Fanny

Eigentlich eine

harmlose Geschichte

von

Bernd Schmidt

© Copyright by Bernd Schmidt, Graz 2011

(ENDFASSUNG: 2015.)

Aber wie ganz anders war die Wiener Wirklichkeit

dieser beginnenden Biedermeierzeit: alle Regungen

des leidenschaftlichen Volkes, das sich durch poli-

tische Bevormundung, ja Entmündigung durch den

übermächtigen Metternich und sein Polizeisystem

zu einer passiven Ruhe verdammt fühlte, wurden

durch Spione und bezahlte Spitzel überwacht.

Emil Pirchan, Fanny Elßler

*

Aber am meisten glichen sich ihre langen und

schmalen Hände, – dergestalt, dass die seinen keine

männlichere Form, nur eine rötlichere Färbung

aufwiesen als die ihren. Und sie hielten einander

beständig daran, worin sie nicht störte, dass ihrer

beider Hände zum Feuchtwerden neigten …

Thomas Mann,Wälsungenblut

*

Obwohl

der Tag ein ausgesprochen schöner, die Temperatur für den späten Mai durchaus angenehm und die Luft lau war, wie man so sagt, verdüsterten sich Sylvesters Gedanken zwischendurch immer wieder. So vermochte er sich der Stunden, die er hier, bei dieser Heurigenpartie, mit Fanny verbringen durfte, nicht so recht schattenlos zu erfreuen. Einerseits schienen ihm die Blicke der anderen Herren denn doch zu offensichtlich auf Franziska fokussiert zu sein (was sogar den anderen Damen allmählich ein Ärgernis zu werden begann); zum anderen konnte er sich in der Tat nicht ausschließlich seiner geliebten Schwester widmen, was ihm naturgemäß wesentlich angenehmer gewesen wäre, als hier Konversation machen zu müssen mit Hinz und Kunz. Ach, dieser Abschaum …! Ja, doch: Der ganze Aufmarsch dieser Idioten hier war einfach schrecklich! Eine frühsommerliche Heurigen-Partie! Und noch dazu – mit diesen geistigen Untergestalten! Ging es überhaupt noch tiefer?

Schon auf der Herfahrt in den drei von Onkel Ferry zu diesem Zweck organisierten Kleinbussen hatte es geringfügige Reibereien gegeben. Besonders Arnold, dieser Schnösel aus der Abteilungsleiteretage bei Krasser & Holbein, war ihm (wie üblich) auf die Nerven gegangen. Der aus Graz zugezogene Großneffe eines der Geschäftsinhaber hatte wieder einmal allzu begehrliche Augen auf Franziska geworfen und haftete, bildlich gesprochen, wie ein Gecko an ihrem Dekolleté. Soll er sich doch mit seiner Trutsch’n, dieser Gabriele, beschäftigen; die machte ohnehin schon ein böses Gesicht ob seiner optischen Attacken in Richtung Fanny!

Sylvester trank hastig sein Glas aus und schenkte seiner Schwester und sich vom leicht säuerlichen, doch süffigen Weißwein nach.

Fannys Nase zeigte diesen bestimmten krausen Zug an ihrer Wurzel. Ein Zeichen, dass sie seine gereizte Stimmung registrierte, auch ohne dass er extra was sagen musste. Ja, sie waren auf einander eingespielt. Fanny und Sylvester.

Es war ein so schöner Maientag, dass sogar die weniger gut Aussehenden gut aussahen. Die Mary, zum Beispiel, auch so eine Blüte, schmiegte sich eng an ihren gleich braungebrannten wie grenzdebilen Robert, diesen pomadisierten Muskelprotz und Dauergast im Fitnessstudio. Und Mary hatte mit einem Mal diesen ordinären Zug nicht mehr um den breiten, volllippigen Mund, der sie ansonsten nicht gerade als Schönheit erscheinen ließ, nein, der ihrem Auftreten schon eher etwas von dem einer veritablen Gürtelhur’ verpasste. Auch der leichte Schleier um die hellblauen Augen der jungen Frau hätte gut und gern als Zeichen der Verliebtheit betreffend ihren dumpfdummen gegelten Galan durchgehen können. Heute, hier beim Heurigen, ein wenig außerhalb von Grinzing, wo alles noch nach Vorstadt roch, heute passte alles irgendwie. Da wurden die Konturen milder, die Farben gedämpfter. Sogar der wüst in Pink gehaltene ärmellose Sommer-Pullover dieser fürchterlichen Gitti, farbgleich zum Hemd ihres Prolo-Anhängsels Paolo, versuchte, sich ebenso irgendwie in was textil Dezenteres zu verwandeln.

