Die Rosinen

Gedanken über das

Klauben, den

Glauben und den

Unglauben von

Bernd Schmidt

© by Bernd Schmidt, Graz 2015.

(An Erwin von Steinbach)

Wenn der Pöbel heilige Namen ausspricht,

ists Aberglaube oder Lästerung. Dem schwachen

Geschmäckler wird’s ewig schwindlen an

deinem Coloß, und ganze Seelen werden

dich erkennen ohne Deuter.

Johann Wolfgang Goethe, Von Deutscher Baukunst

*

So ists mit deinem Mädchen geworden,

Hyperion. Frage nicht wie? erkläre diesen

Tod dir nicht! Wer solch ein Schicksal zu

ergründen denkt, der flucht am Ende sich

und allem, und doch hat keine Seele

Schuld daran.

Friedrich Hölderlin, Hyperion

*

I

Sich die Rosinen herauszuklauben, eine gern geübte Unsitte zwar, gilt immer noch – offiziell und in sogenannten besseren Kreisen – als äußerst bedenkliche Vorgangsweise. Vor allem, weil einem dabei jemand zuschauen könnte. Besonders international agierende nationale Spionageabteilungen wie CIA oder Mossad, der angeblich: ehemalige KGB, James Bond et cetera, aber natürlich auch Cyber-Kriminelle, wie die Leute von der NSA, von Google und Microsoft, sowie ähnliches Gelichter haben es gerade auf die Rosinen-Klauber abgesehen. Glauben Sie mir, ich weiß das! (Warum und woher, tut nichts zur Sache.)

Und: Auf die Rosinen haben sie es natürlich auch abgesehen.

Der Hintergrund ist klar: Wir alle, die Masse der weitgehend unschuldigen Unwissenden also, sollen uns mit dem üblen, desolaten, meistenteils verwüsteten Rest des Kuchens – meist ohnedies eher fragwürdiger Provenienz – zufriedengeben; während sich die Privilegierten, die oberen paar Tausend, frech die wertvollen und wohlschmeckenden Rosinen herauspicken und laut schmatzend (oder leise kauend, wie auch immer) genießen in aller Unverschämtheit.

Denn diese sogenannte Hautevolee bleibt bekanntermaßen ohnehin am liebsten unter sich. Da muss dann nämlich die Herkunft etwaiger außerordentlicher Zuwendungen, Boni oder Extrazahlungen unterschiedlichster Art auch gar nicht erst lang und breit erklärt werden …

Die beteiligten Saubermänner (und Sauberfrauen) genießen und schweigen.

Wobei dieser Genuss freilich nicht selten auch einem zweischneidigem Schwert ähneln kann: Wenn es sich nämlich bei den getrockneten Weinbeeren um genetically modified organisms handeln; wenn die ehemals prallen Früchte also gentechnisch behandelt worden sind und womöglich sogar –

Hier stocken wir. Und wir wissen, warum. Denn hier sitzt möglicherweise der Teufel unserer moderner Zeit, weit ärger als je ein Bildnis des Hieronymus Bosch den schaurigen Höllenfürsten gezeigt haben könnte, a) im Detail und b) in der Rosine.

Eine gentechnisch veränderte süße Schrumpelbeere könnte uns mit Leichtigkeit die Pforte zum bis dato Ungewissen öffnen: Denn, obschon wir, die geistigen Normalverbraucher (und manchmal vielleicht sogar intellektuell als Minderleister geltend), über unsere eigenen Gene bisher kaum etwas Genaues in Erfahrung haben bringen können (wir wissen freilich auch nicht viel über die Quantenphysik, das Singen der Wale und beispielsweise darüber, wie die Terror-Führer des sogenannten Islamischen Staates wirklich ticken), die Veränderung an ihnen, eben an den Genen, die ist uns nun einmal suspekt.

Da gibt es indes auch noch das Schreckensszenario der Hochpolitik für ihre Klientel: Die gentechnisch veränderte Rosine als zweiter Apfel vom Baum der Erkenntnis! Und der dann, horribile dictu: von allen genossen, gleichsam: demokratisch …! Welche Potenziale an Umschwüngen und Revolutionen könnte das wohl in sich bergen! Ohne Bibel-Klimbim gesagt: Der Genuss der solcherart abgewandelten Trockenbeere böte immerhin sogar uns vergleichsweise Armen die Chance, nach ihrem Verzehr schlauer zu sein als jetzt. (Wenn wir davon ausgehen wollen, dass diese genetischen Variationen tatsächlich unser Wissen erweiterten.)

Die Folge davon wäre, dass sich die Damen und Herren Spitzenpolitiker und ihre eierköpfigen Spindoktoren, im Verein mit der Armada an Trainern und Coachs, wieder neue, mehr oder weniger aufwändige Schach- und Winkelzüge, gefinkelte Ausreden und platte Lügen ausdenken müssten, unseren nun einmal erwachten Wissensdrang durch gezielte Fehlaussagen zu dämpfen und uns insgesamt ruhigzustellen.

Kurz: Sie würden sich vermutlich zu irgendwelchen Zugeständnissen bereitfinden. Müssen. (Wahrscheinlich auf inferioren Nebengebieten, aber immerhin …)

Denn es umgibt die ganze Gentechnik der Nimbus des Unbekannten, Monströsen und zumindest des Nicht-Ungefährlichen: Das Klonschaf und die Vermehrung per 3-D-Drucker – und das zum Zeitpunkt einer gewissen Gesundheitshysterie – etwa auf dem Gebiet der Ernährung.

Wobei diese Überreaktion ihrerseits wiederum von mehreren Faktoren ausgelöst oder zumindest beeinflusst zu sein scheint: Einerseits ist da der einigermaßen verwaschene, indes immer noch fast alles dominierende Bio-Gedanke; dann ein Zurück zur Naturmedizin (mit Wiedererstarken des uralten Kräuterwissens, mit Rückgriffen auf östliche Medizinpraktiken, mit dem Einfluss der Homöopathie, der Radionik et cetera); aber auch eine gewisse Skepsis gegenüber allzu freizügiger Gabe von Antibiotika und das Misstrauen Impfungen gegenüber, die beide lange Zeit als Allheilmittel und Garanten für Gesundheit und Wohlbefinden gegolten hatten.

Vergleichbar ist dieses Misstrauen beinahe schon dem, das ganz allgemein (zumindest in manchen Kreisen bei uns, im Westen) in Teilen der Bevölkerung den hergebrachten Religionen gegenüber herrscht. Zwar haben viele dem überlieferten Glauben längst abgeschworen; frönen jedoch nichts desto trotz ausgiebig dem Aberglauben – und sei es nur in den Ritualen des Alltags, die es, nota bene, aus touristischen Gründen am Leben zu erhalten gilt …

Einerseits dies also. Anderseits spielen die Esoterik, aber auch die allgegenwärtige Informationsflut über Errungenschaften im Bereich der plastischen und wiederherstellenden (Schönheits-)Chirurgie also im Gegensatz zum auf ihre Art auch wieder hysterischen Naturkosmetik-Boom und der angeblich so sanften Wohlfühl-Medizin – in ihrer sehr wohl High-Tech-affinen Ausformung eine bedeutende Rolle. (Wobei sich letztlich alles ineinander verwebt und miteinander verfilzt; besonders, was die finanzielle Seite all dieser Aspekte betrifft, nämlich der Wunsch nach allgemeiner [somit: demokratischer] Verarschung und ungezügelter, dauernd angestrebter Gewinn-Optimierung!)

Doch könnte nicht am Ende in manchem wunderlichen Extrakt, gewonnen aus genetisch veränderten Pflanzen, in mancher geheimnisvoller Tinktur eines pharmazeutischen Doktor Allwissend, tatsächlich etwas – womöglich sogar: geistig – Erhellendes verborgen liegen? Ein Substrat, dessen Einnahme sogar den Dümmsten gescheiter werden ließe und den mittelmäßig Talentierten geradewegs in die Hochbegabung triebe?! Etwas, wohl wert, dass man sich seiner Weiterwirkung etwa durch Klonen unterwinde?!

Deshalb wohl sind so viele europäische Regierungen gegen die amerikanischen GMOs. Denn, merke: Jeder Anstieg des Bewusstseins (oder gar eine Art Gewissheit) bei der Bevölkerung bedeutet für die ohnedies geplagten und von der eigenen Inkompetenz schier erdrückten Politiker gleichsam das Allerletzte, was sie brauchen!

Denn darin werden sogar die blödesten Staatslenker durch diverse historische Erfahrungen gewarnt: Je mehr die Plebs weiß, umso schwerer ist sie zu führen! Nur eine möglichst saublöde Bevölkerung ist am ehesten auch eine brave Bevölkerung … (Denn so ganz trauen sollte man dem Pack ohnedies nie! Dazu raten den noch so ungeschickten Politikern und ihren brustschwachen Strategen die Revolutionen, Staatsstreiche und Umwälzungen en masse, wie sie die Geschichtsbücher verzeichnen. Und Reiche sind schnell mal verspielt; Namen, Ruhm und Einfluss kommen rasch abhanden …)

Bliebe die Frage zu klären, warum just die US-amerikanischen Behörden und Politiker diese Befürchtungen nicht teilen? – Vermutlich weil davon nichts in der Verfassung vermerkt ist und in der Bibel der (letztlich ja doch recht biederen) Gründerväter steht …

Doch retour zur gentechnisch veränderten wunderbaren Lebensmittel- und Warenwelt.

