Erziehung durch die äußerst engstirnige Mutter Isolde Nusshold – ein wenig blümchenhaft oder gar keimfrei imprägniert worden war, hätte das Herumhuren sonst vielleicht ein wenig moralisches Kopfzerbrechen oder Magendrücken bereitet …

Wenn der Mensch jedoch, wie Sartre es schon in „Das Sein und das Nichts“ postulierte, selbst die Freiheit sei (oder, wie er es noch zuspitzte: „Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt“), dann schien ohnedies alles so weit paletti zu sein.

Allerdings: Solcherart waren wir naturgemäß dann auch für alle unsere Entscheidungen sowie für unser Tun und Lassen uneingeschränkt verantwortlich … Wir konnten unserer Freiheit also niemals entkommen.

Die ominöse Mensch-Freiheit-Sentenz verfolgte die Idee, „dass das Bewusstsein überhaupt keine identifizierbaren Eigenschaften besitze, dass es nichts weiter sei als eine Relation zu den real existierenden Dingen, die dazu dient, ihnen Bedeutung zu verleihen.“ Und weiter: „Das Gegebene besitzt keine Bedeutung an sich; jede Bedeutung, die es annehmen kann, erhält es allein durch die Interpretation des Interpretierenden.“ (So Jeffrey Gordon, in: Michael Bruce/Steven Babone [Hg.]: „Die 100 wichtigsten philosophischen Argumente“.)

Noch etwas: Jean-Paul Sartres Satz: „Der individuelle Akt bindet die ganze Menschheit“, der mochte einen nicht nur an Immanuel Kants kategorischen Imperativ erinnern; er strahlte in unserem speziellen Fall, in Hinblick auf den Nebenerwerb im horizontalen Gewerbe, dem die Mädels so hingebungsvoll und von Eifer erfüllt oblagen, zudem einiges an werbetechnischer, ja, sogar an merkantiler Inbrunst aus.

Man hätte, wäre es nicht um Geheimprostitution gegangen, die Sentenz wie eine Gloriole (am besten: in blinkender Leuchtschrift!) über die Eingangstür zu unserer plüschenen WG, dieser superben und extra-ordinären Wonnen-Gemeinsschaft mit ihren mittels pseudo-orientalischer Drapierungen gedimmten Lichtern, hängen und installieren können … O ja, das wäre unter Umständen nicht nur werbewirksam und PR-affin angekommen, sondern auch ein wenig selbstironisch; für die wenigen, die das überhaupt verstanden hätten.

Erinnern wir uns: Sartre hatte, durchaus beeinflusst von Heideggers Denken und vor allem von des deutschen Kollegen Wälzer „Sein und Zeit“ von 1927 (verfasst also noch vor des namhaften Philosophen durchaus opportunistischer Hinwendung zur rüpelhaften Hitler-Partie), Sartre also hatte im Jahr 1943 sein Hauptwerk zur Existenzphilosophie, „Das Sein und das Nichts“, herausgebracht. Jetzt hing er mit hübschen schwarz gekleideten Studentinnen ab, die – freilich nur im seltenen Optimalfall – wie die von ihm vermutlich intensiv (und erfolgreich) angehimmelte dunkelhaarige Chansonniere Juliette Gréco aussahen, die ihrerseits natürlich Sartres Texte in angenehmen Vertonungen und mit ihrer aufregend timbrierten, verraucht verruchten und ebenso dunklen Stimme sowie mit jeder Menge Understatement vortrug. Eine femme fatal, deren auf Dauer womöglich verderbenbringendem Einfluss sich der Existenzphilosoph und praktizierende Existentialist nur durch seinen ungeheuren Zigarettenkonsum (angeblich soll Sartre um die 80 Gauloises pro Tag konsumiert haben) zwischendurch zu entziehen verstand. (Und durch die klug-diplomatische, quasi gleich unsichtbare wie effiziente Lenkung, die von seiner souveränen Lebensgefährtin, der gescheiten und emanzipierten Schriftstellerin Simone de Beauvoir ausging.)

Doch uns imponierte an Sartre noch etwas ganz außerordentlich: Dass der Philosoph und Schriftsteller im Jahr 1964 die Annahme des Nobelpreises für Literatur aus persönlichen und objektiven Gründen ablehnte. Er, der bedeutendste linke Intellektuelle Frankreichs, wollte sich mitten im Kalten Krieg partout nicht institutionalisieren und funktionalisieren lassen.

Zum Gesang noch eines: Beate sang nicht und fühlte sich auch nicht sonderlich zum französischen Chanson hingezogen, obwohl sie dem Französischen (gegen einen entsprechenden Aufschlag) durchaus bereitwillig oblag und sich diesbezüglich ohne große Umstände herabließ. Als Romanistin, die sie nun einmal war.

Nein, sie sang nicht, sie bumste lieber. Darin blieb sie übrigens den anderen Mädels in unserer Puff-Wohngemeinschaft stets ein des Nacheiferns wertes Vorbild; auch wenn kaum eine sie auch nur annähernd einzuholen vermochte. Nicht einmal Emma.

Die Franzosen. Ja. – Und wir, die anderen?

Wir trugen zwar nicht alle Schwarz, und ich persönlich konnte diese blöden Rollkragenpullis, wie sie diese furchtbar blasierten französischen Typen in den französischen, angeblich hoch-intellektuellen Filmen (worin ohnehin alles schwarz-weiß war) so französisch trugen, überhaupt nicht ausstehen – an mir zumindest; furchtbar kratzig waren die, unausstehlich und in ihrer monochromen Eintönigkeit richtiggehend fad.

Doch immerhin fühlten wir ein wenig von diesem existentialistischen Geist wehen, wenn er uns auch zumeist bloß als eine Art Nichts umhauchte; egal ob nun prae-existentiell oder non-cognitiv, post-coital oder der totalen decréation, also der Ent-Schöpfung (vielleicht auch der Er-Schöpfung?!) entsprungen, die quasi normale Angst (auf dem Weg von essence zu existence) forcierend oder sie womöglich ausnahmsweise einmal vertreibend, je nach dem …

Der existentialistische Geist, ob er sich uns als ontischer Schauer offenbarte, ausgelöst durch wahre Seelen-Schneestürme oder frösteln machende Niederschläge von Seins-Kälte, oder als simpler Schnupfen, dieser Geist in und um uns stellte immerhin zuweilen die Frage nach dem Sinn des Ganzen. Und das dann nicht selten ziemlich bohrend und nachdrücklich.