„Prost, liebster Sylvester!“ Fanny hob ihr Glas.

„Prost, auf dich, liebste Fanny!“, erwiderte, seines ebenfalls erhebend, der Bruder.

Ein kühler Lufthauch strich mit einem Mal über den Tisch. Es fröstelte das Paar auf ganz eigentümliche Weise.

Von der anderen Seite der rustikalen Tafel wehte olfaktorisch ein Schwall billigen Parfums, akustisch der ordinäre Lacher der Elfi Neubauer herüber, die mit dem alten Amtsrat Tranburger schäkerte, diesem triefäugigen Lustmolch. Der Schnösel Arnold, kurz zuvor noch als Sehräuber an Fannys Ausschnitt haftend, müsste mit der Zunge dann bald am Grund seiner Gabi angelangt sein, wenn er so weiter machte, dachte Sylvester anlässlich eines Seitenblicks in diese unsympathische Tischgegend. Und die Zwirsch-Zwillinge, Elli und Poldi, diese Rättinnen, kicherten und waren schon mehr unter als auf dem Tisch, jedenfalls ziemlich vertieft in den jungen Dr. Traungauer beziehungsweise in seinen blassen Kollegen Mag. Zwirnz-Illich.

Schräg gegenüber von Fanny und Sylvester hielt Onkel Ferry sozusagen Hof. Der Siebziger mit der bläulich-weiß ondulierten Künstlermähne – obschon die dem erstaunlich glückhaften Spekulanten und dubiosen Tätiger undurchschaubarer Geschäfte eigentlich gar nicht zustand – quatsche nach rechts, flirtete nach links und tendelte auch noch mit der Kellnerin. Ein Finanzmanipulant erster Güte, und der war Ferry stets in seinem (auch ansonsten recht ereignisreichen) Leben gewesen, bewies er auch heute wieder weit mehr Form als Format. Der Effekt gab ihm indes recht. Und nicht schon der Volksmund sagt: „Wer rastet, der rostet!“

An einem separaten Tischchen hockten die drei Kleinbuschauffeure eher missmutig vor ihren Almdudler-Flaschen, bestrebt, zwischendurch, in sozusagen unbeobachteten Augenblicken, mittels Flachmann die faden Säfte etwas aufzumotzen. Ansonsten stocherten sie mehr lustlos als animiert auf den Tellern mit der – an sich recht schmackhaften – Heurigenkost mit Schinken, Wurst, Käse und harten Eiern, Leberaufstrich, Liptauer und sauren Gurken sowie verschiedenkornigem Brot herum und stießen sich gegenseitig an, wenn ihnen etwas an den Tischen besonders blödsinnig vorkam. Ach ja, die Reichen und Schönen konnten schon ganz schön kindisch sein … Aber ein paar von den jüngeren Weibern wirkten richtig geil …! Donnerwetter! Wenn man da landen könnte …!

Seltsame Gesellschaft, durchfuhr es Sylvester. Vampire. Untote. Heurigen-Zombies.

Er küsste Fanny, einer plötzlichen Eingebung folgend, auf die schöngeformte nackte Schulter.

Sie dankte ihm mit einem süßen Lächeln, das sein Herz allerdings und seltsamer Weise nicht erwärmte, sondern gleichsam wie zu Eis erstarren ließ.

Dann, sogleich darauf, klopfte es freilich umso stürmischer in der Brust des Fünfunddreißigjährigen.

„Fanny, möchtest du ein bisserl spazieren gehen?“, fragte Sylvester fast schüchtern.

Die um sieben Jahre jüngere Schwester errötete sanft, nickte und erhob sich mädchenhaft.

