Lear: König

Fast eine Farce

von

Bernd Schmidt

© by Bernd Schmidt, Graz 2015.

Narr:

Der ist toll, der auf die Zahmheit eines Wolfs baut,

auf die Gesundheit eines Pferdes, eines Knaben

Liebe oder einer Hure Schwur.

William Shakespeare, König Lear

*

Kreidl:

Da gibt’s Eltern, denen müsste man die Kinder

direkt wegnehmen.

Gerhard Polt, Kinderdämmerung

*

Meister Anton:

Ich verstehe die Welt nicht mehr!

Friedrich Hebbel, Maria Magdalene

*

Eins

Lear. Es ist erstaunlich, wie ähnlich sich diverse Lebensläufe sein können. Und das – trotz aller Unterschiede, was die betrifft, die sie durchzumachen haben. Ob arm, ob reich, gescheit oder dumm: Das Los verbindet manche Menschen miteinander; quer durch Zünfte, Stände, Ideologien und Intelligenzquotienten. Sogar echte mit gedachten Individuen, solchen aus Fleisch und Blut mit anderen, die aus Tinte und literarischer Lust geformt sind.

Und das meist, ohne dass sie es selbst gewahr würden. Sie nennen das dann gern Schicksal oder Los, runzeln darüber die Stirn und hadern damit, um sich letzten Endes dareinzufügen.

Lear also. Freilich, die Konstellation legt den Vergleich mit Shakespeares „König Lear“ durchaus nahe. Das späte Drama (etwa 1605) des britannischen Dramatiker-Genies und Eduards familiäres Dilemma weisen tatsächlich etliche Berührungspunkte auf. Auch wenn Graz, der Geburtsort und hauptsächliche Wirkungskreis des Helden, an der Mur liegt und mit Stratford-upon-Avon eigentlich wenig gemein hat; und dieser unglückliche Edi kein König ist, sondern nur König heißt; und die drei Töchter – zumindest offiziell – zwei Töchter und eine Art Cousine sind. (In Wahrheit freilich ist auch diese ominöse Cordelia, die Dritte im Schwesternbund der Familie König, eine [wenn auch uneheliche] Tochter Edis. Und ein ihm in Wahrheit sogar sehr nahestehendes Familienanhängsel, gezeugt mit einer braven, doch geistig ein wenig zurückgeblieben Magd, die später dann, als die alte Sybill bezeichnet, lange noch, bis zu deren Tod, die engste Dienerin von Edis Frau Mathilde sein wird.)

Quasi glasklar allerdings sind die Positionen der beiden ehelichen Kinder. Sowohl Goneril als auch Regan sind außerordentlich geldgierige und geltungssüchtige Weiber, die einzig und allein nach Macht und sozialem Ansehen streben. Wasserscheu, sozusagen, im moralischen Sinn. Stets auf ihren Vorteil aus und gewandt im Umgang mit Lug und Trug. Kurz: Es sind das zwei ziemlich herzlose und oberflächliche Gören erst, später nicht weniger herzlose Karriereweiber mit entsprechendem Anhang (in Form ihre recht üblen Ehemänner.)

Übrigens: Dass die Damen allesamt so ausgefallene Namen tragen, ist Edi Königs Vorliebe für William Shakespeare, Christopher Marlowe, John Milton & Co., für das Altnordische sowie für die ganz frühen Iren, Schotten und Ur-Briten geschuldet. Gerufen werden, wenn man sie überhaupt ruft, Goneril meist Gonny, und Regan – kurioserweise – Franzi. Die Pseudo-Cousine seiner Töchter, Cordelia, hört auf den schlichten Kosenamen Puppi. Das hat, zugegeben, noch weniger Königlich-Shakespearesches an sich; doch auch Edi mutet, aufs erste Hinhören, nicht ausgesprochen britisch an …

Cordelia, ja, sie – sie gemahnt ihn, den literarisch interessierten Chocolatier, übrigens nicht selten an Lewis Carroll. Ob er will oder nicht. Puppi hat einiges von Alice an sich. Findet Edi König. (Nun, grundsätzlich: Wer hätte nicht etwas von Alice an sich?!)

Das Schokoladengeschäft und die edle Kunst der Zuckerwarenherstellung, die König als wohlsituierter und angesehener Entrepreneur seit Jahrzehnten betreibt (übrigens schon weitgehend ererbtermaßen, nämlich vom alten und vom ganz-alten König hergeleitet), sie florieren zwar immer noch einigermaßen; die Zeit ist jedoch auch auf diesem süßen Gebiet bei weitem nicht stehengeblieben; und die Gegenwart betrachtend oder gar in die Zukunft blickend, erhält alles, findet jedenfalls König, einen durchaus bitteren Beigeschmack.

Nein. Nichts bleibt, wie es einmal gewesen ist. Im Gegenteil: Innovation lautet auch hier das Zauberwort! Und Umsatzsteigerung gilt als Ziel, Europareife ist dazu die Voraussetzung. Weitestgehende Ausbeutung der Arbeitskräfte ein nur zu probates Mittel …

Gerade was das soziale Moment betrifft, hat Edi König noch andere (Wert-)Vorstellungen. Doch scheinen das Althergebrachte, das Moralische und das Solide in Handel und Wandel ja überhaupt längst schon sukzessive in Verruf zu geraten. Nein, vielmehr: Gerade ein schlechter Ruf kann da mitunter sogar, als Zeichen von Durchsetzungsvermögen und Flexibilität interpretiert, die Geschäftschancen noch erheblich steigern! (Denn von den [etwa im 17. Jahrhundert noch gültigen, ja:] ehernen Leitsätzen der Kaufleute merkt man heute kaum mehr etwas in der Praxis. Leider, libertas, also die Freiheit und die Freizügigkeit, dann taciturnitas, die Verschwiegenheit, sowie integritas, die Redlichkeit, sie gelten kaum noch auf dem freien Markt. Denn längst ist der von stillosem Konkurrenzkampf – meist ausgetragen auf dem Rücken der Schwächsten, der Mitarbeiter und der Rohstofflieferanten – und von schier teuflischer Tücke geprägt.)

Die jüngere Vergangenheit in Kürze.

Der neue raue Wind, als er noch ein solcher war, wehte am allerersten den bedauernswerten Kleinhändlern, Greißlern und Kolonialwarenhändlern ins Gesicht; denn wer will heute noch etwas von Kolonien wissen, wenn er sich eine Schachtel mit Teebeuteln, eine Ananas oder zwei, drei Bananen kauft?! Und auch das Exotische hat längst schon an Attraktivität eingebüßt. Zudem übernahm eine Handvoll weltweit agierender Konzerne das Geschäft – vom Anbau etwa der Pflanzen über die Veredelung der Produkte bis hin zur Vermarktung. Und naturgemäß auch zur Wertschöpfung.

