Friedland

Eine Erzählung von
Bernd Schmidt

© by Bernd Schmidt, Graz 2016.

und Friedland sey die Losung

Für jede fluchenswerthe That.

Friedrich Schiller, Wallensteins Tod

*

Das Duell fand an einem

Mittwoch statt, was die

Sache für mich nicht

einfacher machte.

Michel Houellebecq, Unterwerfung

*

Intimbereich

Sogar der Teppich schien sich ehrfurchtsvoll jedem seiner Tritte entgegenzuwölben. Und die Tapeten im Chefbüro wurden, so sah es aus, mit jedem Schritt, den Friedland (vorwiegend negativ aufgeladen, energisch und bösartig) machte, um eine Spur dunkler. Selbst die Zimmerpflanzen ließen instinktiv ihre (eigentlich gar nicht mehr vorhandenen) Köpfe sinken; und das, obwohl sie aus Plastik waren …

Kurz: die Angst schlich einen halben Meter vor Friedland.

Ja, doch! Friedland war ein Arsch. Ein etwas übergewichtiger, schon leicht zum Vierschrötigen tendierender Arsch. Ein solcher in Designeranzügen freilich. Jedermanns Feind und Jederfrau potenzieller Auflauerer, Vergewaltiger und Schlächter, wenn es sein musste und sich gerade so ergab. Das war Friedland.

Man fürchtete Friedland.

Auch Frau Yvonne Friedland fürchtete ihren Ehemann. Und die Kinder, Germaine und Rudi, beide verzogen und weitestgehend frei an Talenten und Begabungen, im tiefsten leeren Inneren ebenso; Rudi noch mehr als Germaine, die wenigstens im Schminken Spitze war.

Auch Esther Pruhm, ehemals eine von Friedlands Sekretärinnen, nun freilich lange schon seine Geliebte, fürchtete die Ausbrüche des unberechenbaren Tyrannen. Auch ahnte sie, dass ihre Zeit im Auslaufen war. Auch wenn ihr das gar nicht in den Kram passen wollte.

Sogar die Haustiere, zwei schöne Perserkatzen, Re und Do gerufen, verschwanden lautlos, wenn sie des unangenehmen Pascha von weitem nur ansichtig wurden (oder sein Kommen auch bloß ahnten), in andere Räumlichkeiten der weitflurigen Villa, hier, draußen vor der Stadt. In diesem Haus, angeblich: einem architektonischen Prunkstück, das Friedland und seine Familie erst seit einem knappen halben Jahr bewohnten, herrschte der Boss genauso rigoros wie im Konzern.

Zuvor hatte die Friedlands zwei, drei Kilometer weiter, aber ebenfalls im Grünen, in einer etwas kleineren Jugendstil-Villa gelebt. Ja. Durchaus gemütlich – aber etwas beengt, wie sie fanden, zwischen all den sündteuren Antiquitäten, dem Bilder-Schnickschnack und dem Protz-Zeug, das Friedland ohnedies gewaltig auf den Sack ging. (Obschon – der Park war wiederum schöner gewesen als jetzt die Gartenanlage. Nun ja.)

Die Villa selbst glich freilich einer Befestigungsanlage. Ausgeklügelte Alarmsysteme. Kameras. Drei Mann Security im Schichtbetrieb.

Daher wunderte es den Unberechenbaren – gerade auf seine Unberechenbarkeit war Friedland stolz – auch ziemlich, als ihm da am späten Nachmittag plötzlich ein Unbekannter gegenüberstand. (Yvonne war vermutlich bei irgendeiner ihrer blöden Charity-Veranstaltungen und die Kinder bei einem der überflüssigen Tanz-, Sport- oder sonstigen Firlefanz-Kursen. Er, Friedland, war wegen höllischer Kopfschmerzen schon so früh au dem Konzern geflüchtet.) Und da stand ihm also plötzlich ein völlig unbekannter Mann gegenüber; zwischen Bad und WC, also quasi im unteren architektonischen Intimbereich des ausgefuchsten Bauwerks.

Friedland wollte schon die Sicherheitsleute alarmieren: Fred, Rolf und Frank, die sich vermutlich in den entsprechenden Räumlichkeiten in der oberen Etage aufhielten. Doch das ungezwungene Lächeln des Fremden hinderte ihn, warum auch immer, daran, die entsprechende App an seinem Smartphone zu berühren.

Ehrbar“, sagte Ehrbar und streckte Friedland mit sanfter Entschlossenheit die Rechte hin.