Sie schlenderten über den Platz, vorbei an den vorgeblich groben Bänken und Tischen des Heurigen-Garten-Imitats. Und sie wussten, dass die Blicke fast aller ihnen folgten, die des Sehens noch mächtig waren. Und auch die spöttischen Anmerkungen und eindeutigen Fußnoten, die nun unweigerlich folgen würden, waren ihnen bewusst.

Sie hätten die Szene an den Tischen dramaturgisch zum Tableau gestalten können … Zu einem der Indiskretionen und Gemeinheiten.

Nix

für ungut, aber wenn ich so was möcht’, bring’ ich eine Neuauflage von Schnitzler-Novellen oder, zur Not, ein paar Pointillismen vom Altenberg heraus!“ Max Grünmann stieß ziemlich heftig eine Zigarrenwolke nach der anderen in die Luft und tippte mit dem langen, gegen die Spitze zu gelblichen Zeigefinger der Rechten auf die Mappe mit Manuskripten, genauer: Computer-Ausdrucken, die er vor sich auf dem Schreibtisch liegen hatte und misstrauisch, von der Seite her, ansah. „Sylvester, seit ,Der späte Eisenbahnmord’ haben Sie im Grund keinen ordentlichen Roman mehr geschrieben. Und das ist jetzt, wie wir beide wissen, über zwei Jahre her! Gut, die paar kürzeren, recht witzigen Sachen, die Sie mir unlängst vorgelegt haben, die könnt’ man zur Not in einer Sammlung zusammenfassen, aber so wirklich glücklich macht mich das alles nicht … Und jetzt, die neuesten Arbeiten? Wieder bestenfalls Novellistisches …“

„Herr Grünmann, mir ist zur Zeit nicht nach Kriminalroman“, erwiderte Sylvester schon leicht genervt. Die dauernden Ermahnungen, Korrekturen und Belehrungen durch diesen verlegerischen Banausen zermürbten ihn mit der Zeit. (Außerdem hielt ihn Grünmann in puncto Vorschuss und überhaupt auch, was Tantiemen und Prozente betraf, ziemlich kurz. Er hätte diesen editorischen Eunuchen durchaus auch einen Gauner nennen wollen …, aber: Wo tat sich zur Zeit eine Alternative zu Max Grünmann auf?)

„Ich könnte indes einen Roman über den Mord an einem Verleger schreiben … Dazu hätte ich Lust!“, sagte er, zugegeben: ein wenig provokant.

„Lust – am Roman oder am Mord?!“, replizierte Grünmann und lächelte süffisant, dabei fürwitzige Rauchwolken ausstoßend. „Also, setzen Sie sich auf Ihren werten Autorenpopo und liefern Sie was saftig Triviales, wenn ich bitten darf! Und – bald, Sylvester, bald!“

Auch ohne Grünmanns beiläufige Handbewegung hätte Sylvester das Gespräch für beendet betrachten dürfen. Er erhob sich denn auch.

„Was saftig Triviales …“, wandte sich der Schriftsteller zur Tür. Doch nochmals, sich umdrehend, hielt er inne: „Ach – ja … Vielleicht wäre das etwas für Sie? Der Plot ist mir unlängst eingefallen …“

„Schießen Sie los, Sylvester!“ Und Grünmann wies erneut, wie am Beginn ihres Gesprächs schon, auf den Sessel vis `a vis dem Chefstuhl; jetzt schien er sogar wirklich interessiert. Sie saßen einander wieder gegenüber, getrennt durch den breiten Schreibtisch aus dunklem Holz mit dem marmornen Aschenbecher im Zentrum und der irgendwie lächerlichen Tiffany-Lampe (lächerlich, weil hier völlig deplatziert).

„Also“, begann der Autor, „ich – in diesem Krimi ist der Held der Ich-Erzähler -, ich sitze in einem einschlägigen Kaffeehaus und horche Leute aus.“

„Guter Anfang. Bravo! Milieu ist immer wichtig!“, unterbrach der Verleger eilig und um (aus welchen Gründen auch immer) seine literarische Bewandertheit und Kompetenz unter Beweis zu stellen. „Weiter, Sylvester! Zigarre?“

Der Autor verneinte durch Kopfschütteln.