Viele der Handelsherren alten Schlags, denen man mitunter noch angemerkt hatte, dass sie sich Sorgen machten um Menschen, um Familien, natürlich auch um ihre teure Ware und die Finanzen (vielleicht nicht immer in dieser Reihenfolge …), hatten bald unter den neuen Gegebenheiten zu leiden. Und die Ausgangsprodukte sowie die Transportgegebenheiten bestimmten dabei in überwiegendem Maß das wirtschaftliche Geschehen ringsum mit. Übrigens, auch mental: Waren es doch immer noch zum Teil recht wundersame und abenteuerliche, weitestgehend rare Produkte; auch solche, die von weither kamen, über die Meere und aus fernen, exotischen Ländern … Aus Ländern, deren Bewohner man freilich plötzlich nicht mehr so einfach als Eingeborene oder sonst irgendwie als Deppen bezeichnen durfte (obwohl man sie vermutlich auch weiterhin dafür hielt).

Und noch etwas: Die karibischen und süd- wie mittelamerikanischen Herren aus der Politik sowie ihre Kollegen aus Asien und Afrika – saßen längst im Nadelstreif und mit mehr oder minder verbindlichem Lächeln in diversen internationalen Gremien. Sie waren in New York, Genf, Brüssel, Davos und Alpbach wortgewandt dabei. Dort mischten sie nicht selten mit, dass einem angst und bang werden konnte. Sogar in der halbwegs obskuren FIFA handelten sie Fußball-Weltmeisterschaften (erstaunlicherweise: mit Vorliebe in besonders heißen oder besonders kalten Gegenden) aus. Und auch sonst sahen wir sie allenthalben am Puls der Zeit. (Und wenn man nicht aufpasste, zerquetschen sie den sogar beim Messen und Zählen.)

Zurück im Präsenz (vor allem sprachlich).

In der Tat, die nationale, vor allem aber die internationale Konkurrenz schläft nicht, und besonders die global agierenden Großkonzerne verstehen es, mit geballter Muskelkraft gegen die kleinen regionalen und lokalen Mitbieter vorzugehen und ihnen das kommerzielle Leben schwerzumachen und durchwegs gehörig zu versalzen. Und das bekommt auch der leicht über-mittelständische Betrieb Eduard Königs immer stärker zu spüren.

Freilich, auch innerhalb der Familie brodelt es wie erhitzte Kochschokolade. Zum Beispiel: Gonerils nach Neuerungen gierender Ehemann, Felix Praunzinger, ebenfalls aus dem gehobenen Confiserie-Bereich (wenn auch aus St. Pölten) stammend und erfolgreicher Erfinder der durchaus beliebten Praunzinger-Waffeln, hätte da schon ganz andere Geschäftsideen und Innovationen parat, als die verstaubte Schulweisheit des alten König es sich träumen ließe; jedenfalls würde Praunzingers Wechsel in die Königs-Chefetage einschneidende Maßnahmen mit sich bringen.

Doch auch die nicht minder gierige Tochter Regan und ihr ebenfalls nach Geld und zusätzlichem Renommee lüsterner Ehepartner, Victor Frygimann, ein Schweizer Chocolatier (sein Schlager ist der Frygimanns Trüffel-Zipf – ja, der mit der exquisiten Nougat-Nuss-Füllung!), scharren schon in den Startlöchern. Und der umtriebige Victor kann überdies auf seine prominente Verwandtschaft verweisen – als Spross der Dynastie des Schweizer Schokoladen-Urgesteins Rudolphe Lindt, auf den das eminent wichtige Conchierverfahren zurückgeht. Diese Methode ermöglicht die Schokoladenherstellung ohne Zusatz von Zucker und Honig. (Die süß-aromatischen Beimengungen sind anfänglich essentiell gewesen, da man die kulinarische Innovation zunächst, als die Kakaobohne von Christoph Kolumbus beziehungsweise seinem Kollegen Hermán Cortés aus Übersee nach Europa gebracht wird, noch gar nicht genießen kann und daher, sozusagen, links liegen lässt …)

Nur der bösen Töchter Cousine, Cordelia also, hält es weiterhin, durchaus und aus freien Stücken, mit der guten alten Tradition Eduard Königs; im Sinn der Schokoladenherstellung wie überhaupt, auch im Menschlichen also.

Und besonders ihrem Lebensgefährten, einem (wohltuend fachfremden) Musiklehrer und Komponisten namens Erich Wolfgang Klughaus, der sich am liebsten erst gar nicht in die bitter-süßen Familienintrigen einmischen möchte, konveniert die traditionelle Königs-Linie grundsätzlich; ist er doch ein ausgesprochener Freund etwa der beliebten Königs-Osterhasen mit Doppelglocke (in drei Größen, in Gold-, Silber- und Bronzepapier gewickelt, klingelnd in der Terz c/e), der wahlweise pfefferminzig aufgepeppten oder wacholdrig intensivierten rundlichen Königs-Tuscher und des absoluten Dauerbrenners, nämlich der kandisiert-fruchtigen weißen Königs-Kerze. Neben dem Komponieren ist ihm das Lutschen diverser Königs-Köstlichkeiten in der Tat das Liebste. (Und für eine solche Königs-Köstlichkeit sieht er auch [mit einigem Recht] seine Gattin an, die uneheliche Königs-Tochter Cordelia/Puppi.)

Doch das Idyll hält nicht für immer vor.

Und alsbald verdüstern dunkle Gewitterwolken die nach dem Tod seiner Frau Mathilde (vor nunmehr fünf Jahren) sich erst langsam wieder aufhellende Familiengroßwetterlage im bis dato immerhin recht herrschaftlich geführten Hause König.

Ja, Edi König weht bald ein durchaus eisiger Wind entgegen. (Übrigens ist es die alte Sybill, die Edi, einem Shakespeare-Narren ähnlich, durch manch loses und ironisches Wort durchaus taugliche Hinweise zur prekären Lage und dazu auch probate Interpretationshilfen gibt, was seine Situation und Position im ganzen familiären Gefüge betrifft, etwa: „Der ist toll, der auf die Zahmheit eines Wolfs baut, auf die Gesundheit eines Pferdes, eines Knaben Liebe oder einer Hure Schwur.“)

Doch mit einem Mal und, so scheint es, jedenfalls aus weitgehend heiterem Himmel, zucken die Blitze der Zwietracht auf, und es grollt der Donner eines baldigen gewaltigen Gewitters. Die familiäre Großwetterlage verdüstert sich, wie angedeutet, zusehends.

Ist es da womöglich als eine Form von Glück anzusehen, dass sich beim langsam ohnedies lendenlahm werdenden Familienoberhaupt gleichzeitig schon die ersten Anzeichen der kommenden Alzheimer-Krankheit manifestieren?

Ja, Edi König, früher so mannhaft, alert und vital, gleitet langsam in einen Zustand des allmählichen Vergessens und der sukzessiven Verblödung hinüber.