Doch solchen heiklen Erwägungen rund um die – dem berühmten heißen Brei ähnelnde – Ta­bu-Frage waren vor uns schon bekanntlich Goethe, der Spinoza-geübte Theist und Allgott­gläubige (wenn schon, denn schon), aber sogar die deutschen Romantiker, gleichgültig, ob mit oder ohne Ironie, nicht entkommen.

Nein, nein. Da wir noch (und in erster Linie) jung waren, erfüllte uns das alles kaum mit tatsächlichem Horror. Ein wenig kribbelige Daseinsfurcht war da wohl schon das höchste der Gefühle, das wir aufbringen konnten – zwischen zwei Bieren oder Schnäpsen, bei ein paar Rauchwölkchen, die wir, in Pall Mall, Ernte 23, Rothändle oder Gauloise gehalten, gegen die Decke der ohnedies schon total verqualmten und vernebelten Lokale sandten, in denen wir hockten. Was uns zum nächstbesten Glas Wat 69 oder Black & White (mit den beiden Pudeln, dem weißen und dem schwarzen – nein, falsch, das waren ja zwei Scottish Terrier!) greifen ließ, war daher weder Lebensfuror noch Daseinsekel.

Wohlgemerkt: Andere Drogen, außer Alkohol und natürlich Nikotin, waren ohnedies nicht usuell. (Noch nicht usuell.)

Wir lasen, wie gesagt, zwar in Maßen tatsächlich Sartre, sogar ein wenig Heidegger, manch eine besonders Strebsame vielleicht auch Gabriel Marcel, Karl Jaspers oder den guten alten Edmund Husserl; dazu noch (aber nur die wirklich Über-Über-Eifrigen!) überdies und außerdem Georg Wilhelm Friedrich Hegels „Phänomenologie des Geistes“ oder sein „Elend der Philosophie“; und natürlich „Das Kapital“ von Karl Marx.

Doch in erster studentischer Linie hörten wir die leicht belämmerten Philosophie-Vorlesungen des schon halb-emeritierten Ordinarius Eustach Wald-Guldenstein, zumal die über die von ihm entwickelte Ontotoleranz, eine – weitgehend Katholisches inkludierende – Privatlehre.

So einfach war das – und so kompliziert zugleich.

Und nichts schien die sorgenlose Zeit gefährden zu können. – Oder doch etwas?

AIDS. Doch die Sorge, am Ende irgendwann und irgendwie einmal HIV-positiv werden oder sein zu können, die kam erst mehr als zehn Jahre später auf.

Für uns, sozusagen: zu spät. Da waren wir ohnedies schon –

Romantisch

Für Romantik war noch Platz in unserer Hütte. Doch. Nicht nur für zwischenmenschliche Gefühle, die man bekanntlich gern (und meist falsch) mit dem Begriff romantisch umschreibt, sondern auch im sprachwissenschaftlichen Sinn, bezogen auf die sogenannte deutsche Romantik. Doch, dafür war Platz. Und nicht nur für die blaue Blume, die der schwärmerische Georg Philipp Friedrich von Hardenberg alias Novalis in seinem „Heinrich von Ofterdingen“ hatte erblühen lassen. Nein, ganz allgemein: Für die Deutsche Romantik war noch Platz bei uns.

Wie die Original-Romantiker romantisierten also auch wir zumindest zwischendurch gern. (Vergleichbar vielleicht den munteren Oberkrainern, die quasi als Vorbild für so manche inferiore volkstümliche Musikgruppe vor sich hin oberkrainerten.) Für Romantik hatten wir etwas übrig; und – gegebenenfallssogar für Revolution, wenn es schon sein musste … Denn Revolution gefiel uns irgendwie beinahe ebenso gut wie Romantik. (Bitte, fragen Sie mich nicht, was das mit der Hurerei zu tun haben könnte; man soll die Dinge besser nicht mit einander vermengen, so lange sie gerade noch getrennt sind und unvermischt …)

Wir ähnelten beim Liebäugeln mit der Revolution in unserer Haltung manchen Dichtern, die den Großen Krieg (wie man den Ersten Weltkrieg nannte, als noch kein Zweiter vor der Tür stand und es deshalb auch noch keine diesbezügliche Nummerierung gab) bejubelten; wenn sie selbst nicht an die Front mussten … Alsbald wurden die meisten von ihnen freilich eines Schlechteren belehrt. Ab dann waren sie folgerichtig umso überzeugtere Kriegsgegner.

Ja, wir mochten – rein theoretisch, versteht sich, und auch bloß ein bisschen – die Revolution. Denn konträr zu den deutschen Romantikern hatten wir keinerlei Schwierigkeiten mit dem Begriff Revolution. In der Theorie. Wir wollten, allein schon aus Bequemlichkeit, a priori zwar keine Revolution – in nächster Nähe, bitte! Wir würden sie indes billigend zur Kenntnis genommen haben; vorausgesetzt, wir hätten nicht ganz vorne mit dabei sein müssen …

Nicht, weil uns womöglich die – in unseren Breiten ohnedies nicht sonderlich epochal, sondern eher im Sand verlaufene – Studentenrevolte von 1968 so mit- und hergenommen gehabt hätte, nein; unsere Prioritäten lagen bloß ganz wo anders. Übrigens: Auch das angeblich als Kunst (oder als angebliche Kunst) getarnte öffentliche Onanieren, Urinieren und Scheißen an der Wiener Uni löste bei uns kaum besondere Emotionen aus. Sollten die doch.