Das blöde Chlor-Huhn aus den USA lehnen wir – quasi: instinktiv und am besten unbesehen – ab. Was vermutlich zumindest rein ästhetisch auch geschickter so ist, wodurch aber die angeblich so elementaren Gespräche im Rahmen des europäisch-amerikanischen Handelsabkommens TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) schon ganz schön ins Stocken geraten sind und ganz allgemein die Außenhandelsbeziehungen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten seit einiger Zeit merkbar stagnieren. (Obwohl wir sonst ja fast alles uneingeschränkt entgegennehmen, genießen und, wenn es sein muss: anbeten, trägt es nur brav den Stempel der USA in oder auf sich.)

Doch – mit gewissen Negativ-Inklinationen muss man immer rechnen, geht es um Herrschen und Beherrscht-Werden, um Anführer und Untertan-Sein et cetera; egal übrigens ob in weltlichen oder in religiösen Dimensionen und Ordnungen. Denn so wie die tatsächlich guten Kaiser, die gerechten Könige, ehrlichen Führer und vertrauenswürdigen Präsidenten – besonders aber die angeblich (wenn auch sehr selten) tatsächlich vorkommenden gerechten Tyrannen! – zumindest eher rar sind, wird in religiösen Dimensionen und ganz allgemein in Fragen des Glaubens erst recht zumindest die Befürchtung erlaubt sein, Gott (wenn es einen solchen denn gäbe) habe uns und das Universum bloß aus Langeweile, ansonsten jedoch weitestgehend grund- und zwecklos sowie ohne nachvollziehbare Ursache erschaffen; ja: vielleicht sogar übelgelaunt, verkatert oder in misanthropischer Stimmung. Was dann unser mehr oder minder armseliges Geworfensein in die großspurig Leben genannte Malaise immerhin mit-begründen (und solcherart vielleicht etwas leichter tragen) hülfe …

Aber zurück zu den Rosinen.

Fortsetzung folgt!

II

Wenn man so will, also: salopp gesagt, ist auch das Münster zu Straßburg (oder : Schdroosburi, wie die Straßburger, laut Wikipedia, zu ihrer Kommune sagen) so eine Rosine. Eine elsässische Rosine, wohlgemerkt. Und eine im Kuchen der europäischen Gotik. (Zugegeben, auch dieser Begriff Gotik ist so diffus, dass er schon wieder von der Europäischen Union selbst stammen könnte [Stichwort: Gurkenkrümmung et cetera]. Unterscheidet man doch graduell – ähnlich wie etwa bei Barock oder Jugendstil – dann erst recht wieder gern zwischen gleichsam nationalen Ausformungen der nun einmal schubladisierten Stilrichtungen.)

Immerhin, obwohl auf romanischer Basis errichtet, gilt die Cathédrale Notre-Dame de Strasbourg, gelegen im ostfranzösischen Departement Bas-Rhin der Region Alsace, als eines der edelsten Beispiele gotischer Baukunst schlechthin. Als solches hat das gewaltige Münster nicht nur den jungen Goethe fasziniert, wovon schon in Johann Gottfried von Herders fliegenden Blättern „Von Deutscher Art und Kunst“ (Hamburg 1773) beredt Zeugnis gegeben wird. Denn in seinem darin (neu-)abgedruckten Aufsatz „Von Deutscher Baukunst“ (1772) schildert der junge Poet in schier dithyrambischem Stil seinen übermächtigen Eindruck von diesem Ort – als einem, an dem ihm beinahe so etwas wie eine Erweckung zuteil geworden sei.

Herder hatte übrigens mit seiner leicht skurril anmutenden Seereise nach Frankreich, einer Quasi-Flucht aus Riga, wo er als Geistlicher wirkte, die Strömung des Sturm und Drang auszulösen geholfen. Über seine Seefahrer-Philosophie gibt sein posthumer Reisebericht „Journal meiner Reise im Jahr 1769“ (erschienen 1846) Auskunft. Und 1771 lernten einander Herder und Goethe dann kennen – in Straßburg … (Dazu: Rüdiger Safranski, Schiller oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus. Frankfurt am Main 2016.)

Straßburg, lange Zeit freie deutsche Reichsstadt, ist gelegen auf den Ruinen einer römischen Garnison mit Namen Argentoratum (keltisch: Weiße Burg), worauf auch die in den Dom eingelassene Gedenktafel für den ersten gotischen Baumeister des Liebfrauenmünsters, Erwin von Steinbach, hinweist: Anno domini 1318 () obiit Magister Ervinus, Gubernator Fabricae Ecclesiae Argeninensis. Dieses Militärlager Argentoratum hatte der römische Feldherr Drusus im Jahr 12 vor Christus anlegen lassen als Außenposten der später zu gründenden Provinz Germania superior. Straßburg war übrigens schon zur Zeit, als der unternehmungslustige Jura-Student Goethe hier weilte, also Anfang der 1770er Jahre, ein kräftiger kultur-touristischer Magnet. Und daran hat sich auch bis heute kaum etwas geändert: Die Metropole der aus den Departements Bas-Rhin (Nieder-Rhein) und Haut-Rhin (Oder-Rhein) gebildeten, 8.280 Quadratkilometer großen (übrigens flächenmäßig kleinsten) französischen Region, Alsace, grenzend im Norden und Osten an Deutschland, im Süden an die Schweiz, gilt immer noch als kultureller (und kulinarischer) Magnet, gelegen zwischen Vogesen und Rhein.

Politisch wechselvoll war die Geschichte der Stadt Straßburg und der Region Elsass allemal. Schon 498 dem fränkischen Reich einverleibt, fiel die Kommune im Jahr 870 an die Ostfranken. (Das erste Stadtrecht erhielt sie übrigens um 1150.) Ab 1381 war Straßburg Mitglied des Rheinischen Städtebundes, trat 1531 dem Schmalkaldischen Bund bei und kam 1681 an Frankreich. Von 1871 bis 1918 Hauptstadt des deutschen Reichslandes Elsass-Lothringen, war das inzwischen wieder französische Strasbourg von 1940 bis 1944 von Hitler-Deutschland besetzt. Nach dem Untergang des sogenannten Dritten Reichs fielen das Elsass und damit auch Straßburg, wie oben schon angedeutet, erneut an Frankreich.

Seit dem Jahr 1949 ist die Stadt Sitz des Europarats, seit 1959, abwechselnd mit Luxemburg, zudem Tagungsort des Europäischen Parlaments (und offizieller Parlamentssitz seit 1992). Also klingt, ob es alle gern hören oder nicht, auch hierorts, quasi als permanente Beschallung, Ludwig van Beethovens mehr als bloß luxuriöse Vertonung von Friedrich Schillers Ode An die Freude (von 1785), der Schlusschor seiner Neunten Symphonie (immerhin einer wegweisenden Innovation, nämlich einer gewaltigen Chorsymphonie [von 1824]).

Das Schicksal dieses zum Symbol gewordenen Edel-Gassenhauers ähnelt darin allerdings frappant dem von Franz Schuberts Lindenbaum, dem so volksliedhaften, romantisch-traurigen Teil aus seinem ergreifenden Liederzyklus Winterreise (1827/28) auf die Verse Wilhelm Müllers hin: Auch hier beweist die schier inflationäre Verwendung des Kunstliedes in diversen Fassungen für die Stimmen eines Männergesangsverein zwar die enorme Resistenz und die kompositorische Robustheit des genialen Werkes; der Eindruck des Schonwieder! und der andauernden Repetition führt indes unweigerlich irgendwann zum Gefühl, ein lästiges Insekt nicht und nicht aus den Ohrwindungen zu kriegen: das Ohrwurm-Syndrom …

Und letztlich kommt einem auch der Schiller-Beethovensche Götterfunken – allein schon angesichts der sich (und das nicht erst in der aktuellen Flüchtlingsfrage) alles andere als brüder- und schwesterlich gebärdenden EU-Mitgliedstaaten – reichlich deplatziert vor.

Ach, ja: Goethe und Schiller. Während jener – seine Affinität zum Straßburger Münster wird noch ausführlich zu würdigen sein – durch munteres Erklettern und ausgiebiges Beäugen der Umgebung des einmaligen Baues von oben her durchaus geerdet scheint und daher am Boden mancher Tatsache haften bleibt, taucht dieser in die Sphären des Idealismus ein. Ist Goethe als ausgesprochener Hedoniker vor manchem geistigen Höhenflug zuletzt doch noch gefeit, so durchleidet Schiller alle Stadien im Wechselbereich zwischen Natur (Materie) und Geist. Um die Menschheit zu adeln in ihren guten Anlagen, singt er überschwänglich die Freude an. Denn die Brüder (und Schwestern), alle mögen sie, feuertrunken, der ganzen Welt den finalen Kuss aufdrücken … Immerhin und eingedenk eines gewichtigen Umstands: Der Freude Zauber binden wieder,/Was die Mode streng getheilt. Et cetera, et cetera.

Doch zurück zum Münster von Straßburg. Auch die Kathedrale, die man (in durchaus üblicherweise) dort errichtete, wo einst ein Herkules- und Mars-Tempel, später ein druidisches Heiligtum situiert waren, hat eine ausgesprochen bewegte Geschichte hinter sich; darunter mehrere Großbrände, Blitzschläge und mehr oder weniger glückhafte Wiederaufbauten.