Kein Wunder eigentlich, dass er – darin ganz ehrenwerter Handelsherr und solider Hausvater alten Schlags – zügig an die möglichst gerechte Teilung seiner Habe zu gehen gedenkt. (Das möge geschehen, so lange er noch Herr seiner selbst und in der Lage dazu sein würde. Später könnte seine Rede wirr sein – wie er selbst …: „O habt Geduld mit mir! Bitte vergesst, / Vergebt, denn ich bin alt und kindisch.“)

Doch wie der Shakespearesche Lear will auch der alternde Zuckerl-König und vormalige Schokoladen-Zampano Edi zuvor noch ergründen, welche seiner Töchter ihn denn nun am meisten liebe, um dann, dem entsprechend (und Rechnung tragend) abgestuft, seinen Nachlass unter den Dreien aufzusplitten. Und, nicht zu vergessen, es geht hier um das immer noch recht ordentlich florierende Geschäft, um Wertpapiere, Anleihen et cetera und um Bares. (Um schwarzes Bares, um genau zu sein.)

Da umgaukeln die erstgeborene Tochter Gonny wie auch Franzi, Numero zwei, den ohnedies schon merkbar angeschlagenen und summa summarum bereits im Abbröckeln begriffenen Geist des Vaters mit geschickter Schönrederei und zünftiger Lüge zuhauf.

Mein Vater, / Mehr lieb‘ ich Euch, als Worte je umfassen, / Weit inniger als Licht und Luft und Freiheit, / Weit mehr als was für reich und selten gilt, / bla bla bla …“, so beschwört die hinterhältige älteste Tochter des Vaters Wohlwollen. Und mit Erfolg. Gonny kann’s eben.

Ich bin vom selben Stoff wie meine Schwester“, hebt darauf hin (die ansonsten meist geifernde) Franzi ihre Suada an, „Und schätze mich ihr gleich … / Nur bleibt sie noch zurück: denn ich erkläre / Mich als die Feindin jeder andern Luft, / Die in der Sinne reichstem Umkreis wohnt, / Und fühl‘ in Eurer teuren Hoheit Liebe / Mein einzig Glück.“

Ja, ja, die Ludern haben ihren Shakespeare (in der Übersetzung von Wolf Heinrich Graf Baudissin) wohl gelernt und einstudiert!

Doch Cousinchen Puppi versaut sich die Kür ob ihrer wenig demütigen Offenheit und etwas ruppig wirkenden Ehrlichkeit, deren freilich hohen Wert der verblendete und bereits leicht irre König aber schon gar nicht zu schätzen weiß. Auf seine Frage: „Was sagst du, dir zu gewinnen / Ein reichres Drittel als die Schwestern? Sprich!“, erwidert sie: „Nichts, gnäd’ger Herr! (Lear: Nichts? – Cordelia: Nichts. – Lear: Aus nichts kann nichts entstehn: sprich noch einmal.) / Cordelia: Ich Unglücksel’ge, ich kann nicht mein Herz /Auf meine Lippen heben; ich lieb‘ Eur‘ Hoheit, / Wie’s meiner Pflicht geziemt, nicht mehr, nicht minder.“

Jetzt schnappt der Edi König nach Luft und über.

Übrigens: Kann jemand, bitte!, mit dem Hund auf die Straße gehen?!

Zwei

Wir. Wir schauen zurück.

Endlich! Endlich die Vorherrschaft der brutalen Götter beenden und diese Kerle aus unserem Bewusstsein (und, viel wichtiger noch: aus unserem Unterbewusstsein …) eliminieren! Weg mit ihnen! Ein für alle Mal! So dachte König. Und als Ersatz den großen Kakaogott Ek Chuah zurückholen, wieder inthronisieren! Ihn, Ek Chuah, den er bei sich vertrauensvoll lieber Schokolatl nannte; zurückholen und auf den Himmelsthron hieven, auf dass er nach Gebühr angebetet werde und nach Fug, Recht und den ihm innewohnenden Kalorien! Das alles – auch ohne Maya und Azteken. (Denn an irgendetwas soll man schließlich doch absolut glauben, zur eigenen Sicherheit …)

Er schob sich ein weiteres Stück seiner neuesten Kreation, die sich allerdings noch im Entwicklungsstadium befand, in den schon leicht verschmierten Mund: Edelbitterschokolade mit Rosenblättern, Klatschmohn, Kardamom und Kümmel.

Naja. Gewöhnungsbedürftig. Aber seit sein oststeirischer Konkurrent Josef Zotter, seines Zeichens Chocolatier, Bio-Landwirt und Andersmacher (zu dem er ansonsten ein durchaus amikales Verhältnis pflegte), ganz Gaumenkünstler, angeblich mit Grammeln, Disteln und sogar mit veredeltem Schmieröl äußerst erfolgreich für seine ausgefallenen Schoko-Exponate herum-experimentierte, hieß es ebenfalls besonders ideenreich – und mutig – sein!

Zur selben Zeit geht in Eduard König indes auch ein stetiger Wandel des religiösen Empfindens vor sich. Eine Entwicklung, die ihn – ansonsten eher schlicht denkend und wohlmeinend (um nicht zu sagen obrigkeitshörig) in diesen Dingen – selbst verwundert, als er sie endlich gewahrt. Und zwar: Weg vom Gott des Alten Testaments, der ja doch auch immer wieder altbacken durchs sogenannte Neue geisterte, der, wenn es der um ihren Machterhalt bangenden Hohepriesterschaft angebracht schien, sogar wieder einmal seine durchaus biblischen, sozusagen: langbärtigen Heerscharen ankündigen lassen konnte mit Posaunengetöse und Trommelwirbel; und der solcherart seine Macht der ewigen Verdammnis gehörig aufwärmte.

Weg von einem Gott, der Kains Gemüse-Opfer missachtete gegenüber dem Gegrillten von dessen Bruder Abel! Der dem greisen Abraham pro forma um ein Menschenopfer in Gestalt von dessen geliebtem Sohn Isaak abnötigte! Weg vom grollenden Gott, der sich zur Allgüte erst durchringen musste, wenn alle Stricke der angeblichen Gerechtigkeit, ein unmenschliches System von Spinnennetzen bildend, gerissen sein sollten …

Also, sie musste ganz einfach endlich beendet werden, diese verdammte Vorherrschaft der brutalen Götter! Denn ihrer waren viele (ob man es glauben wollte oder nicht), und sie waren durchwegs unsympathisch, kalt, berechnend, auch heimtückisch, nachtragend und bloß auf ihren Vorteil, ihre Position und ihre Bedeutung erpicht. Dazu geil, bockig und zügellos, egozentrisch, machtbesessen und von Gewaltlust beseelt.

Nur eben nicht menschlich.

Wie denn auch?! Viele von ihnen schienen dabei nicht einmal annähernd so bummelwitzig und originell wie sich die Dichter die Götter der alten Griechen erdacht hatten. Diese Brüder und Schwestern, die da am und im Olymp ihre ausschweifenden bunten Abende feierten und ihre schockierend orgiastischen Partys schmissen. Nein, nicht so nachgerade afterartige Schwinger-Treffen liebestoller Göttinnen und Götter unter Zuhilfenahme von irdischen Heroen, Chimären und gescheckten Halbgöttern. Längst fad-ausgelutschte Belustigungen ohne Lust, auf Rituale und Traditionen reduzierte quasi dunkle Erinnerungen ihrer Selbst.