Wir neigten nämlich eher zu einer hedonistischen Lebensweise; auch wenn wir uns echten Hedonismus gar nicht leisten konnten. (Und vielleicht nicht einmal so recht wussten, wie wir unser Leben genusstechnisch üppiger gestalten hätten sollen, wären die pekuniären Voraussetzungen dazu gegeben gewesen; oder uns hätte irgendwer plötzlich und aus welchen Gründen auch immer das dazu nötige Kleingeld tatsächlich zur Verfügung gestellt.) Das malten wir uns recht spannend, bunt und eindrucksvoll aus, o ja.

So recht spannend, bunt und eindrucksvoll, wie wir uns auch das Leben der oben schon kurz erwähnten Rosemarie Nitribitt vorstellten: mit schwarzem Mercedes 190 SL, dem besternten Wunder-Coupé mit Weißwandreifen und roten Ledersitzen, und weißem Pudelchen, wirkte das alles tatsächlich – wenn schon nicht unerbittlich, dann doch zumindest ein wenig nostalgisch: – nitribittlich auf uns …

Nein, doch keine Revolution, bitte! Denn eigentlich schienen uns die Gegebenheiten, die um uns herum herrschten, gerade recht so, wie sie waren: Da es draußen alle möglichen Einschränkungen gab, Regeln, an die man sich halten sollte, und Abwägungen, die man notgedrungen vorzunehmen hatte, erschien uns das kleine Glück in unserer Puff-WG ein relativ leicht zu fassendes; vielleicht oder gerade weil es, wie wir instinktiv spürten, ein zeitlich eher eng bemessenes sein würde. Die Zeit hing, dem bekannten Damokles-Schwert nicht unähnlich, über allem … Und so hatte sich sogar die Kundschaft danach zu richten, was und wem die Stunde geschlagen hatte – und wann; und wie die Tarife nun einmal aussahen.

Den deutschen Romantikern mussten ihre Probleme wesentlich gravierender erschienen sein; allein schon in Abwägung der eng bemessenen politischen (wie philosophischen) Freiräume. Und obwohl ich es dem aus dem Bibliothekswesen kommenden papierenen Ordinarius des neueren Faches in der Germanistik nicht zugetraut hätte, darüber, wie es um die Dichterprominenz Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts stand, wusste er Bescheid. So wurden wenigstens das Biographische und Bibliographische geklärt, wie es sich da zwischen Hamburg, Jena und Stuttgart, Leipzig, Frankfurt am Main und Berlin abspielte; wenngleich noch längst nicht das Hermeneutische – aber lassen wir das lieber …

Außerdem: Es nutzte uns sein verstaubtes Fachwissen nicht allzu viel, weil unsere Existenz nun einmal anders gelagert war. Und den meisten von uns die Romantiker dann doch am Arsch vorbei gingen …

Das Bild, das ich mir selbst ausmalte von der deutschen Romantik, spielte daher auch mehr ins Karikaturenhafte, ins bizarr Überzeichnete: Johann Wolfgang von Goethe, der es – und übrigens ähnlich wie Hegel und noch später dann Nietzsche – stets entschieden abgelehnt hat, Romantiker gewesen zu sein (nicht einmal zeitweise), also: Goethe sitzt, in Strampelhosen, der altjungferlichen Susanna Katharina von Klettenberg auf den knochigen Knien und lässt sich von ihr aufklären – über den Pietismus, versteht sich. Auf seinen Arsch fühlt er fast zeitgleich schon die Schläge der (warum auch immer, aus Eifersucht vielleicht?) erbosten Herrnhuter Brüdergemeinde mitsamt dem Grafen von Zinzendorf prasseln; und Johann Kaspar Lavater wird ihm obendrein den Spinoza-Marsch aus-blasen …, bei nächster sich bietender Gelegenheit, bitte sehr. (Goethe, einmal und ausnahmsweise vor-kantisch, und der Pantheist Baruch de Spinoza – eine besonders eigenartige Sache, für wahr! Fehlte bloß noch der später zum Katholizismus übergetretene Friedrich von Schlegel in diesem seltsamen Tableau; oder – der parasitäre Kunst-Hohepriester Richard Wagner höchstpersönlich!)

Die ganz moralischen unter Goethes Gefährten, Adepten, Apologeten und (insbesondere unter den späteren) Bewunderern, die Schleimscheißer aus der Nachwelt also, wollen ihm, dem dann doch noch ziemlich spießigen Lebemann und (sagen wir es nestroyisch:) verfluchten Kerl, am Ende gar seine vielen Liebschaften abgewöhnen. (Beziehungsweise: Dieselben nachträglich aus seiner prallen Biographie tilgen.) Nur: Mit den Freunden – mit Friedrich von Schiller sowie mit den ungleichen Brüdern Alexander und Wilhelm von Humboldt – wird er wohl auch weiterhin ab und zu Karten spielen dürfen und Wein trinken, viel Wein …

Zur Buße für sein dauerndes amouröses Über-die-Stränge-Schlagen (besonders wegen der so ungebührlich spät erst legalisierten Verbindung mit Christiane Vulpius, dem zunächst so süßen Goetheschen Bettschatz) muss der alternde Geheime Rat zu allem Überfluss dann noch mit der Frau von Stein herum tun (vermutlich ebenfalls knochige Knie!) und so seinen Meister Iste zähmen. Auf dem west-östlichen Diwan. (Dieser Kalauer musste sein!)

Aber: Ist da was besonders Romantisches daran?

Nun –

Dafür, dass Goethe die Französische Revolution abgelehnt hat, war er vom anfänglichen Revolutionsoffizier Napoleon Bonaparte, diesem genialen Strategen und größenwahnsinnigen Machtmenschen, erstaunlicherweise dann bis zuletzt ganz angetan. Und sehr zum Ärger seines in Kunstangelegenheiten so freigebigen Brotherren, des stock-feudalistischen Herzogs Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach, vermochte er dem völlig maßlos gewordenen Franzosen-Kaiser, sogar als dessen Stern schon endgültig gesunken war, eine gewisse Verehrung nicht zu versagen. (Doch könnte das mit der jovialen Versicherung Napoleons anlässlich einer Massen-Audienz, er habe den Werther mehrmals und mit Nutzen gelesen, und ergo mit Goethes Eitelkeit zusammenhängen. Siehe dazu: R. Safranski, „Goethe“.)