Friedland war überrascht. Er ignorierte die freundliche Geste indes und fragte vielmehr aufgebracht: „Wer sind Sie und wie kommen Sie überhaupt hier herein?!“

Ehrbar“, wiederholte Ehrbar, die Hand langsam zurückziehend. „Ich bin durch die Tür gekommen. Die Türglocke streikt offensichtlich …, wieder einmal.“

Und was wollen Sie?“ Friedland merkte, dass es ein Fehler war, sich mit dem Fremden in ein Gespräch einzulassen. Aber es war wohl schon zu spät für diese Einsicht.

Was ich will? Nun – mit Ihnen reden, Herr Friedland“, erwiderte der andere. „Aber wollen wir uns nicht lieber setzen?“, und er wies, ganz so, als wäre er der Hausherr und Gebieter über Teppiche, Möbel und Tapeten, Vasen und Steinway-Flügel, Hausbar und Flatscreen-Fernsehapparat et cetera, zur ausladend üppigen Sitzgruppe, die um einen niedrigen Couchtisch aus Glas gruppiert war. „Bitte!“

Friedland war perplex. Doch fasste er sich rasch und nahm tatsächlich auf einem der Fauteuils Platz. Ehrbar setzte sich auf die Sitzbank, ihm schräg gegenüber.

Also -“, Friedland war nervös. Mit der Instinkt-Sicherheit des Machtmenschen hatte er blitzschnell ausgelotet, in eine Szene geraten zu sein, deren Regie eindeutig nicht er in der Hand hatte. (Das war für ihn ungewohnt und in höchstem Maße unangenehm.) Außerdem steigerte die unangenehme Begegnung mit diesem Ehrbar noch seine Kopfschmerzen. In seinem unschönen dicken Schädel pochte und dröhnte es. Eisenhämmer. Wie Eisenhämmer.

Ich möchte Ihnen helfen“, sagte der sanfte Ehrbar.

Mir helfen? Erstens muss man mir nicht helfen, Herr -“

Ehrbar“, sagte Ehrbar.

Und zweitens: In welchen Belangen glauben Sie überhaupt, mir helfen zu sollen?!“

Sie sind doch kein so schlechter Kerl, Herr Friedland! Ja – ein Gauner wie viele andere. Raffgierig, herrschsüchtig. Aber … Warum müssen Sie dauernd den bösen Wolf spielen und den Unmenschen heraushängen lassen?!“ Ehrbar schaute aus seinen sanften braunen Augen forschend (doch dezent) in die nunmehr bereits halbwegs unbeherrschte Visage Friedlands, in der es mächtig zuckte und mimisch rumorte. Der Boss schien längst, auf dem Sprung zu sein wie ein gereizter Leopard; und er lauerte vermutlich bloß darauf, sich auf den Eindringling zu stürzen. (Wenn nicht die verdammten Kopfschmerzen gewesen wären!)

Ich werde Sie -“, stieß Friedland zwischen den Jackett-Kronen hervor. Dann riss er seinen reichlich untersetzten Körper vom Sitz hoch. Das Handy mit dem Alarmknopf im Anschlag, wies jetzt er den Fremden an, sitzen zu bleiben.

Nichts werden Sie, lieber Herr Friedland. Außer – mir zuhören.“ Ehrbars Stimme klang ruhig. Gesetzt. Bestimmt. Doch weiterhin sanft.

Wollen Sie vielleicht etwas trinken?“

Knautschzone

Erstens wollte Friedland nichts hören, schon gar nicht das, was andere ihm sagten. Und zweitens: Was sollte das? Er machte sich da sukzessive zum Idioten. Ja, verdammt! Er hätte sofort, als er des Fremden ansichtig geworden –

Also drückte er endlich die Alarm-App.

Sie werden nicht kommen, Herr Friedland. Sie können gar nicht kommen. Fred, Rolf und Frank sind nämlich, sozusagen, anderweitig unterwegs und – unabkömmlich. Ja. Unabkömmlich. Und überhaupt: Für Sie sind die Burschen nicht mehr einsatzbereit. Also, setzten Sie sich besser wieder hin. – Whisky, Rum, Wodka, Tequilla …?“ Ehrbar kam auf sein Angebot von vorhin, Trinkbares betreffend, zurück und lächelte noch um eine Spur verbindlicher.

Doch dann, ohne eine Antwort abzuwarten, stand er auf, öffnete zielsicher die Bar in einem der in mattem Beige gehaltenen niedrigen Schränke und holte eine Flasche Lagavulin sowie zwei Gläser heraus. Es war, laut Etikette, ein sechzehnjähriger Malt und, wie er wusste, Friedlands Lieblingsgetränk. (Auch seines, übrigens.)