Baugeschichtlich geht da manches in vor-karolingische Zeit zurück, denn schon um 510 hatte König Chlodwig I. ein steinernes Gebäude zu christlich-kultischem Zweck erbauen lassen. Im Jahr 675 kam es dann unter Bischof Abogart zu einem Erweiterungsbau für den aktuellen Thronerben, Dagobert. Anno 1245 wurde die Kirche, die Bischof Wernher hatte erbauen lassen, wieder abgerissen; und 1276 legte man die Fundamente, 1277 den Grundstein zur Westfont der späteren Basilika. Und so tritt schließlich Erwin aus Steinbach (mitunter auch als von Steinbach tituliert) als einer der großen Baumeister in die Geschichte des Münsters ein.

Übrigens: Dass Goethe bei seinen ersten Besuchen, anno 1770, Grab und Gedenktafel von Meister Erwin (wie er berichtet) nicht vorfindet, ist leicht erklärt: Sie liegen gerade unter dem Schutt aktueller Aufräumarbeiten vergraben … Doch geht es dem jungen Enthusiasten ohnedies mehr um den wortklingelnden Ausdruck seiner Genieästhetik, niedergelegt eben in seinem Aufsatz „Von deutscher Baukunst“, als um reine Kunsthistorie. (Dass Goethes Wertungen – wieder einmal – höchst subjektiv sind, versteht sich ohnedies von selbst …)

Doch nochmals kurz zur Baugeschichte des berühmten Münsters. Von den ursprünglichen Plänen musste aus diversen Gründen immer wieder abgewichen werden. Und nach Erwins Tod im Jahr 1318 war es dann sein Sohn Johannes, der den weiteren Dombau maßgeblich vorantrieb. Ab dem Jahr 1399 schuf Ulrich Ensinger unter anderem das achteckige Freigeschoss des Nordturms, dem knapp 30 Jahre später der Kölner Johannes Hültz den durchbrochenen Turmhelm aufsetzte. (Der geplante Südturm fehlt bekanntlich bis heute.)

Kriegsschäden und Wettereinwirkungen machen übrigens bis in die Jetztzeit immer wieder umfassende Renovierungsarbeiten notwendig.

Die herrlichen Bleiglasfenster, die imposante Fassaden-Rosette mit ihren 13,6 Metern Durchmesser, auch die Wandteppiche des „Marienlebens“, überaus rare Arbeiten des 17. Jahrhunderts aus Paris, zudem die originelle Astronomische Uhr im südlichen Querschiff und die „Schwalbennestorgel“ (ursprünglich ein Instrument des Andreas Silbermann von 1715) sind nur einige der Glanzpunkte des Liebfrauenmünsters; sie bringen sogar Wikipedia zum Schwärmen. Und natürlich das Geläute, das auch heute noch über sechzehn Glocken (plus vier Stundenglocken) verfügt und somit das schwerste Ensemble Frankreichs ist.

Wie erwähnt, war das Straßburger Münster der Gottesmutter Maria geweiht, daher auch die französische Bezeichnung Cathédrale Notre-Dame de Strasbourg. Wobei wir kurz auf den skurrilen Eiertanz eingehen wollen, der da bekanntermaßen rund um die sogenannte unbefleckte Empfängnis aufgeführt wird; um den Umstand also, dass Gottes irdische Großmutter ihre Tochter Maria ohne den Makel der Erbsünde empfangen habe.

Das hatten sich die christlichen Kirchenväter einerseits in ihrer nicht selten greisenhaft-apodiktischen Art nun einmal so ausgedacht; anderseits entsprach es wohl auch ihrer grosso modo: sexualfeindlichen Einstellung. Weshalb sie das arme Jesuskind – und, laut Schrift: Gottes Sohn – auch nicht auf die übliche Weise in die Welt werfen ließen, gezeugt also von Marias Verlobtem, Josef, sondern über recht verschlungene Wege, nämlich per Parthenogenese oder Jungfernzeugung der heiligen Jungfrau erwachsend; oder – implantiert. (Gleichsam als eine vorweggenommene In-Vitro-Fertilisation, sozusagen.)

Zugegeben, ein wenig bizarr mutet (bei aller bisherigen Bizarrerie, mit der die ganze Schöpfungsgeschichte ohnedies schon aufwartet) dann freilich noch das Mitwirken des Heiligen Geistes, der sogenannten dritten göttlichen Person, bei der ganzen Prozedur an; doch innerhalb einer so komplexen Konstruktion heißt es, entsprechend Anlass-flexibel zu agieren. Und die ominöse Taube ist nun mal ein Teil von Gottvater, Sohn & Compagnie.

Immerhin führte die nun einmal gewählte Konstellation ganz nebenbei auch zu mannigfaltigen Kirchengründungen eben im Namen der Heiligen Maria. Viele von ihnen mutierten später zudem zu florierenden Wallfahrtsstätten. Und so mauserte sich auch das Liebfrauenmünster zu Straßburg sukzessive zu einem wahren Magneten für fromme Pilger, hilfesuchende Gläubige und diverses menschliches Zubehör, wie es an solchen Orten allemal gebraucht wird.

Häuser werden gebaut, Hotels, Bordelle und Schänken. Geschäfte und verschiedene Manufakturen. Der Handel mit Devotionalien und Souvenirs beginnt zu blühen. Kurz: Es ist was los!

Da konnte sich auch das junge Ehepaar Flauschberger-Malplaquet kaum sattsehen und -hören. (Doch von diesen beiden wird erst etwas später die Rede sein.)

Fortsetzung folgt!

III

Gregor Specht war pensionierter Narkose-Facharzt. Und ein echter Menschenfreund dazu.

Daher ging sein Streben durch viele Jahre schon in die Richtung, sich und – vor allem – den anderen Freude zu breiten. Glück durch Freude, exakter ausgedrückt.

Diese Grundhaltung verfügte nicht nur über eine berufsbedingte Vorgeschichte. Denn schon in seinen aktiven Zeiten (die ja auch noch nicht so weit zurücklagen, Specht zählte gerade mal knappe siebzig Jahre) fühlte er sich, wenn er als Anästhesist jemand vor einer Operation behutsam ins Reich der Bewusstlosigkeit geleitete, gleichsam wie Cháron; einer, der jedoch im Unterschied zum mythologischen Hades-Fährmann (meist) auch für eine einigermaßen glückliche Rückfahrt zuständig war. Anders ausgedrückt und Obolós hin oder her: Specht kam sich nicht als endgültiger Überschiffer in eine andere Welt vor … Nein, überhaupt: Der Fachmann für Betäubung und präoperatives Weggetreten-Sein, Dr. Gregor Specht also, sorgte sich in erheblichem Maß um seine Mit- und Umwelt. Voller Empathie und erfüllt von ziemlich viel dicksuppiger Humanitas, so gedachte er, seine Mitmenschen, wo immer es möglich war, glücklicher zu machen, als sie ihm gerade zu sein schienen.

Und es gab sogar viele ausgesprochen Unglückliche rundum.

O ja.

Specht kramte in seinem Erfahrungsschatz, griff in die üppig gefüllte Trickkiste seines chemisch-pharmazeutischen Wissens und klaubte so manche Rosine auf dem Gebiet der Botenstoffe, Enzyme und Hormone heraus. Specht pickte fast schon manisch.

Nicht nur auf dem Gebiet der Anästhesie galt Specht zurecht als Koryphäe. Er war auch ein ausgemachter Experte auf dem Gebiet der Schlüsselsubstanzen, etwa derjenigen, die in Lebensmitteln für das Auslösen von Glücksgefühlen zuständig und verantwortlich waren. O ja, da experimentierte er mit vollster Hingabe herum! So gelang es ihm nach einiger Zeit auch, manche der ominösen Substanzen synthetisch herzustellen, etwa eine Abart des Serotonins, das ansonsten aus dem Eiweißbaustein Tryptophan mittels Anreicherung durch Vitamin C entsteht. Auch mit dem Capsaicin, das in natürlicher Form in Chili vorkommt, experimentierte der Mediziner, der über eine unleugbar enorme Erfahrung im pharmazeutischen Bereich verfügte, beschäftigte er sich. (Bekanntlich werden, durch die Schärfe bedingt, Endorphine [quasi als Trost] frei und ausgeschieden.) Kurz: Ob Dopamine, Endorphine oder sonst etwas Feines, Dr. Specht wusste, wie man es herstellte.

Und die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. (Auch wenn dem Verursacher des vermeintlichen Glücks ganz und gar nichts daran gelegen war, dass seine Anonymität aufgehoben werde etwa durch eigene Unachtsamkeit; und die könnte womöglich der Eitelkeit geschuldet sein … Undenkbar!)

Anders als in Schillers Idealismus, der davon ausging, dass letztlich jeder einzelne ein Teil des Ganzen, der Kette der Wesen also, sei, stützte sich Spechts Praxis auf durchaus materielle Gegebenheiten. Und die offerierten ihm Chemie und Pharmazie in überreichem Maß.