Es galt endlich, gehandelt zu werden. (Wenn man das so verdreht ausdrücken darf. Eduard glaubte immerhin, das so verdreht ausdrücken zu dürfen. Und er drückte es daher so aus.)

Das bedeutete: Keinen Jahwe mehr und keinen Allah, keinen Wotan und keinen Zeus!

Zudem war es an der Zeit, den großen lieben Schokolatl endlich zur allgemeinen Verehrung und Anbetung herzurichten und auszustaffieren; etwa wie eine ein wenig anheimeld-kitschige Marienfigur zur katholischen Maiandacht. Ave Schoko!

Aber, Spaß beiseite: Wenn etwas anbetungswürdig war, dann doch wohl er, der herb-bitter-süße, ewig-wiederkehrende Phönix aus der Kakao-Asche! Er, der eine Sie war: die Schokolade! Alpha und Omega der positiven Inhalts- wie Wirkstoffe, der wohltätigen Endorphine und außerdem noch sämtlicher anderer Glückshormone! Der stets verlässliche Quell der ganz besonderen Wohltaten für alle Geschmacksknospen! Der Tummelplatz allen wunderbaren Geschmacks sowie die Möglichkeit und Chance zur Genusssteigerung ins schier Unendliche! Kurz: der heiliger Hort himmlischer Gefühle!

Wie Udo Pini in seinem profunden „Gourmet-Handbuch“ ausführt, bewirke „Schokolade-Essen [] in biochemischer Kettenreaktion eine höhere Konzentration von Tryptophan im Gehirn, wodurch es zu einer erhöhten Serotoninbildung kommt, was Glücks- und Hochgefühle erzeugen kann.“ Deshalb sei die Wirkung eines Kakaogetränks durchaus mit der von Kaffee vergleichbar. Was die Inhaltsstoffe betrifft, bestet zum Beispiel halbbittere Schokolade unter anderem aus Wasser, Eiweißen, Fetten, Kohlehydraten sowie aus Natrium, Kalium, Kalzium, Phosphor, Eisen, Magnesium und aus Vitaminen und ein wenig Niacin.

Zurück in die indianische Vergangenheit, zumal der Trink-Schokolade. Das Geheimnis lag nämlich in der Cacao theobroma, im Kakaobaum, wie ihn Carl von Linné, der bedeutende schwedische Naturforscher des 18. Jahrhunderts, genannt hat, als er die Pflanze in seine hehre botanische Registratur aufnahm. Und theobroma bedeutet übersetzt, nicht zu Unrecht: Speise (oder Trank) der Götter! Schon der legendäre Gastrosoph Jean Anthelme Brillat-Savarin stellte seine Vermutungen an, warum Linné just zu dieser etwas „schwülstigen Benennung“ gegriffen habe: „Die Einen schreiben sie der Leidenschaft zu, welche der Gelehrte für den Trank gehabt habe, die Andern dem Wunsche, seinem Beichtvater zu gefallen (Trinkkakao war besonders bei den Damen und den Mönchen beliebt! Anm.), die Dritten endlich seiner Galanterie, weil eine Königin zuerst den Gebrauch der Chocolade anfing (invertum).“ (Damit war wohl Anna d’Autriche, die Gattin Ludwigs XIII. gemeint. Anm.) (Zitiert nach J. A. Brillat-Savarin, „Physiologie des Geschmacks“.)

Ja, Cacao theobroma. Dieses Gewächs schenkte dem Menschen, seit man zurückdenken konnte – zumindest bei den Maya und Azteken war es so -, seine phantastischen Früchte. In Hülle und Fülle. Und aus ihnen wieder konnte der Ur-Chocolatier die Ur-Schokolade herstellen, dieses eminente Lebens- und Genussmittel; als Verfeinerung gesellten sich den edlen Kakao-Elementen verschiedene Zuckerarten und andere ausgewählte Geschmacks- und Aromastoffe bei. Brillat-Savari: „Wenn man dem zum Zucker, zum Zimmt und zum Kakao noch das herrliche Arom der Vanille hinzufügt, so erreicht man das non plus ultra der Vollkommenheit, welches diesem Getränk gegeben werden kann.“

Kurz: Schalet war es, Manna und Ambrosia, sozusagen. Und das auf südamerikanische Art.

Theobroma, den Kakaobaum, kannten die Olmeken schon um 1500 vor Christus, und seit dem Jahr 600 unserer Zeitrechnung bereits bauten ihn die Maya an. Kein Wunder also, dass man das wertvolle Gemüse unter dem Aztekenkönig Montezuma im alten Mexiko dann sogar als Zahlungsmittel einsetzte (wie der Entdecker Hermán Cortés und sein Expeditionskollege Bernal Diaz del Castillo zu berichten wussten. Für einen guten Sklaven musste man da schon 100 ebenso gute Kakaobohnen berappen …)

Dann brachte Christoph Columbus die ersten dieser faszinierenden Fruchtkapseln aus Amerika mit heim nach Europa. Neben der Tomate, den Erdäpfeln und der Syphilis.

Und noch etwas: Kakao, sozusagen politisch.

Für Eduard König entsprach dieses edle Grundprodukt, wenn er nicht gerade dessen Verehrung als Gottheit forderte, gleichsam (und entfernt darin dem Thomas Hobbesschen „Leviathan“ ähnenld) einer Nation; in all ihren sozialen und regionalen Unterabteilungen, Kasten und Rängen, in den (geschmacklichen) Minderheiten sowie in den hauptsächlichen und somit bestimmenden Elementen … Doch wie im wohlorganisierten Staat, wenn er (somit: nicht Hobbes entsprechend!) einigermaßen demokratisch funktioniert, zwar die Mehrheit entscheidet, die Minderheiten jedoch nicht um ihren Bestand fürchten müssen, so müssen bei guter Schokolade eben auch die Grundelemente und die verschiedenen Außenseiter-Akzente und Zumischungs-Nuancen gemeinsam ein mehr als bloß passables Ganzes bilden.

Das berauschende aztekische Getränk, genannt xocóatl (oder xocólatl), was bitteres Wasser bedeutet und hergestellt wird eben aus Wasser, Kakao, Vanille und Cayennepfeffer, es symbolisierte für Edi die unverzichtbare politische Ausgangsbasis; die nicht minder wichtigen Beigaben, quasi Zucker und Aromastoffe, vielleicht auch Milch und andere Accessoires, sollten dann zusätzlich helfen, wenn möglich, einen wahren Kosmos an Geschmacks- und Sozialgefüge zu gestalten.

Somit galt als Prinzip: Gute Politik hatte weitgehend guter Schokolade zu gleichen!

Auch was die Verdaulichkeit betrifft. Und: egal ob in Trinkform oder zum Lutschen. (Denn auch Politik wird dem Volk in verschiedenen Darreichungsformen angeboten; nur um die Bekömmlichkeit steht es nicht immer so gut wie bei der Schokolade. Leider.)

Als Cortés und Columbus die ersten Kakaobohnen nach Europa brachten, kannte man zunächst noch keine Verwendung für die bitteren Exoten. Ernst mit Honig und Rohrzucker vermengt, machte Kakao als Getränk ab 1544 am spanischen Hof Furore. Im Jahr 1647 öffnete das erste Kakao-Kaffeehaus in London seine Pforten, und anno 1673 schenkte der Niederländer Jan Jantz von Huesden erstmals öffentlich Schokolade in Bremen aus.