Er schenkte ihnen beiden ein – nicht allzu sparsam.

So“, sagte Ehrbar, sich wieder setzend, während er die Gläser vor den beiden Männern auf die Glasplatte platzierte und die Flasche in Reichweite daneben hinstellte. Dann sagte er beiläufig: „Sie wollen jetzt, höre ich, auch noch Elfenfroh & Rasmussen schlucken? Und Gauermolch, Seebacher sowie Gerstenholm haben Sie so gut wie in der Tasche? Wann wird denn endlich Schluss sein mit dem blöden Geraffe?!“

Aha, daher weht er also, der Wind, schoss es Friedland durch den Kopf. Dieser Ehrbar war vermutlich ein Abgesandter seiner ehemaligen Konkurrenten, die jetzt knapp vor dem Aus standen und von ihm, Friedland, endgültig abserviert werden sollten. Kamen wohl auf diese Weise angekrochen, um die Bedingungen ihrer Kapitulation oder: ihres Todes rasch noch ein wenig zu verbessern … Nichts da! Idioten!

Ehrbar, als hätte er des anderen Gedankengänge registriert: „Nein, nein. Ich komme weder im Auftrag von Gauermolch, Seebacher oder Gerstenholm, und auch nicht als Verhandler für Elfenfroh & Rasmussen! Auch nicht als Emissär der EltronMix, die Sie vor ein paar Monaten geschluckt haben mit Ihrer famosen FloRan-Gruppe (auch wenn ich in diesen Fall immerhin am Rande involviert bin …). Aber: Keine Angst, das interessiert mich alles nicht so sehr. Mir läge zwar, zugegeben, prinzipiell daran, dass sie Ihre menschenverachtende Expansionspolitik bald einmal beenden wollten. Doch ist das längst nicht mein Hauptanliegen. Nein, ich bin weitgehend im eigenen Auftrag hier. Und nicht, um die Welt auf irgend eine mehr oder weniger effektvolle Art zu retten. Zum Beispiel, indem ich sie von Ihnen befreite.“

Sagen Sie schon, was Sie wollen – und dann verschwinden Sie, bevor -“ Friedland ließ das Ende des Satzes offen. (Vermutlich wusste er selbst nicht, was er Bedrohliches hinzufügen sollte. Zugegeben: Der Fremde da hemmte ihn gewaltig in seinen Aktivitäten. Und die Kopfschmerzen waren inzwischen fast unerträglich. Da half nun leider auch der Alkohol nicht, den er in sich hineingoss.)

Drehen wir die Zeit ein paar Monate zurück“, erwiderte Ehrbar mit gewohnt ruhiger Stimme und, wie es schien, ohne besondere Emotion. „Sie müssen wissen, dass Elvira – ja, meine Frau Elvira – vor unserer Heirat recht erfolgreich gemakelt hat. Immobilien, das lag ihr … Und auch kurz schon nach der Geburt Armins, unseres gemeinsamen Sohnes, vor über fünfzehn Jahren also, ist sie wieder ins Geschäft zurückgekehrt. In die ImmoEx, die Agentur ihres Onkels Philipp. Recht erfolgreich, wie gesagt. Ja, man könnte sagen, dass sie nicht selten mehr zu unserem gemeinsamen Monatseinkommen beigetragen hat als ich mit meinem auch nicht grade schmalen Managergehalt – damals noch bei der EltronMix, falls es Sie interessiert. Die kennen Sie ja auch ganz gut; immerhin haben Sie den Betrieb vor einiger Zeit übernommen – und zerschlagen. – Ich? Habe inzwischen bei der Konkurrenz angeheuert. Danke der Nachfrage. Nur unsere Villa mussten wir kurzfristig abstoßen. Engpass … Ja. Leider.

Dann dieser heiße Juli-Nachmittag …

Das Verkaufsgespräch

Es war, wie gesagt, saumäßig heiß. Alles schwitzte vor sich hin wie blöd. Die Blumen verwelkten im Stehen, der Asphalt dampfte und die Menschen schütteten Unmengen von Flüssigkeit in sich hinein oder glichen matten, halbkaputten Fliegen auf bekleckerten Fliesen …“

Ehrbar wirkt nun wie ein Erzähler aus dem Off, während eine Filmhandlung abläuft.