Ja, Goethe hatte, wie Klaus Günzel („Die deutschen Romantiker“) anmerkt, „mit seinem Frühwerk einige Zeichen gesetzt, in denen über zwanzig Jahre später die Romantiker erste Vorboten für ihre eigenen Bestrebungen sehen konnten“: In seinem Hymnus auf die Gotik im Aufsatz „Von deutscher Baukunst“ (1773), in der Verherrlichung der Ritterzeit „Götz von Berlichingen“ (1773) und im Gefühlsüberschwang der „Leiden des jungen Werthers“ (1774); und wohl auch „mit der romantisch-irrlichternden Gestalt der Mignon“ in „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ (1796).

Dass Goethe mit der Malerei und mit der Musik der Romantik herzlich wenig anzufangen wusste, lag, so Günzel, wohl in erster Linie an seinen diesbezüglichen Beratern. (Darunter befanden sich betuliche Speichellecker, bemühte Dilettanten und ein paar Ignoranten; vielleicht hielten sich die Idioten und die auf den eigenen Vorteil Bedachten die Waage?!)

Die Qualität der Vertonungen seiner Gedichte (etwa „Erlkönig“ und „Heidenröslein“) durch Franz Schubert blieb ihm jedenfalls die längste Zeit verborgen; ja, auf das von Josef von Spaun (in Einverständnis des Komponisten in „grenzenloser Verehrung“) an ihn nach Weimar geschickte Noten-Konvolut des vermutlich besten Vertoners seiner Gedichte reagierte Goethe überhaupt nicht. (Siehe: Friedrich Weissensteiner, „Klein und berühmt“.) Erst sehr viel später sollte sich dem Geheimen Rat die geheime Genialität des Wiener Komponisten endlich doch noch erschließen: Als ihm 1830 die Sängerin und Schauspielerin Wilhelmine Schröder-Devrient den „Erlkönig“ vorsang. (Siehe: Eckart Kleßmann, „Goethe aus der Nähe“.)

Na, und Goethes Ablehnung des meisten, was sich in der romantischen Literatur so tat, war vermutlich dem Generationskonflikt geschuldet: Die jungen Leute waren eben solche …

Also, die Romantik. Und das Romantische. Jene: eine Epoche, dieses: eine (dichterische) Haltung. Für Goethe, wie wir sehen, eher eine Zurück-Haltung. Und, so lässt sich vermuten, stark vom Vergleichen alles dessen mit dem eigenen Werk abhängig, was rund um den selbst so umfänglich Schaffenden geschaffen wurde. Ja, Goethe sah vermutlich – manche Äußerung in den Gesprächen mit dem treuergebenen Johann Peter Eckermann legt diese Interpretation durchaus nahe – vieles quasi in sich als dem allein-gültigen Spiegel all seines Sehens, Empfindens und Erkennens. Denn: Der Mensch ist ein wahrer Narziss, er bespiegelt sich überall gern selbst. (Zitiert nach Klaus Thiele-Dohrmann, „Ruhm und Unsterblichkeit“.)

Da drängte sich schier automatisch die Ironie auf. Also, selbstredend: die romantische Ironie. Und damit: Heinrich Heine. Klar, Heine! Als kritischer Beobachter, findiger Geist und mit allen Wassern der Poesie gewaschener Dichter. Berufspoet und Profi-Neurotiker. Gilftpilz und Mimose. Aber nicht zuletzt wohl auch als der berüchtigte Brecher der blauen Blume geltend. Nur dass er, anders als Goethes vergleichsweise naiver Röslein-Knabe, sich bei diesem Vorhaben selbst nicht ernstlich gestochen zu haben scheint an den Dornen …

Im Gegenteil: Heine war in der Tat gut im Dreinhauen: hinterhältig, spitz und treffend; meist zudem unerbittlich, nachtragend und unversöhnlich. Zum Exempel: In seiner Schrift „Die romantische Schule“ (1836, einer Erweiterung der drei Jahre zuvor erschienenen Abhandlung „Zur Geschichte der neueren schönen Literatur in Deutschland“), die – deshalb wohl auch erst in französischer Sprache geschrieben – in seiner Wahlheimat Aufschluss geben sollte über die aktuelle Literatur im Nachbarland, rechnet der satirische Geist wortgewandt mit dem ab, was sich literarisch in seiner Heimat, die er 1831 in Richtung Paris verlassen hatte, denn so alles abspielte. Und wer alles daran beteiligt war; und wie prominent.

Klar erhellen sich hier die Positionen nicht nur zu den Romantikern im engeren Sinn (etwa zu dem von Heine hochgelobten Achim von Arnim), sondern auch zu den beiden deutschen Groß-Literaten des Zeitalters; und dass ihm hierbei der (bei aller Moderatheit) politisch eher freigeistige Schiller näherstand als der von ihm kurz davor sogar noch als Aristokratenknecht bezeichnete Goethe, wird wohl nicht verwundern. (Heines Einschätzung des Weimarer Dichterfürsten erfuhr allerdings mit Goethes Tod eine merkbare Aufhellung.) Und schon 1830 hatte Heine in der Prosa „Die Bäder von Lucca“ seine Dauerfehde mit dem Grafen August von Platen-Hallermünde, wortgewandt und gar nicht zimperlich, vertieft. (Dabei machte er sogar für alle, die solches interessierte, die homosexuelle Ausrichtung des Kollegen publik.)

Mit der ganz besonderen Ablehnung durch Heine, den scharfen Beobachter von der fernen Seine aus, konnten allerdings stets die Brüder Friedrich und August Wilhelm von Schlegel rechnen. Und das obschon just ersterer eine ganze Menge recht gescheiter Dinge zur Ironie geäußert hatte, aus der er ein System, eine Art Kritik, zu formen trachtete.

So bezeichnete Friedrich von Schlegel (nach Safranski, „Romantik“) die Ironie als klares Bewusstsein der ewigen Agilität, des unendlichen Chaos. Das passte vortrefflich in seine eigenwillige progressive Universalpoesie, die sich bald darauf in den originell-pittoresken Werken Ludwig Tiecks und in den kunstfrommen Arbeiten des Wilhelm Heinrich Wackenroder bestätigen konnte.