Ebenfalls aus Holland stammte Coenraad Johannes von Houten, der 1828 das Pressen und Zermahlen der Bohnen erfand – und der, damit verbunden, der Spaltung der Kakaobutter vom Kakao den Weg wies und solcherart dem Erfolgsprodukt Schokolade weiter auf die Überholspur anderen Süßigkeiten gegenüber verhalf.

Anno 1839 gründete dann Franz Stollwerck seine Mürbbäckerei in Köln und baute sie in der Folge, gemeinsam mit seinen fünf Söhnen, zum Großunternehmen Franz Stollwerck & Söhne aus.

Doch auch in der Schweiz war man nicht untätig geblieben. Hier mischten und rührten François-Louis Cailler in Verey (1819), Philippe Suchard (1824), Jean Tobler (1830) und Rudolf Sprüngli (1824) kräftig mit, ging es um Schokolade-Innovation. Daniel Peter und Henri Nestlé erfanden sogar die erste Schweizer Milchschokolade (1875), und anno 1879 entwickelte, wie schon erwähnt, Rudolphe Lindt das Conchierverfahren, das fürderhin den Zusatz von Zucker und Honig unnötig machte.

Auch in Österreich, das bekanntlich über eine geradezu legendäre Süßspeisen-Tradition verfügte, in die auch die habsburgischen Kronländer mit ihren mannigfaltigen Torten und den Köstlichkeiten auf dem Sektor des Süßgebäcks viele Varianten eingebracht hatten, auch in Österreich tat sich auf schokoladigem Gebiet einiges. Hier seien nur die Firmen Josef Manner (ab 1890), Victor Anton Schmidt und Söhne (ab 1858, ab 2000 dann bei Manner) genannt. Auch an Gustav und Wilhelm Heller (deren Unternehmen 1970 auf Schmidt, später dann an auf Manner überging) und Ludwig Hofbauer (der im Jahr 1972 noch den Konkurrenten Küfferle [„Katzenzungen“] übernahm, 1994 jedoch an „Lindt & Sprüngli“ fiel) oder an die Grazer Schokoladen- und Zuckerlfabrik Engelhofer („Firn“) soll kurz erinnert werden.

Freilich zog insgesamt die wirtschaftliche Entwicklung, grundsätzlich bald den Kleinen abhold, eine bittere Schneise durch das früher so üppige süße Feld. Und Anfang des 21. Jahrhunderts teilten sich grosso modo bloß ein paar international agierende Konzerne im wahrsten Sinn des Wortes des Kuchen.

Doch auch zum Namen noch etwas (auch hier verlassen wir uns aufs Internet [Wikipedia]): Die Maya sagten ka-ka-wa zu dem aus der bei ihnen so beliebten Kakao-Pflanze gewonnenen Ur-Getränk. Und da die weitestgehend ungebildeten spanischen Eroberer ihnen ungewohnte oder für sie schwer artikulierbare Wörter aus der Neuen Welt gern ihrer primitiven Sprechweise anpassten, wurde aus chocol haa (oder dem aztekischen xocolatl ein chocol [heiß] und atl [Wasser]) mittels Suffix-Vereinfachung –te schließlich chocolate, die bis heute übliche (Trink-)Schokolade.

Möchte nicht bald wer mit dem Hund auf die Straße gehen?! Ja?!

Drei

Kindertreue. Elternliebe. Undank ist der Welten Lohn. Die Wohltaten, an den Kindern so freigebig verübt, sie bleiben unbeachtet. Kein Hahn kräht danach. Und noch bevor die Eltern so recht der grüne Rasen deckt, ist das an Wohltaten alles Geleistete meist längst vergessen. Niemand mehr will sich dessen entsinnen, was sie, treusorgend und liebevoll, der Brut (dieser undankbaren Brut!) so selbstlos und von Herzen an Gutem getan haben …

Manchmal sind freilich auch die Eltern undankbar; sie nehmen ihrerseits den Dank ihrer treusorgenden Kinder nicht in gebührender Weise an und wollen sogar oft nicht die durchaus angemessene Gegenleistung für die Wohltaten von früher akzeptieren. Gerade, dass sie nicht nach der kindlich hingestreckten Hand schnappen … Etwa, wenn man, wie es auf dem Land immer noch gern gepflegte Tradition ist (und uns von Helmut Qualtinger wortgewandt und stimmgewaltig überliefert wurde), die alten Eltern im gleich hübschen wie zweckmäßig eingerichteten Ausgedinge unterbringt – und diese dann, der gesundheitsförderlichen Schonkost womöglich alsbald leid, durchaus verbotenerweise beim Vieh mitessen.

Doch in der Mehrzahl der Fälle sind es die Kinder, die am ehernen Gesetz der Dankbarkeit rütteln. Und das schafft ein schweres Herz bei den Zeugern, Aufziehern und Ernährern durch all die stürmischen Zeiten von Kindheit und Adoleszenz, die sich stets um das Wohlergehen ihrer (obenerwähnten) Brut gesorgt hatten; nicht selten verbunden mit mannigfaltigen eigenen Entbehrungen. Ach ja.

Das waren nicht Väter und Mütter von der eher schlechten Sorte, die – wie zum Exempel die berüchtigt-grimmigen Eltern von Hänsel und Gretl – ihre Kinder allein in den Wald schickten, um die hungrigen Mäuler fürderhin nicht mehr stopfen zu müssen; und solcherart zudem auch noch eine populäre Kinder-Oper als Mehrwert aus dem miesen Geschäft zu lukrieren. Nein. Das waren durchwegs rechtschaffene Leutchen, die mit ihrer mehr oder weniger geschickten Hände sinnvoller oder unsinniger Arbeit beitrugen zur allgemeinen Wohlfahrt, ergo auch zum adäquaten Unterhalt ihrer Nachkommenschaft, deren biologische In-die-Wege-Leitung und Hervorbringung womöglich ihr einziges Vergnügen in schwerer Zeit gewesen war.

Egal und wie auch immer: Irgendwann kommt der Tag, da die Eltern – Vater und/oder Mutter also – gedenken, ab nun ausschließlich ihr karges Rentner-Dasein zu genießen; als gewesene Aufsichtsräte, Konzernpräsidenten, Bankdirektorinnen oder Minister a. D. oder in sonstigen, ab jetzt einigermaßen abgespeckten Funktionen. Und da wird dann ein Kassensturz gemacht.

Nicht jeder hat drei Söhne, die er gleich liebt und ihnen auf Gotthold Ephraim Lessings Geheiß hin einen geheimnisvollen Ring vermacht (einen Originalring und zwei anscheinend wie auch scheinbar gleichwertige Kopien). Nein, manchmal sind es auch Töchter; oder es gibt gar keinen Schmuck. Ansonsten freilich ist der Usus ein nämlicher.