Ein Auto hält gute hundert Meter von hier, an der Straße. Eine hübsche blonde Frau, Mitte vierzig, steigt aus dem Cabrio. Ein schüchtern wirkender, etwa fünfzehn- oder sechzehnjähriger junger Mann auf dem Nebensitz nickt zu dem, was sie ihm sagt. Vermutlich instruiert sie ihn freundlich, mütterlich: ,Du bleibst bitte im Wagen sitzen, bis ich wieder komme! Klar, Armin?!‘ Dann stöckelt sie in ihrem dezent ausgeschnittenen, eleganten Sommerkleid in Richtung Haus. Da erwarten Sie sie schon, Herr Friedland.

Sie reichen Ihr die Hand und reden – vermutlich dummes Zeug. Wollen Sie wohl anbaggern oder anbraten. Elvira lächelt nur. Dezent, alles dezent. Sie gehen mit ihr ins Haus, nachdem sie aufgeschlossen hat. (Sie ist ja immerhin die Maklerin.)

Eine Zeit vergeht. Da erscheint Armin im Garten. Ist er ihr also doch gefolgt, obwohl sie es verboten hatte? Ja. Jetzt steht er unschlüssig in der Nähe des Portals. Da wird von innen die Eingangstür heftig aufgestoßen! Sie erscheinen mit meiner Frau Elvira. Sie haben ihr das Kleid eingerissen, sie vermutlich am Hals gewürgt und – wahrscheinlich ist die Vergewaltigung schon oben, im ersten Stock, geschehen, wo sich die Schlafzimmer befinden.

Armin hat sich, geschockt, doch immerhin klug genug, hinter einem der Büsche versteckt.

Elvira schreit! Sie hat Angst, fürchtet um ihr Leben!

Sie würgen sie und zwingen sie zu Boden. Sie kann sich jedoch noch einmal hochrappeln.

Sie fassen sie erneut und schleudern sie über einen Geröllhaufen neben dem Pool, der gerade, in wenigen Tagen, fertiggestellt werden soll.

Elvira ist verstummt. Sie bewegt sich nicht.

Jetzt kriegen Sie die Panik. Sie sehen immerhin nach, ob sie -. Doch sie ist tot.

Dann – o Sie sind immerhin geistesgegenwärtig – sehen sie im Schuppen nach und kommen sogleich mit einer Schaufel zurück. Sie zerren meine tote Frau schräg neben die Villa. Jetzt graben Sie, wo der Gärtner gerade vor zwei, drei Tagen einen relativ großen Gemüsegarten angelegt hat und die Erde noch aufgeworfen ist, eilig ein Loch. Sie werfen Elvira hinein und verbuddeln sie. Ziemlich gekonnt, muss ich sagen, das alles.

Dann gehen sie raschen Schritts davon, drehen sich nochmals kurz um und steigen sodann in Ihr Auto, das unweit von Elviras Wagen abgestellt ist. Sie starten und sind auch schon dahin.

Den Kaufvertrag unterschreiben Sie (nach einigem Hin und Her sowie ein paar Telefonate später) wenige Tage, nachdem ich meine Frau als abgängig gemeldet habe, direkt bei der Makleragentur. Der Agentur, bei der Elvira Partnerin des alten Onkels Philipp gewesen ist.“

Und Armin?“, fragte Friedland, immerhin kreidebleich geworden.

Mein Sohn hat tatsächlich alles gesehen“, erwidert Ehrbar, die Rolle des Film-Erzählers wieder ablegend. „Doch Armin hat darüber, was er gesehen – und darüber, was er geahnt – hat, die Sprache verloren. Er ist verstummt. Sitz in der Anstalt und starrt vor sich hin. Kein Laut dringt aus ihm heraus. Nichts, was auch nur ansatzweise seinen in ihm tief drinnen wühlenden Schmerz vielleicht ein wenig verringern könnte. Er ist verstummt. Friedland, mein Sohn ist gleichsam – tot. Nicht so tot wie seine im Garten verscharrte Mutter. Ein. Doch ebenfalls tot, auf seine Weise tot. Stumm.“

Ja, und was jetzt?

Ja, und was jetzt?“, fragt Friedland, nachdem er sich erneut nachgeschenkt und hastig getrunken hat. „Hören Sie, Ehrbar, es war ein Unfall! Ein dummer, gemeiner Zufall! Die Steinbrocken, die Unebenheiten … Ich wollte Ihre Frau nicht töten!“

Und die Vergewaltigung?

Sie wollen mir eine Vergewaltigung anhängen?! Mir?! Beim Einbuddeln der Leiche, gut, da war Ihr Sohn vielleicht Zeuge, aber bei – – – Moment! Wer hat denn eigentlich Ihren Sohn beobachtet? Da gab es einen Augenzeugen, oder?! Wer war das?! Am Ende – Sie, Ehrbach?! Ja! Sie waren die ganze Zeit in der Nähe! Sie waren dieser Augenzeuge!“ Friedland war endlich ein Licht aufgegangen.