Diese Ironie sprach, so Schlegel, eine Art von Unaussprechlichkeit an und verwies so auf die Illusion der völlig verständlichen Mitteilung – also: „uns bis ins Innerste verstanden zu haben“; denn eine solche sei unmöglich. Für ihn stellte das Phänomen des gegenseitigen Nichtverstehens freilich keine Katastrophe dar; eher die Chance, zumindest einen Rest vom „Geheimnis“ zu wahren, damit „der vielversprechende Logos“ am Ende nicht noch „zur langweiligen Tautologie“ werde. Überhaupt, die „menschliche Geschichte“ bestehe, nach Schlegels Meinung, „aus Geschichten von Missverständnissen“, analog zum Satz: „Individuum est ineffabile.“ (Zitiert nach Safranski.)

Es wäre, im Falle des Begriffs ineffabile, spannend, zu untersuchen, ob es sich wohl um unaussprechbar, um unaussprechlich, um unsagbar oder gar um unsäglich handle … Allerdings zeigt sich hier (wie auch an vielen anderen Facetten der Romantik) gerade ihre Zerrissenheit; besonders stark ausgeprägt eben bei Heine, aber auch bei Eichendorff.

Nun verwundert es nicht weiter, dass sich just ein Schriftsteller und Ästhetiker wie Friedrich von Schlegel (dessen eigene Dichtung und literarische Produktion schon von den meisten fachlich gebildeten Zeitgenossen als weitgehend unergiebig abgeurteilt wurde) in einer Art Fabulier-Philosophie übte. Er nannte sie, die für ihn die „eigentliche Heimat“ der Ironie darstellte, gar die „Poesie der Poesie“ und gebot ihr, sich mit Kritik und Wissenschaft dreifach zu paaren; sich fühlte er in erster Linie als Trend-Macher berufen. Schiller, der die Schleimereien der Schlegel-Brüder (besonders dem hochverehrten Goethe gegenüber) bald durchschaut hatte und ab nun einer ihrer schärfsten Gegner war, nannte Friedrich abfällig einen Witzling. (In diesem Zusammenhang sei eine Parallele erwähnt, dass nämlich [und gar nicht so seltsamerweise] just erfolglose Mimen gerne führende Rollen in der Bühnengewerkschaft übernehmen. Siehe dazu: Helmut Qualtingers köstlichen Sketch , „Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben“!)

Bewusst muss einem freilich auch sein, dass sich die Romantiker – zumal Autoren wie der dem Düsteren, Makaberen und wunderlich Irrlichternden zuneigende E T. A. Hoffmann oder der geniale Lied-Dichter und Wander-Poet Joseph von Eichendorff, dieser taffe deutsche Troubadour – in ihrem Romantisieren meist durchaus der Ironie bewusst waren, dass also ihr Tun „eine Verzauberung durch den Irrealis“ darstellte. (Safranski.) Heine ohnedies.

Das Als ob – als Kunstgriff wie als Haltung – war geboren.

Dem Irrealen neigte in üppigster Weise, drum soll er hier unbedingt erwähnt werden, Friedrich de la Motte Fouqué zu, der leider allzu gern als bloßer Reanimator mittelalterlicher Stoffe und besonders deutschen Rittertums abgetan wird. Man wird sich seiner erinnern müssen – egal ob man Anfang der 1970er Jahre mittels Kaffees vergiftet worden ist oder nicht; seiner und wohl auch der liebevoll-kritischen Beschäftigung, die ihm Arno Schmidt (in seinen „Nachtprogrammen und Aufsätzen“) essayistisch angedeihen hat lassen.

Doch nicht nur über diesen Friedrich Heinrich Karl, Baron de la Motte Fouqué, Baron de Thonnayboutonne, Baron de Saint-Surin, Seigneur de la Gréve gilt es, verwundert zu sein sowie über „Undine“ & Co; sondern über so viel Romantik ohne Ironie. Hier wäre schon ein kräftiger Vorgriff auf den weitgehend humorlosen, bierernsten Richard Wagner angezeigt, dem es bekanntlich vorbehalten sein wird, die Kunst – Musik/Literatur/Bild/Theater – gar zur Pseudoreligion und sich zum unbestrittenen Höchstpriester derselben hochzustilisieren; mit Bayreuth als zentraler, bald auch touristisch optimal nutzbarer Opferstätte.

Hier wollen wir jedoch auch kurz noch eine Brücke schlagen zwischen der Romantik und dem Existentialismus. Hatte Friedrich von Schlegel also die Ironie als Qualität in die Poesie und in die Philosophie eingeführt, so postulierte sein verehrter Freund Johann Gottlieb Fichte, der Schootingstar der Jenaer Philosophen und ganz im Fahrwasser Immanuel Kants segelnd (mit Aussicht, die weitgehend adorierte greise Denkkapazität aus Königsberg noch zu überholen), das wahrhafte Ich „des Erkennens, Handelns, Glaubens und Hoffens“; als „die durchsichtig gemachte Struktur des Selbstbewusstseins“ (Safranski). (Novalis würde dann noch, das alles toppend, gar zum Ich seines Ichs finden, das ihm dann quasi sogar den Blick auf sich selbst – von einer Außenposition her – ermöglichte.)

Gott und/oder Natur wird hier nur mit größter Vorsicht abgehandelt. (Obschon sich besonders Novalis ziemlich weit aus dem Fenster lehnt und, wenn auch moderat, nach Altertum und christlichem Mittelalter nun ein drittes Weltalter anbrechen sieht, in dem Poesie und Religion quasi koaliieren. Außerdem: So wie die Natur nun nicht mehr auf dauernde Interventionen Gottes angewiesen sei, käme die neue Religion ganz gut ohne Christus aus …)

Und siehe da: Auch Jean-Paul Sartres Humanismus (=Existentialismus) wartet auf mit der menschlichen Ichheit des (nun freilich atheistischen) „sich selbst entwerfenden und sich transzendierenden Menschen, der keinen Gesetzgeber außer sich selbst anerkennt“ (Walter Schmiele im Nachwort zu Satres „Drei Essays“).