Damit nämlich nach dem bald schon anzunehmenden Tod und Hingang des Vaters (der Mutter) nicht der große Streit um die Erbschaft ausbreche, will jetzt schon alles geregelt sein; bei Guglhupf und Kaffee, Sekt und falschem Kaviar.

Doch die Sippschaft erweist sich als bockig. Oder als untreu. Oder ist schleimig. Scheinheilig. Wasweißich.

Da wird Treue und Dankbarkeit vorgegaukelt, was das Zeug hält. Da wird gelogen, betrogen und geblendet, auf Teufel komm raus!

So auch bei Eduard König und seinem kuriosen Drei-Mäderl-Haus. Denn seine zwei offiziellen Töchter, Gonny und Franzi, und die Dritte im Bund, Puppi, sie sollen ihm immerhin glaubhaft ihre Treue und Dankbarkeit erweisen. Dann möchte er beruhigt in die Pension ein- und schließlich dann (irgendwann) ganz abtreten.

Ja ja.

Gonny, die erste Tochter, die er fragt, beschwört, scheinheilig aber beredt, ihre immerwährende Dankbarkeit – sinnigerweise beim Leben der verstorbenen Mutter, Edis Frau also. Sie dächte gar nicht daran, ihm, dem über alles geliebten Vater, jemals in den gebeugten Rücken zu fallen. Und auch ihr Gatte, Felix mit seinen Waffeln stünde ganz auf Königs Seite, Ehrenwort! (Ja, Paunzinger bleibe bei der einmal ausgegebenen Devise: „Die Waffeln nieder!“. Was freilich ein wenig übertrieben wirken mochte und einem etwas gewiefteren Vater, als Eduard einer war, vermutlich dann doch verdächtig vorgekommen wäre …)

Auch Tochter Franzi weist jeden Zweifel an ihrer Loyalität empört, ja: beinahe beleidigt von sich! (Wie könne er nur, ihr vielgeliebter Vater, an ihr und ihrem Mann zweifeln?!) Für sie ist es völlig unverständlich, dass der gute Vater auch nur im Entferntesten daran denken könne, sie und ihr Victor würden nicht in unverbrüchlicher Treue zu ihm stehen?! Habe Frygimann doch gerade erst mit den gefüllten Lutschbonbons mit Schokokern, „Tells Geschosse“ und „Hohle Gasse“ (mit Pfefferminz-Geschmack), gleichsam einen neuerlichen Beweis seiner unverbrüchlichen Solidarität geliefert!

Dann eine einigermaßen zurückhaltende Äußerung: Sie werde ihm immer in Treue ergeben sein, wie es sich für eine Nichte gehöre, sagt – ein wenig zweideutig – die dritte der Töchter, Puppi. Habe Eduard König sie doch wie eine eigene Tochter aufgezogen und stets in der Nähe seines Herzens gehalten. Wofür sie ihm ehrlich danke.

Hm.

Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen sein sollte, haben wir den Auftritt der drei Nachkommen des unglücklichen Eduard König schon in Kapitel eins gestreift. Also, bitte, gegebenenfalls dort nochmals nachzulesen!

Übrigens, vielleicht geht endlich wer mit dem Hund auf die Straße!

Vier

Lear: König. Es kam, wie es in solchen Fällen nun einmal zu kommen pflegte, nämlich zum Krieg! Brutal und mitleidlos. Wenig bis gar nicht ehrenhaft. Grauslich eben. Krieg!

Bitter- gegen Milchschokolade, so lautete das Schlachtprogramm, vereinfacht ausgedrückt. Denn endlich sollte der Krieg, angeblich (und weil es sich Heraklit so eingebildet hatte, der Vater aller Dinge) auch zu dem der Schokolade werden. Herb und edelbitter gegen milchig bis blass (und pervertiert: weiß sogar [schokoladelose Schokolade!]). Geschmolzen bald schon in hitziger Hand, das von Haus aus so heiße Thema; wie die dazu gereichte süße Jause.

Die Heere bezogen – klar doch: bloß werbetechnisch! – Aufstellung. Unbemerkt (noch) von der Millionenzahl der Genussfreunde, die inzwischen brav am ehemaligen Xocolatl nuckelten und ihre Lieblingssorten lutschten, kauten und fraßen. Wann würde es an ihnen sein, letzten Endes zu den wahren Entscheidungsträgern zu werden im Kampf, der hier zwischen Stilen, Genussvarianten und Geschmacksrichtungen zu toben anhob?!

Es war ein Kampf Eckchen für Eckchen und Rippe für Rippe, Riegel für Riegel. Tafel für Tafel. Kugel, Zipf, Dragee …

Das hatten sie jetzt also davon, die prall gerüsteten Rippen-Truppen Eduard Königs und seiner Konkurrenten. Dass dies ausgerechnet seine Schwiegersöhne, Felix Paunzinger, der Waffelspezialist, und der Schweizer Chokolatier Victor Frygimann mit seinen eidgenössischen Edelbitter-Bataillonen sein mussten, ärgerte den greisen König besonders.

Ja, hatten denn nicht gerade seine Töchter, Gonny und Franzi, ihm ewigen Dank und unverbrüchliche Tochterliebe geschworen?!

Und: Was half ihm die Neutralität der dritten Tochter, der sogenannten Cousine, Puppis an sich durchaus ehrenhafte Haltung also?

Dass ihr Ehegatte, der Tonsetzer Erich Wolfgang Klughaus, für ihn, Edi König, ein bombastisches Kriegsoratorium komponiert hatte, das nach dem aztekischen (oder war der einer der Maya gewesen?! – Egal!), jedenfalls nach dem südamerikanischen Kakao-Gott Ek Chuah benannt war, nutzte ihm zunächst kaum. Schokoladenliebhaber wollten bekanntlich was zum Lutschen, weniger was zum Anhören. (Nicht einmal der findige Josef Zotter hatte bis dato eine akustische Schokolade auf den Markt gebracht; und das wollte was heißen …!) Aber, bitte, als Geste war es freilich lieb gemeint, das mit viel instrumentalem Pomp und stimmlichem Raffinement und überdies sehr effektvoll, akkurat und fast schon übervoll besetzte Werk, ganz im Stil Georg Friedrich Händels (wenngleich da auch ein bisschen Andrew Lloyd Webber, Jerry Herman und John Kander mitschwangen), versehen sogar mit einer schönen Countertenor-Partie, eben der des Ek Chuah …

Gut. Der Kampf der Kampagnen-Kompanien wogte auf und ab. Und nichts war zu spüren von den ansonsten doch als glücklich und zufrieden machend bekannten Inhalts- und Zusatzstoffen der Schokolade und deren Wirkung. Im Gegenteil: So bitter und scheußlich, wie die Frucht im Urzustand geschmeckt haben mochte, so schien auch alles Weitere zu sein, was Edi und sein ehedem ach so süßes Imperium betraf: O ja, es war schlecht bestellt um die Sache Königs. Sehr schlecht bestellt sogar.