Der Effekt war ein alsbald merkbarer: Die vom gewieften Anästhesisten infizierten, mit den oben genannten Glückshormonen und den ähnlichen Substanzen vollgepumpten oder zumindest über das Normalmaß angereicherten, von einem Zufallsgenerator bestimmten (oder von unbändiger eigener Lust an den bunten, bunten Smarties, am glucksenden Brausewasser und an den verführerischen Schoko- wie Limonaden verführten) Probanden lieferten als ziemlich willenlose, indes in Permanenz glücklich grinsende Halbidioten ein skurriles Bild geistiger Rückbildung.

Und sie wussten nicht, was sie in diesen Zustand versetzt hatte; wenn sie überhaupt merkten, in einen anderen Zustand überführt worden zu sein …

Nein, Gregor Specht fühlte sich, anders als der frühe Neurophysiologe und Regimentsmedikus Friedrich Schiller, keineswegs dem hehren Deutschen Idealismus verpflichtet. Doch seine per Injektionsnadel und kühn durch Verpackungen und Plastik-Flaschen hindurch kontaminierten Lebensmittel trugen die Menschen, die später dann mit ihnen in Kontakt kamen, ebenfalls auf den Schwingen der Euphorie in Sphären eines vagen Glücksgefühls. So als hätte man die begierigen Damen und Herren sowie die stets auf Süßigkeiten und Sprudelwasser erpichten Kinder mittels des legendären DEFA-Streifens „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oder des filmischen Silvester-Schwanks „Dinner for One“ in einer Fernseh-Permanenzschleife in Stimmung versetzt. Stupid vor sich hin lächelnd, waren die Ärmsten – hm: waren sie arm?! – in ihrem fragwürdigen Glück gefangen wie in einem Kokon der Verblödung. (Doch fiel das aufgrund der längst quasi allgemeinen galoppierenden Dummheit kaum mehr sonderlich auf.)

Über die vermutlich krankhaften Gründe, die Specht zu seiner Beglückungs-Attacke veranlasst hatten, herrschte lange Ratlosigkeit, wie es überhaupt schon schwer genug gewesen war, den Verursacher der skurrilen Epidemie überhaupt ausfindig und dingfest zu machen.

Er schwieg sich danach, im Gewahrsam, auch beharrlich über seine Motive und ähnliches aus. Dr. Specht sagte überhaupt kein Wort mehr. Auch schien er – weggetreten zu sein; was ihn indes nicht daran hinderte, auch selbst immer noch unverändert blöd zu grinsen.

Ja, Dr. Specht strahlte ganz allgemein die gute Laune aus, die er den ermittelten Beamten längst verdorben hatte durch seine nicht erklärbare Vorgangsweise.

Er habe mindestens Rosinen im Kopf, hieß es bald hinter vorgehaltener Hand. Rosinen …

Fortsetzung folgt!

IV

Johanna Flauschberger war, als sie sich in ihren späteren Ehemann, den aus Lyon stammenden Architekturprofessor Jean-Pierre Malplaquet, verliebte, selbst noch eine junge und strebsame Studentin dieser Fachrichtung, gerade mal im dritten Semester. Also: eine angehende Architektin. Längst jedoch schon ein Fan des Münsters von Straßburg.

Zu dieser aus rosa-farbigem Sandstein von den Vogesen erbauten Kathedrale war sie wiederum durch Johann Wolfgang von Goethe gekommen – beziehungsweise durch ihren Onkel Heini, der ihr vor Jahren einmal des Großdichters (und vielseitigen Dilettanten) Abhandlung „Von deutscher Baukunst“ in einer hübschen Ausgabe geschenkt hatte. (Prof. Dr. phil. Heinrich Sonnleithner, der älteste Bruder von Johannas Mutter Klara, war Sprachwissenschaftler, emeritierter Ordinarius und galt als angesagter Goethe-Kenner. Er ging jedoch in erster Linie und ganz allgemein allen Leuten, mit denen er zusammentraf, meist bald schon gewaltig auf die Nerven.)

Ja, und irgendwie war die sonst so taffe Johanna längst schon, mental zumindest, in die Rolle des ehrwürdigen Dombaumeisters Erwin von Steinbach (Magister Ervinus, Gubernator Fabricae Ecclesiae Argentinensis) hineingewachsen; oder besser: Sie fühlte sich seit geraumer Zeit beinahe schon als wiedergeborener Straßburger Dombaumeister schlechthin. (Warum auch nicht? Sollte sie sich für Walter Gropius, Johann Lucas von Hildebrandt oder vielleicht für Frank Lloyd Wright halten?! Na, eben.)

Sie war zudem mehrmals, erst gemeinsam mit den Eltern und ihrer älteren Schwester Sophie, später als Studentin auf Exkursion, in Strasbourg/Straßburg gewesen. Und der Reiz der Kathedrale wirkte immer noch und wieder wie beim ersten Mal auf sie, da sie bloß eine fotografische Abbildung, später eine solche früher Pläne des Münsters in einem kunsthistorischen oder Architektur-theoretischen Buch, gesehen hatte … Sie war fasziniert.

Mindestens so wie gute 200 Jahre vor ihr schon Goethe. (Und andere, etwa Voltaire, der sich ebenso wie der deutsche Dichter nicht enthalten hatte können, im Gemäuer seinen Namenszug einzuritzen.)

Dann lernte sie, wie angedeutet, ihren späteren Ehemann, den als Weiberheld und Schürzenjäger verschrieenen Architekten und wohlbestallten Professor an der Technischen Universität Jean-Pierre Malpaquet kennen und lieben. Und der mehr als bloß lebenslustige Genussmensch ließ sich von seiner – zugegeben: schon leicht verwelkten – Frau Cécile, die daheim, in Lyon, nach seinen spärlichen Besuchen darbend lebte, nach einigem äußerst unschönen (und für ihn ziemlich teuren) Hin und Her endlich tatsächlich scheiden.

Johannas Vater, Hofrat DI DDr. Gerald Flauschberger, der, selbst einer alten Beamtendynastie entsprossen, erst das Architektur-Studium und danach auch noch das der Rechte abgeschlossen hatte, bevor er vor vielen Jahren in den gehobenen Landesdienst eingetreten und hier in erster Linie rechtssichernd für wichtige Tiefbauprojekte zuständig war, schätzte sich alles andere als glücklich über die Verbindung seiner verzärtelten Lieblingstochter mit ihrem um ein ganzes Eck älteren akademischen Lehrer. (Außerdem befürchtete er die Möglichkeit beruflicher Kollisionen, sollte der Schwiegersohn in spe vielleicht irgendwann in Zukunft – als Architekt, natürlich nicht als akademischer Lehrer – irgendwelche lukrative Landesaufträge an Land ziehen; worauf dann mit Sicherheit irgendjemand just ihm, dem als geradezu überkorrekt bekannten Gerald Flauschberger, unterstellen könnte, da Nepotismus zu betreiben …)

Doch musste er sich nolens, volens in sein Vaterschicksal fügen; immerhin war Johanna volljährig, und ihr Jean-Pierre, zugegeben: recht charmant. (Wie auch Mutter Klara alsbald feststellte, die kurzweg dahinschmolz und sogar unumwunden zu verstehen gab, wie sehr ihr der graumelierte Schwiegersohn in spe konvenierte. [Auch Sophie, Johannas ältere Schwester, und deren Mann, Georg Kalchstein – die beiden waren eben erst getraut worden – verstanden sich mit dem Schwager auf Anhieb blendend.])

Also arrangierte sich auch der alte Flauschberger mit dem Neo-Gatten seiner jüngeren Tochter. Sinnigerweise und eingedenk der Liebe Johannas zum Straßburger Liebfrauenmünster finanzierte der Herr Papa seinem Töchterlein sogar die Hochzeitsreise mit ihrem Jean-Pierre (der übrigens nur schlappe zehn Jahre jünger war als der Herr Hofrat selbst).

Also flanierte das frisch-verheiratete Paar durch die elsässische Metropole. Sie taten es den Bewohnern der Stadt gleich. Und schon Goethe merkte an, dass „die Straßburger leidenschaftliche Spaziergänger“ seien, „und sie haben wohl recht, es zu sein. Man mag seine Schritte hinwenden, wohin man will, so findet man teils natürliche, teils in alten und neuern Zeiten künstlich angelegte Lustörter, einen wie den andern besucht und von einem heitern lustigen Völkchen genossen.“ (J. W. Goethe, Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. II, 9.)

Das Ziel der flitternden Turteltauben? Natürlich Strasbourg, die Hauptstadt des Departements Bas-Rhin sowie der ganzen Region Alsass, mit dem berühmten Münster. (Oder, wie Onkel Heini [längst schon grosso modo total verkalkt und mit Sicherheit mehr als bloß eigenartig geworden, nicht nur in seiner obskuren Deutschtümelei – als habe er gerade den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 absolviert] zu sagen pflegte: „Straßburg, gelegen an der Einmündung der eleganten, schlanken Mutter Ill in den guten alten deutschen Vater Rhein …“ Wie sinnig.)

Sie streiften, wie es sich gehört, glühwangig und turtelnd durch Straßburg. Genossen die berühmte Küche des Elsass und labten sich an manchem guten Tropfen. Außerdem bestieg das traute Pärchen, klar doch, zum x-ten Mal wieder die Plattform des Münsters sowie den einen, ausgeführten Turm. Und man schwelgte, wie es sich für weitgehend schwindelfreie Menschen gehört, in der herrlichen Fernsicht und ließ das formidable Panorama auf die Seele wirken …

Dies stand natürlich nur auf dem Programm, wenn Johanna und ihr Jean-Pierre nicht gerade ausgiebigst vögelten, sie ihm einen blies oder er ihre Klitoris geschickt umzüngelte. (Das musste jetzt einfach einmal erwähnt werden; egal, ob es Sie, die Leserschaft, wirklich interessiert oder nicht.)