Und das wiederum hatten wir schon im Kapitel Jean-Paul.

Egal, auch die Romantik überlebte sich (zumindest als Haltung) samt blauer Blume, sukzessive verblassend. Und das, obschon sie im Lauf der Zeit immer wieder (und in ausgeprägter und ausgesprochener Gegnerschaft zur anfangs ach so hochgeschätzten Französischen Revolution!) gar tüchtig gegen die zur Eigenreflexion unfähigen Philister mobil gemacht hatte. (Von Joseph von Eichendorff zum Exempel war 1823 ein satirisches Drama erschienen, betitelt „Krieg den Philistern“!) Die Philister beziehen übrigens dann auch noch vom Dionysiker Friedrich Nietzsche ihre Prügel: als verachtenswerte Bildungsphilister. (Laut Nietzsche sei das Dionysische der „tönende Untergrund“, worauf sich erst das Apollinische mit der Schilderung der „Schicksale und Charaktere der einzelnen Gestalten“ sowie „ihr Sprechen und Handeln, ihre Konflikte und Konkurrenzen“ abspiele. (Safranski.) Zu solch feinen Differenzierungen schienen die Attackierten jedoch a priori nicht fähig …

Die Romantik zog indes auch gegen den Verlust der Mannigfaltigkeit, gegen das Vergessen auf die Träume der Kindheit und gegen die Geometrisierung von Zeit und Raum ins Feld; und gegen die Langeweile. (Die sollte, später dann, zum wichtigen Thema der Moderne werden; denken wir nur an Alberto Moravia und seinen Roman „La Noia“ von 1961, verfilmt 1963).

Es ging gegen eine blinde Verherrlichung alles Neuen durch eben die (Bildungs-)Philister, durch die Technik- und Fortschritts-gläubigen Bürger; die in Literatur, Musik und bildender Kunst bloß eine hübsche Lebensverbrämung sahen. Man trat zudem entschieden gegen die Vergemütlichung der Kunst auf. Denn Kunst sollte etwas Besonderes sein und bleiben!

Für Nietzsche drückte, überspitzt formuliert, lange Zeit Richard Wagners (viel zu) schweres Parfum, das nach guter alter Alchimisten-Manier gemixt war aus schwüler Literatur, bombastischer Musik und opulentem Theater, eine gleichsam narkotisierende Pseudo-Religion, das aus, was er unter Kunst subsumierte …

Egal, auch die Romantik überlebte sich mit der Zeit. Unberührt davon jedoch bleiben bis heute die unbestrittene Wichtigkeit und die erstaunliche Frische, die besonders das vielschichtige Werk des nicht selten widersprüchlichen Heinrich Heine und einiger weniger seiner Freunde wie Feinde auszeichnen. Und von den einen auf das Entschiedenste abgelehnt – etwa von Karl Kraus -, von den anderen wiederum hochgeschätzt und verehrt – so von Robert Schumann, Friedrich Nietzsche oder Rainer Maria Rilke -, haben Heine letztlich nicht einmal später dann die Nazis aus dem deutschen Dichter-Kanon zu eliminieren vermocht.

Mit Sicherheit hatte auch der Niedergang des Bildungsbürgertum seinen Anteil daran, dass die Romantik heute nur als liebenswerte Reminiszenz ihr Nischendasein in den Bücherschränken und Hausbibliotheken führt. Einerseits (dies gilt besonders für Wien) die Kaffeehaus-leichte literarische Revolte des aus dem Fin de Siècle notgeborenen Jugendstils, anderseits (dies gilt besonders für Berlin) die meistenteils sicherheitshalber brav exekutierte Rückwärtswendung im Wilhelminischen Zeitalter und in den Jahren der Weimarer Republik: Sie präparierten die deutsche Romantik vorerst einmal als einigermaßen schöne Leich‘.

Die großteils zu Volksliedern gewordenen Gedichte Joseph von Eichendorffs erwiesen sich da noch als das Ehrlichste und zu Recht Beständigste, und auch im Werk Hugo von Hofmannsthals, Stefan Georges und Rainer Maria Rilkes züngelte die romantische Flamme weiter. Endlich machte sich dann, wie vorher schon kurz angedeutet, Adolf Hitlers braunes Parteiproletariat unter Joseph Goebbels taktisch-wortgewandter Ver-Führung an die finale Ausschlachtung der brauchbaren Relikte romantisch-deutschen Sinnes (freilich ohne Heine).

Nach 1945 beerbten schlaue Neureiche und aufstrebende Sprösslinge des Wirtschaftswunders das ehemalige Groß- wie Bildungsbürgertum. Und gegen Ende des 20. sowie am Beginn des 21. Jahrhunderts werden dann nochmals sich selbst toppende Dummheit und allgemeine Bildungsignoranz den romantischen Resten den allerletzten Garaus machen.

Die Romantik“, schrieb Walter Muschg, „ging an der romantischen Ironie zugrunde. Sie parodierte wirklich sich selbst, und in Heinrich Heine trat der Gaukler aller Gaukler auf, der das Todesurteil an sich und ihr vollstreckte.“ (Muschg, „Tragische Literaturgeschichte“.) Nun, Muschg war Schweizer. Und wie viel Humor hat schon in einem Alphorn Platz? Na eben … Doch dass sie tatsächlich an der romantischen Ironie zugrunde gegangen sein sollte, die ihr doch quasi Wesens-immanent war, mag ich von der Romantik einfach nicht glauben.