Die Slogans schossen hin und her. Man hätte es kaum für möglich gehalten, dass es just auf einem als durchaus friedlich geglaubten Gebiet, auf dem doch eigentlich die Glückshormone das Sagen hatten und die Endorphine, derart aggressiv, destruktiv und kriegerisch zugehen sollte … Doch plötzlich war von gesundheitlichen Bedenken (betreffend die Produktpalette des Gegners) die Rede, auch mit der Kalorienbombe wurde gedroht wie mit der Atombombe in Zeiten des Kalten Krieges. Der Erzfeind Diabetes stand wieder einmal im Raum mit all seinen furchterregenden Spätfolgen. Und allein, dass Königs Schokolade-Produkte derart kalorienreich seien, dass auch schon geringe Mengen (dank des exorbitanten Fettgehalts und eines Übermaßes an Zuckeranteilen) im weitesten Sinn als Krankmacher (keineswegs jedoch als Schlankmacher!) gelten könnten, traf den Nerv nicht nur des ohnedies bereits halbirren, mindestens jedoch weitgehend dementen Xocolatl-Patriarchen. Ja, schlechthin alles Böse, was man sich nur ausdenken hatte können, wurde da entsprechend herausgestrichen und hervorgehoben.

Außerdem schreckten die bösen Töchter Gonny und Franzi und ihre Sippschaft nicht einmal davor zurück, den gewissenlosen Boulevard-Medien zu erlauben, in fürchterlich einseitig abgefassten Home-Storys sogar Details aus Königs Krankengeschichte preiszugeben.

Und die sensationslüsternen Leser und Zuschauer delektierten sich daran wie früher an Königs exquisiten Schokoladen-Kreationen …

Kurz: Es war eine Schande.

Doch auch Edis Werbe- und Marketing-Abteilung rüstete, alles andere denn faul, enorm auf. Buchstäblich alles legte sich da ins Zeug. Und an der Spitze: Emil Brummsiegel, der Leiter der Entwicklungsabteilung bei König. Und was Brummsi, wie er intern gern genannt wurde, in die Hand nahm, formte sich praktisch von selbst zum werbewirksamen Knüller. Was Edi König auf dem Sektor Herstellung und (in Maßen) auch Einführung neuer Produkte und jahreszeitlicher wie regionaler Spezialitäten – etwa Königs Zucchinistreusel oder Rosinenpuffer & Königsklaviere (eine Art Studentenfutter, bunt, besonders in den Schwarz-Weiß-Akzenten der darin befindlichen Lebkuchen-Stangen an kleine Klaviaturen erinnernd) -, das war Brummsiegel im Erfinden von verbal erstaunlichen, meist irgendwie ausgefallenen und vor allem: lange im Gedächtnis der Klientel haftenden Slogans. Vom simplen Spruch Brauchst du viel oder wenig – lutsch König! bis hin zu durchaus schrägen Formulierungen, etwa: Heute schon gekönigt? Fand sich in seinem Repertoire so ziemlich alles. (Dabei war Emil Brummsiegel praktizierender Diabetiker.)

Doch die Produktion, ansonsten der wichtigste Bereich, Nervenzentrum und Mittelpunkt aller merkantilen wie geschmacksbestimmenden Regionen, kam durch den offenen Krieg der Schokolade- und Süßwarenkonzerne sukzessive ins Stocken.

Statt neue Pralinen-Spezialitäten – lockig-flockige Häubchen, flaumige Plätzchen und resche Kipferln, zarte wie auch intensivere Bonbons, scharfe Pastillen und süße Nichtigkeiten im Trüffel-, Pralinen- und Bohnenformat – zu kreieren, versuchte man möglichst gezielt, den Gegner in seiner Schoko-Ehre zu treffen. Sogar vor Untergriffen nationaler wie sozialer Art schreckte kaum jemand mehr zurück. So wurden etwa die Erzeugnisse Victor Frygimanns als geschmacks-neutrale Schweizer Leichtkost diffamiert. Und Felix Paunzingers beliebte knusprige Waffelkreationen versuchte man von Seiten Edi Königs her nunmehr gern als total lasche Geschmacklosigkeiten abzutun …

Die Konkurrenz wiederum war auch nicht faul. So setzten Frygimanns Werbestrategen das Gerücht in Umlauf, Königs gefüllte Schokolade brauche kein Ablauf-, sondern ein Auslaufdatum. Und sogar der ob seiner angeblich un-reschen Waffeln attackierte Paunzinger griff in die unterste Lade und zieh Eduard König, seine Rohschokolade nicht per Fair-Trade zu beziehen, wie er stets vorgegeben habe. Nein. Vielmehr handle es sich hier um in Kinderarbeit und unter den allermiesesten Bedingungen in den bitterarmen Erzeugerländern geernteten Kakao minderer Qualität, den König zudem mit Sägespänen aus (verbotenen!) Edelhölzern verlängere …

Das alles war wirr, irr und unschön.

So wie Edis Geist, der, in sich abgekapselt, für nichts mehr zu gebrauchen war. Königs IQ dürfte inzwischen den einer gewöhnlichen Wassermelone unterschritten haben.

Schade. Ja.

Wäre es nach den Werbe-Ausritten – übrigens: auf allen Seiten! – gegangen, die Schoko-Community wäre bald in die Abteilung der Chips, Salzkekse und Knabberstangen hinübergewechselt. Pikant galt mit einem Mal als viel schicker. Ja, ein geschmacklicher GAU stand der gesamten Lebensmittelbranche bevor, was das süße Geschäft betraf.

Und einer von Stil und Lebensgewohnheit außerdem.

Ek Chuah, hilf!

Apropos: Geht denn nicht endlich jemand mit dem Hund auf die Straße?!

Fünf

Geradeaus. Nur immer geradeaus. Nie umwenden. Nie nach hinten sehen. Nie. Immer geradeaus. Zukunftsorientiert.

Für Eduard König hatte das alles keine Bewandtnis mehr. Er lebte in seiner inneren geistigen Abgeschiedenheit. Er befand sich, sozusagen, in Klausur. Die hatte zwar nicht mehr viel mit Geistigkeit (und schon gar nicht mit Geistlichkeit!) zu tun; doch so wahnsinnig durchgeistigt war König ohnedies nie gewesen. Sonst, mit feinerem Sensorium ausgestattet, wären ihm die diversen Ungereimtheiten in seinem Leben, in seiner Laufbahn, auch in seiner familiären Architektur (mit Frau – wie hieß sie doch gleich? Egal – und mit dieser pummeligen Sybill, der Nebenfrau und Puppi-Mutter) immerhin aufgefallen, nicht wahr? Doch so hatte sich alles auf Herstellungsformeln mehr oder weniger exklusiver Schokoladen-Spezialitäten, auf Tortenrezepte, auf kleines und größeres Kuchen-Einmaleins, auch auf Striezelchen, Krapfen, Reinkerln, Buchteln und Schnitten, auf Pralinen und Trüffeln (…) reduziert. Dazwischen den Kindern über den Kopf streicheln und den Hund auf die Straße führen. Erst Dackel Engelbert, später Spaniel Axel, dann Boxer Theoderich, noch später dann die beiden Beagle-Damen Evy und Stripsy … dann …

Die Sache mit Sybill und Puppi, dem süßen Produkt der Sünde …

Die Operationen seiner Frau nach der furchtbaren Diagnose; und dann Mathildes finaler Abgang. (Oder hatte sie Grete geheißen? Genoveva?? Carmen???)