Mit anderen Worten: Alles im Schatten des elsässischen Edel-Phallus … Oder: Honeymooner in Strasbourg. Flitterwöchner im Gedenken an Erwin von Steinbach – und Johann Wolfgang von Goethe.

Trotz ihres Turtelns und ihrer weitestgehenden seelisch-körperlichen Übereinstimmung und Koinzidenz – angesichts des Kirchenbaues oder der ganzen Stadt mit ihren 280.000 Einwohnern empfand Johanna das hier dann doch eher goetheisch-deutsch, während Jean-Pierre, sonst keineswegs als kleinkarierter französischer Nationalist in Erscheinung tretend, Münster und Kommune denn doch als recht französisch … Ja, just hier, im Schlagschatten des so mächtig aufragenden Zeigefingers des solistischen Kathedralenturms.

Frankreich war nun einmal Frankreich; das Deutsche eben – deutsch. Und das Elsass? Alsace? – Eigenartig. Einfach eigenartig … Oder, um es mit dem großen elsässischen Cartoonisten, Grafiker und Satiriker zu sagen, mit Tomi Ungerer, der anno 1931 geboren, beim Einmarsch der Hitler-Truppen gerade neun Jahre alt war und das Deutsche wie das Französische zu sprechen gelernt hatte; es einerseits beherrschte, wie er anderseits vom Deutschen und vom Französischen beherrscht wurde: „Die Kinder der Mutter Elsaß, ständig von zwei eifersüchtigen Nachbarn abwechselnd vergewaltigt und gehätschelt, leiden an ihrer Identität: Franzosen? Deutsche? Das Elsaß zeigt sich wie eine Kaiserschnittnarbe auf der Landkarte Europas, jetzt schön geflickt.“ (Tomi Ungerer, Die Gedanken sind frei. Zürich 1999.)

’s Elsáss, wie die Elsässer (laut Wikipedia) ihr Terrain nennen, hat wohl nicht zuletzt seiner Rosinenhaftigkeit seit dem 17. Jahrhundert mehrmals die politische Zugehörigkeit ändern müssen. Hin- und hergeworfen wie ein Spielball zwischen Frankreich und Deutschland.

Rosinenhaftigkeit rundum.

Ja, eben.

Das Liebfrauenmünster: Jahrhunderte früher als unser Architekten-Paar hatte es schon den Meister-Allrounder der Künste und ambitionierten Dilettanten der Wissenschaften, kurz: das Genie Goethe fasziniert, als der 21-jährige Student Anfang April 1770 in Straßburg im Gasthof „Zum Geist“, später dann auf dem Alten Fischmarkt Logis nahm. (Der schon ziemlich prominente Stürmer und Dränger war von Leipzig, wo er bekanntlich seine Studien begonnen hatte, gekommen und musste in seiner Vaterstadt Frankfurt am Main zunächst eine schwere Krankheit und Krise überstehen.) Nunmehr – das Kandidaten-Examen hatte er an der Universität Straßburg gerade erfolgreich absolviert – widmete sich der Student der Rechte mit Vorliebe wieder anderen Dingen als der eigentlich anzustrebenden Profession.

So bestieg er zum Beispiel den Turm des Münsters. Die Kathedrale galt damals schon als hervorragende Sehenswürdigkeit, und der Turm-Solitär mit seinen 142 Metern Höhe war zudem das aktuell höchste bekannte Bauwerk der Menschheit! (Der Turm sollte diesen Rang übrigens noch bis ins Jahr 1874 beibehalten.)

Zunächst mag es Goethe indes weniger um die architektonische Delikatesse der Kathedrale selbst gegangen sein: Sein Unterfangen diente ihm vielmehr zur Mutprobe. Der junge Johann Wolfgang litt nämlich unter starker Höhenangst und hoffte, hier oben endlich über seine Schwindelgefühle triumphieren zu können und seiner leidigen Phobie Herr zu werden.

Goethe-Biograph Rüdiger Safranski zitiert, was sich daher stellenweise eher wie ein alpines oder rein-sportliches Unterfangen anhört (und stilistisch, kuriose Weise, an die Schreibe Thomas Manns gemahnt): „Ich erstieg ganz allein den höchsten Gipfel des Münsterturms und saß in dem sogenannten Hals, unter dem Knopf oder der Krone, wie man’s nennt, wohl eine Viertelstunde lang, bis ich es wagte, wieder heraus in die freie Luft zu treten, wo man auf einer Platte, die kaum eine Elle ins Gevierte haben wird, ohne sich sonderlich anhalten zu können, stehend das unendliche Land vor sich sieht, indessen die nächsten Umgebungen und Zieraten die Kirche und alles, worauf und worüber man steht, verbergen. Es ist völlig, als wenn man sich auf einer Mongolfiere in die Luft erhoben sähe. Dergleichen Angst und Qual wiederholte ich so oft, bis der Eindruck mir ganz gleichgültig ward.“

Und der Biograph meint resümierend, nicht ohne eine gewisse würzige Trockenheit: „So war ihm (Goethe, Anm.) eben auch das Straßburger Münster, ehe ihm dessen künstlerische Bedeutung aufging, eine sportliche Herausforderung.“ (R. Safranski, Goethe. Kunstwerk des Lebens. München 1913.)

Doch, der Wahrheit die Ehre!, Goethe war in der Folge dann durchaus fähig, die architektonische Einzigartigkeit und die außerordentliche Schönheit des Bauwerks aufzunehmen, und er formulierte beinahe ehrfürchtig: „Mit welcher unerwarteten Empfindung überraschte mich der Anblick, als ich davor trat. Ein ganzer, großer Eindruck füllte meine Seele, den, weil er aus tausend harmonirenden Einzelheiten bestand, ich wohl schmecken und geniessen, keineswegs aber erkennen und erklären konnte.“ („Von deutscher Baukunst“ in: J. G. von Herder [Hg.], Herder, Goethe, Frisi, Möser: Von Deutscher Art und Kunst. Stuttgart 2014. [Die Orthographie entspricht der des Reclam-Texts, Anm.])

So pickte sich ein Rosinen-Klauber schlechthin – und er würde es in seinem Leben immer wieder und auf den verschiedensten Gebieten tun – eine süße Beere aus dem Angebot. Diesmal aus dem, das ihm Straßburg augenfällig offerierte. (Das andere, sozusagen: auch irgendwie rosinenhafte Leipziger Intermezzo, das mit einer jungen Frau, nämlich mit Kät[h]chen Schönkopf, war beinahe schon zwei Jahre her. Na, also.)

Und ob Goethe nun aus dem Blickwinkel des Architekturliebhabers stets und überall nach Schönheit suchte oder als leicht alpinistisch inspirierter Sportmanns, das mag uns freilich egal sein. Und wenn er bloß als Frauenfreund den Blick schärfte – uns geht es nichts an.

Fortsetzung folgt!

V

Doch noch ein Elsässer – wir entsinnen uns des schon erwähnten, des Baumeisters Erwin von Steinbach, der so maßgeblich an der Errichtung des einmaligen (und einturmigen) Münsters zu Straßburg beteiligt gewesen ist – schummelt sich gerade in die Geschichte: der Bildhauer Frédèric Auguste Bartholdi, wie gesagt: auch ein geborener Elsässer, nämlich aus Colmar, dem Verwaltungssitz des Departements Haut-Rhin. Auch einer, wie sein Landsmann, Meister Erwin, der es nur allzu gern groß gehabt hat. Sehr groß sogar … Ist Bartholdi doch der Schöpfer der Freiheitsstatue, die Frankreich den Vereinigten Staaten anlässlich des 100. Geburtstages der Unabhängigkeit von Großbritannien (erstritten im Jahr 1776) geschenkt hat.

Miss Liberty konnte – wir folgen hier weitgehend Nigel Hawkes‘ profundem Bildband: Wunderwerke. Die großen Konstruktionen. Vom Amun-Tempel zum Astrodome. Augsburg 1996 – zwar erst neun Jahre nach dem eigentlichen Gedenkfest, somit im Jahr 1885, feierlich eröffnet werden; doch die vorwiegend aus Kupfer und Eisen geschaffene Riesenstatue, die samt ihren gewaltigen Fundamenten und Sockeln fast 100 Meter misst, gilt bis heute als ein mehr als nur imponierendes Zeugnis von Bildhauer- und Ingenieurskunst.

In hervorragender Weise unterstützt hatte das Projekt der eigentliche vormalige Ideengeber der Mega-Statue, der französische Historiker und liberale Politiker Edouard de Laboulaye, den der geschickte und zielstrebige Bartholdi Jahre zuvor schon in Bronze verewigt hatte.

Den um die Freiheit im eigenen Land höchst besorgten de Laboulaye schmerzte es nämlich, das Frankreich – in der großen Revolution von 1789 ff. und der kurzen Zeit danach gleichsam zum Symbol der Liberté geworden – sehr bald schon wieder in ein total konservativ-antirepublikanisches, der Unfreiheit huldigendes, ja, in ein dynastisch-monarchistisches System (besonders um die Mitte des 19. Jahrhunderts, unter Kaiser Napoleon III.) zurückgefallen war.