Aber: Romantik kann, so wollen wir schließen, durchaus auch als eine Form überhöhender Selbstausschaltung gesehen und beurteilt werden; oder auch als eine Art Endspiel; als eines im Schillerschen Sinn, somit seiner philosophischen Auslegung des Spielbegriffs folgend. (Und das Spiel war treibende Kraft, die ganze Romantik hindurch – von Ludwig Tieck über Heinrich Heine bis E. T. A. Hoffmann und Friedrich Nietzsche.) Denn für Schiller, der „das Spiel als Therapie der Kultur vorschlägt“, sind Kunst und Spiel ineinander verwoben, fasst Rüdiger Safranski in „Schiller als Philosoph“ zusammen. Und: „Er dachte bei dem Satz der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt vor allem an das edle Spiel der Kunst (…); bedenkt man aber, dass im Zeitalter der elektronischen Massenmedien die Dimension des Spiels sich ungeheuer ausgeweitet hat, muss man zu dem Schluss kommen, dass sich Schillers Utopie der spielenden Gesellschaft auf überraschend banale Weise verwirklichst hat.“

Doch so weit will hier eigentlich wiederum dann doch niemand gehen.

Kaffee-Finale

Natürlich hatte ich mich an alles gewöhnt: an meine Beate; an ihren Job (der mir in der Tat von Anfang an nichts ausgemacht hatte!). Und natürlich auch an die anderen Mädels, die mir in der Zwischenzeit allesamt längst lieb, wert und vertraut waren. Besonders gut war ich mit der rothaarigen Emma, mit Beates Busenfreundin. Ja, mit Emma verband mich mehr …, vielleicht, so dachte ich mitunter, sogar mehr als mit Beate?!

Noch etwas muss hier und in diesem Zusammenhang erwähnt werden: Emma und Beate, die Erhabene und die Glückliche, wenn wir beider Vornamen – wie im Spiel – heranziehen zur näheren Erläuterung ihres Gefühlsrasters, ihrer Erscheinung und ihrer Persönlichkeit, sie rochen beide – sehr ähnlich. Ja! Zum Verwechseln ähnlich!

Ich gebe es unumwunden zu: Ich verfügte zwar niemals auch nur annähernd über den unerhört differenzierenden Geruchssinn des so genialen (wenn auch bloß literarischen) Parfumeurs und dazu noch berüchtigten Mörders Jean-Baptiste Grenouille im Frankreich des 18. Jahrhunderts, von dem uns Patrick Süskind in seinem Roman „Das Parfum“ so eindrucksvoll berichtet; wobei der Autor uns gleichzeitig wichtige Einblicke gewährt in das flüchtige Reich der Gerüche. Aber zwei Rivalinnen – und das waren die beiden jungen Frauen ja nunmehr in gewisser Weise -, zwei Rivalinnen, die gleich riechen, das irritiert einen als Liebhaber dann doch sehr!

Ich hatte mir, so glaubte ich (leicht größenwahnsinnig, zugegeben) die beiden als zwei ganz besondere Exemplare der Spezies Frau aus der Fülle ihrer Geschlechtsgenossinnen errochen; gerade in ihrer (für mich so harmonisch scheinenden) Geruchsidentität. Ja, Beate und Emma erschienen mir, just weil sie diese olfaktorische Kongruenz auszeichnete, wie – wäre es weniger ums Riechen als vielmehr ums Sehen gegangen – zwei äußerst verführerisch leuchtende Skarabäen; ja, doch, wie zwei altägyptische heilige Dreckkäfer also, die als völlig übereinstimmend duftende fabulöse Wesen ihre wie meine Schicksalskugel zappelig vor sich her wälzten …

Ob das Phänomen der Gleichgeruchlichkeit auch sie, die beiden selbst, irritiert hat? Nun, das weiß ich nicht. Vielleicht bemerkten die beiden jungen Frauen diese Quasi-Identität, freilich auf ungewohntem Gebiet, selbst nicht einmal. Frauen verglichen ihre Gerüche sicherlich nicht so mit einander, wie sie dies ohne Frage etwa bei Kleidern, Stoffen, Kosmetika oder Schuhen taten … Mich jedenfalls irritierte diese olfaktorische Begleiterscheinung im Umgang mit den beiden Mädels gewaltig! Man will doch als Mann schließlich wissen, mit wem man es da gerade treibt! Und das – auch im Dunkeln und ohne viel Dialog!

Ja, verdammt: Das war irritierend!

Bei all dem Stress, den die Hurerei und – nicht zu vergessen! – der beinharte Zuhälter-Beruf mit sich brachten, über den ich mich nun freilich lieber nicht weiter auslassen möchte, lagen bei uns allen nicht selten die Nerven blank. Denn in so einem als Wohngemeinschaft geführten (und getarnten) Puff müssen gewisse Spielregeln eingehalten werden; man ist auf einander angewiesen, muss sich auf einander verlassen können et cetera.

Ein Glück, dass der Begriff des Burn Out-Sydroms noch nicht in aller Gehirnwindungen herumgeisterte und zwischendurch den Mund verließ wie ein ausgelutschter Kaugummi!

Doch es gab – Stress! Besonders Beate schien unter der ganzen universitären, philosophisch-romanistischen Belastung sowie unter der Aufgabe des immerhin zumindest ziemlich strukturierten und konsequenten Hurens zu leiden. Vielleicht spielte bei ihr auch mitunter ein Zuviel an Empathie mit der oft in der Tat ziemlich schrägen Kundschaft und deren skurrilen und bizarren Wünschen eine Rolle? Wer weiß. Sie sprach jedenfalls nicht darüber. (Zumindest nicht mit mir, und vermutlich auch nicht mit Emma; denn auch das hätte ich früher oder später dann wohl erfahren.)

Nicht zuletzt angesichts von Beates weitgehender Überlastung war mir schon seit geraumer Zeit Emma in der Tat eine große seelische – und, ja, ich gebe es zu: – auch eine große körperliche Stütze.

Und die beiden Mädels rochen, wie gesagt, ident.

Seltsam. (Das romantische Doppelgängertum, transponiert ins Olfaktorische? Ein möglicher Stoff für E. T. A. Hoffmann, Heinrich Heine, Wilhelm Hauff und Co.? Wer weiß.)