Ja“, bestätigte Ehrbar. „Ich bin meiner Frau gefolgt. Und wollen Sie wissen, warum ich ihr gefolgt bin? (Ich schäme mich aufrichtig, es sagen zu müssen:) Weil ich eifersüchtig war! Eifersüchtig auf meine Frau, die in Wahrheit die Treue in Person war!“

Immerhin haben Sie sie vorgeschickt, den Hausverkauf zu regeln – für Sie zu regeln, Ehrbar! Denn das da war doch ursprünglich Ihre Villa?! Hab‘ ich Recht?

Ehrbar nickte ein wenig gequält. „Ja.“

Warum haben Sie denn das Anwesen nicht selbst verkauft?! Warum sollte das ausgerechnet Ihre Frau für Sie tun?! Weil sie -“

Sie war vom Fach! Mein Gott, sie konnte eben besser verhandeln! Sie war da -“, erwiderte fast atemlos der Eindringling, der nun in der Tat weiter an Terrain verloren hatte – und das auch merkte.

Sie waren eifersüchtig. Zurecht, Ehrbar, völlig zurecht!“ In den kleinen Augen Friedlands glomm es hinterlistig: „Elvira …, Ihre Frau, hatte es nämlich faustdick hinter den Ohren …“

Zugegeben, der Schlag war hart, den Ehrbach daraufhin im Gesicht des anderen landen ließ, doch Friedland hielt seltsamerweise weiterhin dem Blick des eifersüchtigen Witwers stand. Noch. (Auch seine Kopfschmerzen hatten erstaunlicherweise etwa nachgelassen.)

Ich werde Sie wahrscheinlich töten, Friedland“, sagte Ehrbar nach einer kleinen Pause. „Und vielleicht auch mich, danach. Elvira ist tot. Armin ist so gut wie tot. Mein stummer, mein verstummter Sohn. Und Sie töte ich, weil Sie mich ständig daran erinnern, dass auch ich gleichsam Augenzeuge Ihrer feigen Vergewaltigung war (obwohl ich mich unten, vor dem Haus und nicht oben, in einem der Schlafzimmer befunden habe). Augenzeuge war ich auf alle Fälle, als Sie meine Frau daraufhin ermordet und eingebuddelt haben.“

Jetzt blühte Friedland erst zum Scheusal der besonderen Art auf: „Es war nicht so, wie Sie vielleicht glauben, Ehrbar! Ihre Frau, Elvira, sie hat sich mir ganz gern hingegeben – anfangs. Aber dann, wie die Weiber eben so sind -“

Das klang fast ein wenig kumpelhaft. Zu kumpelhaft für Ehrbars Geschmack. Und wieder schlug er zu. Und noch einmal. Noch einmal. Und nochmals.

Friedlands Gesicht sah nunmehr einem menschlichen Fleischhaufen ähnlicher als der Visage eines gefürchteten Konzern-Bosses, der ständig auf der Lauer ist, wieder einen Konkurrenten aufzukaufen, auszubooten oder schlicht zu ruinieren. Umzubringen.

Insgesamt wirkte Friedland, wie er da auf der längst schon blutverschmierten, beige-ledernen Sitzbank mehr kauerte als saß, nunmehr wie ein unschöner Batzen aus Blut, Rotz und Wasser in einem entsprechend versauten Designeranzug.

Aber – er triumphierte aus seinem hämisch blickenden Augen heraus.

Ostentativ legte Ehrbach sein Smartphone auf die Tischplatte, bevor er – wieder durchaus genussvoll – einen weiteren Malt trank. Indem er auf das Gerät wies, sagte er: „Ich habe unser ganzes interessantes Gespräch aufgezeichnet. Für alle Fälle. Für die Polizei oder für Gericht. (Egal ob das später als Beweismittel gilt oder nicht.)“

Von draußen hörte man ein Auto, das vermutlich an der Straße gehalten hatte. Türen wurden geschlagen.

Machen Sie schnell“, jammerte (immerhin sogar mit ein wenig Rest-Würde in der Stimme) Friedland. „Machen Sie – oder lassen Sie es, Ehrbar!“

Von draußen wurden jetzt gedämpfte Stimmen hörbar.

Es ist so weit“, Ehrbar richtete sich auf. Jetzt erst zog er den Revolver aus dem Holster.

Dann –

E N D E

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