Schokolade ist kein Lückenbüßer, und Columbus keine Nachttischlampe – nicht einmal bei IKEA. Sein Volvo hatte eine stattliche Anzahl an PS. Und blaue Ledersitze. Oder grüne? Oder war der Volvo ein VW? Nein, Wein nach Bier, das lob‘ ich mir, aber Bier nach …

Er wusste so gut wie nichts mehr. Auch was der große Jean Anthelme Brillat-Savarin von der Schokolade Gescheitets gesagt und geschrieben hatte, war verschwunden. Wie überhaupt alles, was der beredte Gastrosoph so alles von gab, selber zehrend vom über-reichen Erfahrungsschatz des gewiegten Essers und Trinkers, der der Physiologe des Geschmacks ein Leben lang gewesen war …

Im Grund genommen war es gut, wie es war. Und der Schokoladegott war wenigstens gütig. Nicht nachtragend, nicht allgewaltig und allgewalttätig … Er sah nichts, weil er allübersehend angelegt war. Voller Glückshormone, aber nicht schlankmachend – wie auch und warum? Schlank wirst du doch ohnedies von selbst, wenn es so weit ist. Schlank und weit. Weit und breit. Und der xocolatl grinst sich sein abendliches Pensum, wobei er dann ein wenig an den nabelverliebten Buddha mit den fetten Ohrläppchen erinnert. Feistgesichtig hat er es leicht, den Grinseonkel zu spielen. Das ist übrigens weit weniger anstrengend, als wenn er etwa die Grinsekatze (Cheshire-Cat) des Herrn Lewis Carroll alias Charles Lutwidge Dodgson wäre aus den märchenhaft-wundersamen Abenteuern „Alice im Wunderland“ (Alice‘ Adventuers in Wonderland, 1865). Und er, König, bedurfte auch nicht mehr der Scherze des Büttels (Bellman), wenn es galt, ihm und der buntscheckigen Mannschaft auf der „Jagd nach dem Schlarg“ (The Hunting of the Snark, 1876) in Zeiten seelischen Tiefststandes und ebensolcher Kümmernis weiterzuhelfen. Kurz: Edi König benötigte auch den ganzen geistreichen, poetischen und stotternden Mathematiker aus Daresbury in Cheshire nicht mehr. (Und auch Michael Ende nicht.)

Er benötigt nämlich gar nichts mehr –

Die Zeit der Süßigkeit war vorüber. Doch auch das Bittere hatte sukzessive seine Bitterkeit verloren. Die Gehirnmasse Eduard Königs glich vermutlich neutraler Melasse, war zu gestocktem Sirup geronnen oder zu einer crème au beurre au Sirup, tendierte geschmacklich vielleicht ansatzweise noch zu einer crème brûlé; oder hatte womöglich längst schon Asphalt-Ähnlichkeit angenommen.

Er saß mitten drinnen in dieser weitestgehend amorphen Masse, und sein Ego hatte sich kontinuierlich zu einem ansehnlichen – zunächst reichlich graupeligen, später dann eher glatten – Zuckerguss karamellisiert. (Für alle diese Pseudo-Fachausdrücke und zuckrigen Termini technici kann selbstverständlich keinerlei Garantie übernommen werden, was etwaige gesundheitliche Folgeschäden nach übermäßigem Lesegenuss betrifft! B. S.)

Edi König war so gut wie fertig.

Und er fühlte sich dabei keineswegs schlecht, betrübt oder unrund. Er bedurfte folglich auch nicht des Rates, den der schon früher erwähnte Gastrosoph Brillat-Savarin für ihn (und uns alle) zur Verfügung hat: „Jeder Mann [] von Geist, der fühlt, dass er für einige Augenblicke dumm wird, jeder, der die Luft feucht, die Zeit lang und den Druck der Atmosphäre beschwerlich fühlt, jeder, den eine fixe Idee quält, die ihm die Freiheit des Denkens raubt, jeder, sage ich, der sich in solchen Umständen befindet, nehme einen Schoppen Chocolade mit sechzig bis siebzig Gran Ambra versetzt, und er wird Wunderdinge erleben.“

Sein Plansoll war über-erfüllt. Er hatte – so könnte man ein wenig schwülstig, zugegeben, sagen – la dolce vita bis zur bitteren Neige durchgekostet. Jetzt war er, wenn schon nicht in der Fontana die Trevi, so immerhin in seinem eigenen Kopf untergegangen. Was immerhin auch schon was war.

Denn längst nicht allen sind solche Erkenntnisse und das spätere Verblassen (bis zu gänzlicher Auslöschung) derselben in diesem Ausmaß gegeben.

Freilich weigern wir uns, nach allem, was wir wissen, Eduard König, diesen verhinderten zweiten King Lear, nun etwa als einen Glückspilz bezeichnen zu sollen.

Eine spezielle Praline, das war er, immerhin.

Geht endlich jemand mit dem Hund auf die Straße?! – Ja? Danke!

E N D E

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Ders (Hg.), Shakespeares Dramatische Werke. Bd. 6. Leipzig und Wien o. J.

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W. J. Craig, The Complete Works Of William Shakespeare. London 1987.

Michael Ende, Die Jagd nach dem Schlarg. Variationen zu Lewis Carrolls gleichnamigem Nonsensgedicht. Stuttgart und Wien 1988.

Auguste Escoffier, Kochkunstführer. Hand- und Nachschlagebuch der klassischen französischen Küche und der feinen internationalen Küche. 5. Aufl. (15. deutsche Aufl.). Haan-Gruiten 1993.

H. A. und E. Frenzel, Daten deutscher Dichtung. Chronologischer Abriss der deutschen Literaturgeschichte. 2 Bde. 22. Aufl. München 1985.

Jürgen Häusser (Hg.), Lewis Carroll: Das literarische Gesamtwerk. Köln 2003.

Internet.

Ernst Erwin Lange-Kowal/Eduard Weymuth (Hg.), Lamngenscheidts Taschenwörterbuch Französisch. Französisch-Deutsch, Deutsch-Französisch. 8. Neubearb. Berlin und München 1982.

Udo Pini, Das Gourmet-Handbuch. 4. Aufl. Königswinter 2004.

Heinrich Pleticha (Hg.), Weltgeschichte in 12 Bänden. Gütersloh 1996.

Gerhard Polt, Kinderdämmmerung. Drama um begabte Kinder. Zürich 1996.

Helmut Qualtinger, Für unser Landvolk. In: Alles Qualtinger. Ein ungewöhnliches Porträt. CD (Preiser Records) o. J.

Gero von Wilpert, Deutsches Dichterklexikon. Biographisch-bibliographisches Handwörterbuch zur deutschen Literaturgeschichte. 3. Aufl. Stuttgart 1988.

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Karl Zeiß (Hg.), Hebbels Werke. 4 Bde. Wien und Leipzig o. J.

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