„Ich sitze also da, und erfahre von einem alten, ziemlich betrunkenen Blinden, der seltsamer Weise gut gekleidet ist und irgendwie fast vornehm wirkt unter all den armseligen Pennern und abgewrackten Säuferinnen, so allerlei Interessantes. Zuletzt überreicht mir der versoffene Typ eine alte vergammelte Visitenkarte und lädt mich sogar zu sich nach Hause ein, um mir das eine oder andere Stück aus seiner Sammlung zu zeigen. Es handle sich um Kuriositäten, versichert er, die ich mir doch am besten selber anschauen möge. Also, er lädt mich ein – allerdings unter der Bedingung, allein zu ihm zu kommen.“

„Interessant! Was sammelt der Blinde? Kunstgegenstände, die er nicht sieht?!“ Grünmann kicherte leicht blöde vor sich hin.

„Was weiß ich … Briefmarken oder Münzen … Irgendetwas aus der Zeit, als Rado noch nicht blind war. Er ist ja noch nicht so lange blind.“

Rado?“, fragte Grünmann dazwischen. „Warum ausgerechnet Rado?!“

„Weil mir eben Rado als Name eingefallen ist. Der Alte kommt aus Serbien oder Bosnien oder sonst irgendwo aus dem Balkan … (Ironisch:) Das bringt Kolorit!“, antwortete Sylvester. „Also, der Ich-Erzähler beschließt, die Einladung anzunehmen und erzählt einem Kumpel davon. Und der will mitkommen. ,Der Blinde wird doch wohl nicht merken, dass da noch wer dabei ist’, sagt er …“

Sylvester machte eine kleine Pause. Kunstpause.

Grünmann ließ keinerlei Reaktion erkennen.

Also setzte der Schriftsteller mit seiner kurz unterbrochenen Erzählung wieder ein: „Der Ich-Erzähler und sein Kollege Rudi –“

Der von Sylvester erwartete Einwand Grünmanns gegen den Namen Rudi blieb seltsamerweise aus. Also fuhr er fort: „- kommen ins angegebene Haus und stehen vor Rados Tür. Sie läuten, und der Alte öffnet. Drinnen jedoch sagt er mir/dem Ich-Erzähler auf den Kopf zu, dass ich/er noch jemanden mitgebracht hätte! Daher werde er, also Rado, mit seinen Stücken auch nicht herausrücken, die er eigentlich herzeigen habe wollen. Dann erschießt der Blinde, der allem Anschein gar nicht blind gewesen ist, Rudi und mich.“

Ein „Hm“ war das Einzige, was sich der Verleger abzuquälen imstand war. Dann schüttelte er missbilligend und enttäuscht den Kopf. „Sie werden – besser gesagt: der Ich-Erzähler in Ihrer Geschichte wird – erschossen. Und danach erzählt er die ganze Sache?! Als Toter?! Wie wollen Sie mir und den Lesern das bitte klar machen, Sylvester?!“

„Daran muss ich noch arbeiten“, gab Sylvester etwas kleinlaut zu.

„Nein“, entschied Grünmann, „das ist Unsinn! Nein, wirklich! Bringen Sie mir was anderes, am besten – was Neues! Was Originelles! Und dalli, wenn’s geht!“

Sylvester wartete die Bewegung mit der Hand erst gar nicht ab. Er erhob sich. Nunmehr endgültig.

Nun ja, immerhin, ein weißes Kuvert mit dem Scheck auf einen Minivorschuss hatte er in der linken Brusttasche. Immerhin. Auch wenn es mit der Kriminal-Farce „Das Rasen des Blinden“ fürs Erste wohl eher nichts werden würde. Obwohl –

Nie

hatte er vorgehabt, aus der sexuellen Beziehung zu seiner Schwester Literatur zu machen.

Dazu liebte er Fanny (über das Körperliche hinaus) viel zu sehr. Und Sylvester wusste zudem, wie arg sie eine diesbezügliche Indiskretion, einen Treubruch, wie sie es nennen würde, empfände. Außerdem: Geschwisterliebe – auch schon was! (Die sogenannte Gesellschaft, die sogenannte Szene, wusste vermutlich ohnedies schon längst, was da zwischen ihnen lief. Und: Lebten wir vielleicht noch im Vormärz?! – Nein, am Beginn des 21. Jahrhunderts, bitte sehr!)