Umso stärker glühte de Laboulay für die Bürger der USA, die sich eben erst aus dem Blutbad des verheerenden Bürgerkriegs erhoben hatten; eines Kriegs, der sich nicht zuletzt an der Problematik der Sklaverei entzündet hatte.

Zudem scheint de Laboulayes Engagement verständlich, war Frankreich doch mit seinen Corps am Befreiungskampf gegen Großbritannien hundert Jahre zuvor beteiligt gewesen.)

Doch zurück zum Bildhauer Frédèric Auguste Bartholdi. Schon bei einem Besuch der Vereinigten Staaten im Jahr 1871 hatte er in der 4,8 Hektar großen, der Stadt vorgelagerten Hudson-Insel Bedloe’s Island in der Upper New York Bay den optimalen Standort für seine Freiheitsstatue ausgemacht! Doch galt es, bis zur Einweihung dieses modernen Weltwunders immer wieder, enorme technische wie finanzielle Schwierigkeiten zu überwinden. Geld musste bei kulturellen Veranstaltungen – sowohl in Amerika als auch in Frankreich – aufgetrieben und die Werbetrommel gerührt werden; und manche fade Tea- oder Cocktail-Party galt es, zu organisieren beziehungsweise zu besuchen. Bis nach elfjähriger Bauzeit, wobei zum Teil in Paris, zum Teil an Ort und Stelle gearbeitet wurde, dieser ganz besondere Leuchtturm der Freiheit eröffnet werden konnte. Ein Leuchtturm, „ausstrahlend über die beiden Welten“, wie es Bartholdi nicht ohne Pathos ausdrückte.

Den mächtigen Sockel (von 27 Metern Höhe und mit einem Unterbau von 19,5 Metern) hatte der amerikanische Architekt Richard Morris Hunt entworfen. Doch was die Konstruktionstechnik der riesigen, fast 50 Meter messenden figuralen Frauengestalt selbst betraf, holte sich der findige Bildhauer erst Rat bei Eugène-Emmanuel Violett-le-Duc, dem bahnbrechenden Architekten der Neogotik in Frankreich. Nach dessen Tod (1879) wandte sich Bartholdi dann an André Gustave Eiffel, den berühmten Pionier des Stahlbaus. Und Eiffel kam auf die Idee eines Gerüsts aus Eisen als Stützskelett, das fest im Sockel verankert werden konnte. Eine am Gerippe befestigte Sekundärstruktur sollte schon der ungefähren äußeren Form der Statue entsprechen. Darauf erst wurde dann die aus 300 getriebenen Kupferplatten bestehende Außenhaut appliziert. (Die Metallteile, die man in Paris von der Handwerksfirma Gaget, Gautier et Cie. herstellen ließ, mussten schließlich, in 210 Lattenkisten verpackt, nach New York verschifft werden …)

Einige Details am Rande: Die beiden Wendeltreppen inmitten der Gerüste (die ihrerseits auf eine Idee von Violett-le-Duc zurückgehen) führen bis in die Krone der fast fünfzig Meter hohen Frauenfigur hinauf. Die Beobachtungsplattform in der Krone selbst verfügt über 25 Fenster und kann 30 Besucher auf einmal aufnehmen. In Inneren des rechten Armes, der die Riesenfackel trägt, ist ebenfalls eine Treppe eingebaut. In ihrer linken Hand hält Miss Liberty (auch Lady Liberty genannt) eine 7,2 Meter hohe Tafel mit der Aufschrift 4. Juli 1776.

Somit sei Karl Roßmann aus Franz Kafkas Roman-Fragment „Amerika“ (1927, herausgegeben von Max Brod) aufs Entschiedenste widersprochen: Vom sechzehnjährigen jungen Mann, „der von seinen armen Eltern“ in die Neue Welt „geschickt worden war, weil ihn ein Dienstmädchen verführt und ein Kind von ihm bekommen hatte“, heißt es bei Kafka, dass er „in dem schon langsam gewordenen Schiff“, das da in den Hafen von New York einfuhr, „die schon länger beobachtete Statue der Freiheitsgöttin wie in einem stärker gewordenen Sonnenlicht“ gesehen habe.

Schön und gut. Aber dann kommt’s: „Ihr Arm mit dem Schwert ragte wie neuerdings empor, und um ihre Gestalt wehten die freien Lüfte.“

Schwert? – Nein! Flamme!

Übrigens: Bei einer Windgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern schwankt die Freiheitsstatue um 7,5 Zentimeter.

So ganz fix ist also nicht einmal diese, sonst doch recht stabil wirkende Freiheit.

Eine bildhauerische wie architektonische Rosine ist das Bild- wie Bauwerk freilich allemal.

Fortsetzung folgt!

VI

Wenn vorhin angedeutet worden ist, die Jungarchitektin Johanna Flauschberger-Malplaquet habe sich gleichsam als wiedergeborener Architekt Erwin aus (oder von) Steinbach empfunden, so muss Folgendes eingeschränkt werden: Natürlich glaubte sie nicht ernstlich daran, tatsächlich der auferstandene oder re-inkarnierte Baumeister des eintürmig gebliebenen Straßburger Münsters zu sein. Sie fühlte sich ihm jedoch sehr eng verbunden. So, wie die Kunde von ihm über Goethe (und den Onkel Heini) an sie gekommen war … Johanna schwärmte eben gern und viel. (Sonst wäre sie auch nicht so ohne weiteres an ihren um einiges älteren Ehemann, ihren angegrauten Architekturprofessor Jean-Pierre, den Weiberschwarm und Filou, geraten. Oder?!)

Anders Fall zwei: Denn schlichtweg nicht bloß als Wiedergänger des deutschen Dichters Friedrich Hölderlin, sondern vielmehr in der Tat als Dichter Friedrich Hölderlin kam sich Friedrich Zwurtsch vor. Nur dass er, Zwurtsch, die Vita des bedeutenden, wenn auch über weite Strecken unverständlichen, Bild-dunklen und Düsternis-affinen deutschen Lyrikers, wäre sie ein Pferd, gleichsam von hinten aufgezäumt hatte: Seine, Zwurtschens, Laufbahn begann a priori erst in der Nervenheilanstalt, in die er nach dem Selbstmord seiner damals noch blutjungen Schwester Marion und ersten eigenen Krankheitsschüben sowie insgesamt wegen seines weitestgehend unerklärlichen, ja: mehr als bloß absonderlichen Verhaltens eingeliefert worden war. Eines Verhaltens, das sowohl Eigen- als auch Fremdgefährdung nicht ausschließen ließ. (Die behandelnden Ärzte unter Führung von Prof. DDr. Ehrenfried Spartakus sprachen von Schizophrenie oder Borderline-Syndrom et cetera.)

Zwurtsch, dem sogar seine Mediziner-Kapazitäten und das Pflegepersonal in der Heilanstalt ein erstaunlich hohes Kreativ-Potenzial zu bescheinigen bereit waren, dämmerte schon gut und gern zwei Jahrzehnte schreibend, zeichnend und nachdenkend vor sich hin; wobei er zwischendurch auch glaubte, an einer furchtbar komplizierten und langen Symphonie in As-Dur zu komponieren (von der sich indes nachher keinerlei Zeichen [etwa Noten oder Entwürfe] gefunden haben). Vermutlich geistig letzten Endes dann doch äußerst selbstgenügsam und in einer schattenhaften, weitestgehend nebulösen Welt befangen, so muss man sich Friedrich Zwurtsch vorstellen; doch allem Anschein nach nicht unglücklich. (Nicht viel unglücklicher zumindest als andere, die nicht einmal in einer Anstalt wie der untergebracht sind, deren Insasse Zwutsch über viele Jahre war, über viele Jahrzehnte sogar. Doch wie beziffert man tatsächlich Glück [oder Unglück], ja wie?!)

Er leistete vielmehr (und in das Schicksal des eingebildeten Genies ergeben und sozusagen: anstandslos) sein tägliches Pensum. Und Zurtsch fronte, gleichsam frohen, zugleich jedoch tiefdunklen Sinns, unabhängig von jeglichem, für andere eventuell gültigen Takt irgendeiner Anstalts-internen (oder -externen) Uhr. Und das – wenn immer es ihn überkam. Auch nachts. Tageweise am Stück oft. Beinahe ohne Unterbrechung.

Wobei seine skriptoralen Erzeugnisse eine weitestgehende Unverständlichkeit auszeichnete; wie auch seine (an sich ziemlich armseligen) Zeichnungen – entfernt vielleicht noch an Alfred Kubins Schreckensvisionen erinnernd, doch in vollkommenen Dilettantismus hingefitzelt – immerhin eine krankhafte Konsequenz bestimmte. Seine Musik fand anscheinend ausschließlich in seinem Kopf statt; zumindest fanden sich, wie angedeutet, zu keiner Zeit irgendwelche Aufzeichnungen davon. (Auch verfügte er, wie aus seinem Umfeld zu eruieren war, über keinerlei Kenntnisse in Harmonienlehre und Kontrapunkt. Und auch Notenpapier gab es nie.)