Sehr seltsam, jedenfalls …

Ich hätte damals womöglich mehr in Otto Weiningers „Geschlecht und Charakter“ nachlesen sollen; oder besser: weniger?! Ja, weniger Weininger! Vielleicht auch (und am besten): gar nichts?! Denn wie hätte mir die Lektüre dieses bizarren Textes überhaupt weiterhelfen sollen? Weininger, ein ziemlich zerrütteter Jung-Mediziner; verschreckt über seine homosexuelle Neigung; Antisemit, obwohl (oder: weil) selbst Jude; dieser verklemmte Weininger, der sich mit knapp 23 Jahren erschießt – übrigens just in einem Zimmer im Sterbehaus Ludwig van Beethovens in Wien; dieses dekadente Genie (wie ihn der leicht wirre Anthroposoph Rudolf Steiner bezeichnet hatte)? Ja, wie denn auch sollte der just mir damals – und überhaupt jemals – helfen? (Egal, ob ihn August Strindberg oder Karl Kraus über den grünen Klee lobten; sie werden schon gewusst haben, warum und aus welchen Erwägungen heraus sie es taten. So wie ich weiß, warum er mir auf die Nerven gegangen ist.)

Aber – verbietet sich nicht jegliche Lektüre allein schon, wenn einer sich zu folgendem Satz versteigt (noch dazu fett gedruckt): „Der tiefststehende Mann steht immer noch unendlich hoch über dem höchststehenden Weibe.“ (Da nützt auch der Nachsatz nichts, dass dennoch „niemand das Recht“ habe, „selbst das tiefsstehende Weib irgendwie zu schmälern oder zu unterdrücken.“ („Geschlecht und Charakter“, XII. Kapitel.)

Hm.

Nein – doch besser nicht diesen schrägen Otto Weininger.

Nur …, als ich Beate dann die Geschichte, die da seit geraumer Zeit schon zwischen ihrer Busen-Freundin Emma und mir lief, schweren Herzens (und vermutlich ein bisschen zu naiv) offenbarte, reagierte sie zwar nach außen hin ziemlich kühl; doch innerlich musste sie am Dampfen sein! Ja, sie schien zu wissen, wie die Cathérine Deneuve in einer entsprechenden Filmrolle an ihrer Stelle reagiert hätte: kühl, vermutlich, sehr kühl. (Denn cool sagte man damals noch nicht, der Ausdruck war noch nicht in.)

Und so ähnlich, Deneuve-ähnlich, wollte vermutlich auch Beate wirken, nach außen … Innerlich, wie gesagt, das ahnte ich, war sie mit Sicherheit auf 100 oder noch mehr – egal, ob Celsius, Reaumur oder Fahrenheit! (Zum Vergleich: Der damals sehr beliebte französische Chansonnier und Komponist Gilbert Bécaud wurde Monsieur 100.000 Volt genannt … Aber das gehört nicht ganz hier her; vielleicht lief just einer seiner Hits im Radio?!)

Beate kochte also. Und so war es ihr auch kaum zu verübeln, dass sie, die nach außen nun tatsächlich und durchaus überzeugend kühl Wirkende, in ihrem brodelnden Inneren ausschließlich auf Rache sann. (Sie musste zu diesem Zeitpunkt einem knapp vor dem Ausbruch stehenden Vulkan geähnelt haben …) Waren zu allem Überfluss doch die beiden in den Treuebruch involvierten jungen Frauen aufs Engste mit einander verbunden gewesen – bis dato. Ein bisschen so wie die Lulu und die Geschwitz vielleicht sogar, um hier noch rasch die Kurve hin zu Frank Wedekind („Erdgeist“ plus „Die Büchse der Pandora“) zu kratzen. (Und ich taugte, um im Sujet zu bleiben, mitnichten als Jack The Ripper!)

Auch gegen wen sich ihre Rachegefühle – in erster Linie – wenden würden, stand, zumindest für sie, vermutlich relativ rasch fest: Emma hieß die Kanaille! Ja, doch, für Beate schienen da, so denke ich, wohl keinerlei Unklarheiten geherrscht zu haben. Genau.

Die Idee nämlich, womöglich mich in ihre heftigen Rachepläne miteinzubeziehen, die kam ihr erst gar nicht; um mich ging es – in ihren Augen – nämlich bei der ganzen Sache nicht (oder bloß unerheblich, irgendwie peripher). Obwohl Beate natürlich auch auf mich, ihren Geliebten und Zuhälter, ziemlich bös gewesen sein dürfte. (So wie auch ich mich selber durchaus schuldig fühlte …, ja, doch …; in Maßen zumindest …)

Also machte sich die schöne blonde Beate daran, Emma, die dunkelhaarige Kaffee-Vieltrinkerin, zu vergiften. Geruchsidentität hin oder her … Ja, sie machte Anstalten, die nunmehr verhasste Vertraute von früher mittels Gift zu vertilgen., zu eliminieren.

Mit Kaffee, klarerweise.

Doch irrtümlich (oder vielleicht sogar zu Fleiß?) trank auch sie, die nunmehr unglückliche Beate, die im Begriff war, zur Mörderin an der gewesenen erhabenen Busen-Freundin Emma zu werden, von der von ihr entsprechend vorsorglich präparierten Brühe.

Mit einem Lächeln – ja, das konnte sie! So wie es ihr doch auch immer wieder gelang, zu schmutzigen, ekelhaften oder gar verwahrlosten Freiern freundlich zu sein -, mit einem Lächeln, so stelle ich mir die Szene zumindest vor (ich war zwar vermutlich lokal dabei, aber geistig abwesend), servierte sie Emma und sich das Henkers-Getränk …

So waren dann mit einem Mal und nach eher kurzer Zeit beide Frauen tot, die mir doch so viel bedeutet hatten.

Wieder, auch geistig hinzutretend, trank ich – vielleicht geschah das noch im Schock? Vermutlich! Oder weil ich gerade ohnehin alkoholisch total angesoffen war?! –, von Neuem hinzutretend also (und dennoch wie weggetreten), trank ich den Rest vom Kaffee. (Er war zwar schon kalt, aber immer noch ausreichend toxisch.)

Vielleicht aber, es wäre zumindest möglich, vielleicht aber trank ich den Rest, wieder ernüchtert, damit der nicht immer bloß Schweigen sei.

E N D E

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