Und doch – zwei Dinge veranlassten ihn, das Projekt dieser sexuellen Enthüllung ernstlich in Erwägung zu ziehen. So sehr er, das war ihm völlig bewusst, Fanny damit kränken würde. Beleidigen. Bloßstellen. Ja, ihr geschwisterliches Verhältnis womöglich dadurch zerstören würde. Ihre Liebe desavouieren.

Das eine war die ihm angeborene Lust an der Provokation, so lange man mit diesem Sujet wenigstens noch ein paar empörungsbereite Leser hinter dem Ofen hervorkitzeln konnte. Der zweite Grund waren die galoppierende finanzielle Schwindsucht, der er sich ausgesetzt sah, und die standhafte Weigerung Grünmanns, doch noch die Geschichte vom rasenden Blinden Rado beziehungsweise Novellistisches aus Sylvesters Feder in Druck zu geben.

Also schrieb er in erstaunlich kurzer Zeit den (für die meisten ohnedies leicht entschlüsselbaren) Schlüsselroman „Liebeslodernd im Geschwisterbett“. Das Elaborat pendelte inhaltlich wie stilistisch irgendwo zwischen Felix Saltens (?) „Josephine Mutzenbacher“, Donatien Alphonse Francois Marquis de Sades „Justine“ und 08/15-Pornographie, war dem entsprechend vom Start weg ein Verkaufshit und machte Furore, wie es vordem noch keinem von Sylvesters Büchern beschieden gewesen war …

Die Liebe zwischen Sylvester und Fanny erkaltete jedoch.

Allerdings –

Letztlich freilich war es nicht der Treubruch, basierend auf der Veröffentlichung ihrer brisanten innerfamiliären Liebesbeziehung, der Fanny ihrem Bruder Sylvester entfremdete. Auslöser der Beendigung dieser gleich bittersüßen wie inzestuösen Affäre war vielmehr das posthume Eingeständnis Onkel Ferrys – der Filou war knapp nach Erscheinen von „Liebeslodernd im Geschwisterbett“ an einem Gehirnschlag gestorben –, in Wahrheit der Vater Fannys zu sein. Das ging jedenfalls aus dem Testament des Schwerenöters und halbseidenen Geschäftsmanns eindeutig hervor. Der schmierige Lebemann hatte nämlich dereinst ein über zehn Jahre dauerndes Verhältnis mit Fannys und Sylvesters Mutter Friederike Kunigunde unterhalten; übrigens mit Wissen von deren Gatten Raimund Friedrich, also Ferrys älterem Bruder. Somit waren Fanny und Sylvester, die beiden verliebten Geschwister, nur Halbbruder und Halbschwester. Und die Unvollkommenheit des über Jahre so akkurat gepflogenen Inzests, der ihr so einmalig und elitär erschienen war wie nichts sonst in ihrem Dasein, bewog Fanny nun dazu, sich, den neuen traurigen Tatsachen Tribut zollend, von Sylvester, der ja lediglich fast ihr Bruder war, zurückzuziehen und zu entfernen.

Fanny tat das entsprechend ihrem Naturell und der ihr innewohnenden Spontaneität; sie ehelichte ziemlich überstürzt einen ehemaligen Sandkastengespielen, der kürzlich und wie zufällig aus den Vereinigten Staaten auf Besuch zurückgekehrt war, und folgte diesem Eduard G. Stromfeld (Edward G. Riverfield), der sich in all den Jahren zu einem recht erfolgreichen Geschäftsmann in New York gemausert hatte, in die USA.

Sylvester war eine Zeit lang schier untröstlich.

Nachdem er vergeblich versucht hatte, seinen Kummer in Hochprozentigem zu ersäufen, nahm er Grünmanns editorisches Angebot für einen weiteren Kriminalroman an.

Immerhin war die Bezahlung diesmal (und für des knauserigen Verlegers Verhältnisse) erstaunlich großzügig.

Auch „Tod im Dreivierteltakt“ geriet erstaunlicherweise zum Bestseller.

E N D E

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