Auch die nicht unbedeutende Frage, warum sich Friedrich Zwurtsch überhaupt für Friedrich Hölderlin hielt,konnte bis zuletzt nicht beantwortet werden. So weit man von seinem familiären Umfeld und seiner gesamten Deszendenz Kenntnis hatte, war da überhaupt keinerlei Verbindung auszumachen zwischen dem väterlicherseits aus der Oststeiermark stammenden Zwurtsch zu Hölderlin. Zum Dichter, von dem die Germanistik glaubte (und vermutlich immer noch glaubt), ihn in ein äußerst unbequemes Prokrustesbett zwischen Klassik und Romantik hineinzwängen zu sollen: Johann Christian Friedrich Hölderlin, geboren im Jahr 1770 in Lauffen am Neckar, gestorben – in geistiger Umnachtung – anno 1843 in Tübingen.

Nein, da schien es keinerlei Parallele zu geben – außer dem Umstand des jahrelangen Aufenthalts im Irrenhaus. Dummerweise musste es letztlich unklar bleiben, wo es da sonst noch eine Schnittstelle geben hätte können zwischen dem Gestalter des Romans Hyperion oder Der Eremit in Griechenland, dem Dramenfragment Der Tod des Empedokles und Erfinder sinndunkler Lyrik von hochentwickeltem Sprachvermögen in artifizieller wie metrischer Vollkommenheit und diesem Zwurtsch da, der sich in erster Linie nur für Hölderlin hielt.

Und doch: Irgend einen Zusammenhang musste es ja geben! So aus heiterem Himmel hält sich doch niemand für einen Dichter, den er vermutlich nicht einmal namentlich kennt!

Später wurde er, mit den besten Zukufts-Aussichten (was immer das auch bedeuten sollte) und zumindest als quasi-geheilt, aus der Anstalt entlassen. Der eigentlich Hintergrund dürfte gewesen sein, dass er die nach dem Selbstmord der Schwester und dem bald darauf erfolgten Tod des Vaters Joachim ebenfalls schwerst depressiv und zuletzt gar noch bettlägrig gewordenen Mutter Marlies pflegen sollte, da eine diesbezügliche externe Hilfe die finanziellen Möglichkeiten der Familie Zwurtsch (oder des Staates …) bei weitem überfordert hätte.

Hätte man Friedrich Zwurtsch nicht doch noch in die Freiheit entlassen (übrigens, ohne wesentliche Vorkehrungsmaßnahmen zu treffen …), er wäre dem alten Weiberhelden Jean-Pierre Malpaquet vermutlich erst gar nie im Leben über den Weg gelaufen. Und somit wäre es dem zweiten Hölderlin auch nicht möglich gewesen, den Architekten aus Lyon umzubringen. (Erstaunlich in diesem Zusammenhang, wie gern in schrägen Geschichten das Motiv des später mordenden Geistesgestörten vorkommt, der zuvor die Aufgabe, einen engen Anverwandten zu pflegen, auf sich nehmen hatte müssen. Seltsam, allemal.)

Doch so war es nun einmal geschehen: Friedrich Zwurtsch, der Pflege seiner kranken Mutter durch deren Tod – er hatte sie mit einem Polster erstickt – endgültig enthoben, streunte nicht selten durch die Lokalitäten der Stadt. Vor allem durch die schlechteren Beiseln und Kaschemmen. Denn die schienen ihm um einiges origineller zu sein als die öden Schicki-Micki-Schuppen mit ihrem Null-Acht-Fünfzehn-Outfit und der größtenteils uncharmanten Klientel.

In einem dieser Häuser, eigentlich war es ja ein mittelmäßiges Bordell, im „Chez Bábsi“ also, kreuzten sich die Wege von Zwurtsch und Malpaquet, die zufällig gleichzeitig zum WC strebten. So also war es zum ominösen Treffen gekommen.

Das zweite würde tödlich sein.

Rosinen hin oder her.

Fortsetzung folgt!

VII

Der junge Georg Kalchstein, dessen Vater Konrad lange Zeit Personalchef der Hübsch-Gruppe (Hoch- und Tiefbau, Elektrizität und Energiewesen) und ein in gewisser Weise längst schon romantisch rückwärtsgewandter Alt-Achtundsechziger war, setzte sich, gleich nach der Matura und dem beim Roten Kreuz abgeleisteten Zivildienst, im Rahmen der Jungen Wirtschaft stark für eine – zugegebenen: bloß imitierte, jedoch nach außen hin durchaus wirksame und optisch überzeugende – angeblich überaus sozial ausgerichtete Denkweise ein. (Die eigentlichen Tendenzen und Inklinationen mochten noch so eigennützig und habgierig sein, das hatte indes niemand anderen zu interessieren! – Oder?!)

Nach Ansicht des jungen Bachelor Georg Kalchstein, dieses strebsamen Betriebswirts und Wirtschaftswissenschaftlers (der Abschluss mit dem Master of Business Law [M. B. L.] stand allerdings noch aus), musste der richtige Weg endlich weg vom reinen Hedonismus und dessen Hautgout hin zu Werte-hältigeren und rundum nachhaltigeren Lebensmodellen führen. (Wie gesagt: in der Message, die man dann, wenn es so weit war, der völlig überraschten Öffentlichkeit gezielt und werbewirksam offenbaren [oder besser: unterjubeln] würde.)

Aus seiner innerfamiliären Konstellation heraus – Vater Konrad, Manager mit, wie bereits angedeutet: leicht ranzigem 1968er-Spätgeruch, Mutter Veronika, dereinst ein wenig verkiffte Batik-Künstlerin, doch seit langer Zeit schon schier süchtige Abonnentin von Opernpremieren, außerdem fleißige Konzertbesucherin und durchaus gewiefte Bridge-Partnerin -, war Georg Kalchstein es allerdings gewohnt, auf Rechte, Pflichten, Ruf und Stellung Rücksicht zu nehmen. In diesem Sinne hatte in ihm schon früh etwas gepocht, das einer sozialen Ader zum Verwechseln ähnlich sah. Dieses schöne Ding galt es bloß entsprechend zu verstärken, auf dass es gewaltig anschwellen und fürderhin entsprechend imposant erzittern könnte; wie eine echte Ader auf dem eingeölten Bizeps (oder auf der Stirn) eines Bodybuilders.

Voller Sozial-Elan und ausgestattet mit dem Image des jungen, alerten Gutmenschen intellektuellen Zuschnitts, so hatte Georg Kalchstein vor gut einem Jahr dann auch Sophia, die ältere Schwester Johanna Flauschberger-Malpaquets, kennen gelernt. (Und wohl auch lieben. Stellt Euch das einmal vor!) Kurz: Es war ihm nicht schwer gefallen, sie zu erobern. Nein, bei ihr, der absolvierten Kunsthistorikern (die Familie Flauschberger hatte es nun einmal mit der Architektur und den schönen Künsten), rannte er quasi offene Türen ein mit seinen Ideen.

Doch worin bestanden die eigentlich? Im Kern ging es recht simpel um Folgendes: Man müsse eine neue Klasse auf- und großziehen, die Charity-bewusst, Fair-Trade-affin und rundum dürstend nach Good Feeling mittels guten Gewissens sein sollte. Außerdem anti-sozialistisch, doch den Armen und Darbenden mit offenem Herzen (und stets gezücktem Scheckbuch und üppiger Kreditkarte) zugetan, integrativ und ergo voller Wohlwollen gegenüber Flüchtlingen und anderen Ausländern, die einem in der Folge womöglich nützlich sein könnten.

Alldieweil lieb zu Arbeits- und Obdachlosen, natürlich auch zu Behinderten und zu Genies, wenn und wo immer man solcher habhaft werden konnte. (Letztere Frage bezog sich allerdings eher nur auf die Genies.)

Ja! So sollte sie aussehen, die neue Kaste der ehedem nicht eben zu Unrecht als lediglich auf den eigenen Vorteil bedacht angesehenen BWL-ler und anderer Spät-Yuppies: weniger vorgeblich cool, weniger blasiert und arrogant. Keine aufgeblasenen Ärsche und kleinkarierten Pseudo-Hedoniker mehr, keine reinen Golfer und Tennisspieler, keine oberflächlichen Zigarren-Cub-Mitglieder. Nein! Quasi strebsame Lehrlinge einer neuen Freimaurerei, die da, Stein für Stein, ein endlich großartiges Bauwerk der Empathie aufzurichten sich bemühten!

Und sollten sie ebenfalls scheitern, so hätte das immerhin voll-digitalisiert und im Angesicht des Klimawandels zu geschehen.

Sehenden Auges und hörenden Ohres also.

Freilich, bei aller Berechnung eignete Georg Kalchstein tatsächlich noch ein Rest von romantisierender Weltbetrachtung; hier spielten wohl Vaters wie Mutters Vergangenheit hinein. Und dieser Umstand vermag es dann wohl auch zu erklären, warum ihn manchmal ein kurzer, eigentümlicher Schauer durchfuhr, wenn er zum Fair-Trade-Müsliriegel griff oder das weiche Bodenhaltungs-Bio-Frühstücksei köpfte, wenn er in den appetitlichen ebenfalls biologisch angebauten Altsorten-Apfel biss oder einen farblich ziemlich eigenwilligen, jedoch mit einer Fülle von Vitaminen und Spurenelementen angereicherten Smoothie schlürfte.

Vielleicht wäre Georg Kalchstein tatsächlich auch noch zum veganen Gutmenschen und solcherart zum optimal camouflierten Vorzeige-Spätkapitalisten geworden?

Vielleicht hätte sein und Sophias für demnächst geplantes Söhnlein, Stephan, später (nach dem großen, angeblich knapp bevorstehenden Knall) wieder ganz schlicht als Jäger und Sammler den gesamten Weltenkreis miterneuert?

Wir wissen es nicht. Denn auch Georg Kalchstein und seine Frau Sophia, die gemeinsam mit Johanna Flauschberger-Malpaquet und deren Mann Jean-Pierre Malpaquet gerade im „Cicero“ relativ gemütlich zu Abend speisten, wurden von Friedrich Zwurtschens völlig unerwarteter Salve aus einer Kalaschnikow niedergemäht. (Angeblich fand sich unter den Gemeuchelten auch ein Schatten. Manche glaubten, ihn dem Bildhauer Frédèric Auguste Bartholdi zuordnen so sollen. [Wohl wegen der Freiheit?!] Genaues wurde jedoch nie herausgefunden; oder sollten die Informationen forensischer und/oder pathologischer Art – wie so vieles andere – der breiten Masse der Bevölkerung wieder einmal nicht entdeckt werden?! – Nun, das gelang immerhin und nach der längst schon bestens erprobtem Methode.)

Kurz etwas zur Kalaschnikow: Das Gerät stammte von einem Mitpatienten, dem ehemaligen Anarchisten Balduin, der nach einem halbwegs glücklich überstandenen Kopfschuss in der Nervenheilanstalt gelandet war, in der Friedrich Zwurtsch damals schon seit vielen Jahren hauste. Nach Friedrichs wie auch Balduins Entlassung hatten die beiden einander kürzlich wiedergetroffen, wobei es dann auch zum verhängnisvollen Waffendeal gekommen war.

Übrigens: Dem im Jahr 2013 hochbetagt verstorbenen ehemals sowjetischen Waffenkonstrukteur und Offizier, dem überaus talentierten Russen Michail Timofejewitsch Kalaschnikow, hat seine Top-Erfindung, nämlich die nach ihm benannte automatische Super-Waffe, die quasi immer noch in aller Munde ist (sic!), finanziell eher wenig eingebracht.

Dabei befindet sich die AT-47, die Awtomat Kalaschnikowa obrasa 1947, immerhin schon seit fast siebzig Jahren in Produktion und wurde global gut und gern 100 Millionen Mal hergestellt sowie unter die Leute gebracht.

Ein paar Privilegien gab es für den Generalleutnant und genialen Techniker immerhin: hohe Auszeichnungen (zweimal Held der sozialistischen Arbeit, einmal Held der Russischen Föderation) und Sowjet-Orden (Stalin-Preis, 1949, Lenin-Orden, 1964), deren Wert allerdings nach dem überzeugenden Konkurs des Systems und der ganze damit verbundenen Ideologie gegen Ende des 20. Jahrhunderts zusehends in den Keller rasselte …

Keine Rosinen für Kalaschnikow also.

Fortsetzung folgt!

VIII

Widmen wir uns aber nochmals kurz dem Anästhesisten in Ruhe Dr. Gregor Specht und seinem vermeintlichen Auftrag – der brannte tief in ihm drinnen -, nämlich die Menschheit glücklich zu machen. Durch Botenstoffe, Glückshormone und ähnliche chemische Mittel.

Sein unsägliches Wirken hatte nun schon einige Wochen angehalten. Und die Zahl der grinsenden, durch diverse Glückstinkturen, Botenstoffe und obskure Aufheller in Dauer-Euphorie versetzten Mitbürger war schon merkbar gestiegen.

Doch Specht verfügte über keinen Schalter, den man möglicherweise umlegen hätte können, um dem unwürdigen Spuk ein Ende zu bereiten. Nein. Da hätte man eher Specht selbst umlegen müssen. Ja.

Der pensionierte Facharzt für Anästhesie stach und spritze nach wie vor. Kein noch so fragwürdiges Produkt der sogenannten Genussmittelindustrie war vor Dr. Spechts manipulativem Zugriff sicher. Nicht einmal deklarierte Fair-Trade-Schokolade ließ er unbestochen. Kein Müsliriegel und keine Pralinen-Schachtel vermochte sich, ihm zu entziehen. Auch keine Limonade, kein Saft, kein Mineralwasser. O ja, Specht war dauernd auf Achse. Er ritzte Packungen, durchstach Plastikflaschen und begrapschte, was nicht niet- und nagelfest war.

Außerdem hatte er seine Wirkungsstätte bereits gewaltig vergrößert: Ausgehend von der Billa-Filiale in der Nähe seiner Wohnung, hatte er sich in Richtung Spar und Lidl zielsicher weitergearbeitet. Nur die Zielpunkt-Filialen blieben unbelästigt – der länger schon marode Handelsriese war praktisch zeitgleich mit Spechts Attacken in die Insolvenz gerutscht, und die Geschäftslokale standen bereits großteils leer und waren außer Betrieb. (Hier gab es auch so keinen Grund zum Lächeln.)

Doch nahm seltsamer Weise die Lust des Ex-Mediziners an seinem Tun bald schon in gleichem Ausmaß ab, wie sich seine Methoden immer mehr verfeinerten. Es stellte sich Bequemlichkeit ein. (Oder: ein Burning Out?) Jedenfalls war es ihm schließlich zu viel, dauernd auf Pirsch zu gehen. Und seine Mission schien ihm überdies, so gut wie erfüllt zu sein.

Als man ihn schließlich dingfest machte (und das, unter uns gesagt, eher zufällig als durch eine besondere polizeiliche Leistung), lächelte er, sichtlich high, und bot den Cobra-Leuten und den anderen Polizisten, die ihn zunächst für einen Einschleichdieb hielten, aus einer Packung Studentenfutter (mit Rosinen) an.

Da klickten auch schon die Handschellen.

Aber es ist wirklich in erster Linie wegen der guten Rosinen“, sagte Specht noch, bevor er für immer verstummte und sich widerstandslos abführen ließ.

Fortsetzung folgt!

IX (Coda)

Die Ereignisse überstürzten sich. Hatte man doch gerade erst die schier unfassbare Attacke im Restaurant „Cicero“, der unter anderen Georg und Sophia Kalchstein sowie Johanna und Jean-Pierre Malpaquet zum Opfer gefallen waren (außerdem der Oberkellner Mario und ein anderer Gast, ein gewisser Moritz Wieselberger), so einigermaßen verdaut. Den Leuten klarzumachen, dass es sich dabei um keinen Terroranschlag islamistisch-fundamentalistischer Kräfte gehandelt hatte, sondern nur um die Tat eines Geistesgestörten, war dabei übrigens fast schwieriger gewesen als das gräuliche Geschehen an sich.

Friedrich Zwurtsch alias Friedrich Hölderlin saß längst wieder in der Nervenheilanstalt. (Übrigens: Seine Mutter, die seine Attacke wie durch ein Wunder überlebt hatte, wurde nunmehr von einer sehr freundlichen slowakischen Krankenhelferin betreut, deren Leistung ihrerseits jetzt doch aus öffentlichen Mitteln bestritten werden konnte.)

Und Zwurtsch/Hölderlin dichtete auch wieder.

Er glaubte allerdings auch jetzt nicht, dass er schreibe.

Es kam ihm vielmehr weiterhin so vor, als male oder komponiere er. Wahlweise …, mitunter (aber seltener) sogar gleichzeitig … (Außerdem klängen seine jüngsten Poeme, so einer der Oberärzte [ein gewisser Dr. Eugen Navratil], recht stark nach Rainer Maria Rilke. Immerhin jedoch und nach wie vor – elegisch. [Woher der Herr Doktor das wissen wollte, war den anderen wiederum schleierhaft. Doch Navratil galt unbestritten als Koryphäe.])

Die ersten, sozusagen: zum Glück hin vergifteten Leute liefen in der Zwischenzeit, immer noch selig grinsend, durch die Stadt. Doch fielen sie, wie berichtet, nicht sonderlich auf. Denn blöd sahen auch die meisten der anderen aus, die da den Hendln gleich umher rannten im Zustand verzückenden Kaufrausches; und nach ständig neuem Plunder Ausschau hielten.

Auch der Anästhesist Dr. Specht selbst schien – bevor man ihn, wie bereits geschildert, doch noch dingfest machen konnte – so weit glücklich gewesen zu sein.

Obgleich ihn, den sonst so Zufriedenen, letztlich doch wohl ebenfalls eine Art Hybris zu Fall brachte: Hatte er seine unheilvollen Aktivitäten, seine hinterhältigen Stech-Attacken im Lebensmittelbereich, nach anfänglichen, noch durchaus überschaubaren Erfolgen in der seinem Domizil benachbarten Billa-Filiale ja unbedingt auch auf andere Supermärkte ausweiten müssen. Das war im Grunde genommen nicht notwendig gewesen. Nein. Und dann noch die Sache mit den Flugblättern, in denen er – wenn auch anonym – auf die selig grinsenden Mitbürger hinwies (also doch Eitelkeit!). Und dann wuchs ihm das alles über den Kopf.

Mit einem Wort: Das fremde Glück überforderte den Glücksbringer …

Und das führte schließlich zu seiner sensationellen Enttarnung und zu seinem Fall. (Mit den enormen Vorräten an chemischen Substanzen, hochkomplexen pharmazeutischen Erzeugnissen, Substraten und Mitteln, die man in seiner damit vollgerammelten Wohnung fand, hätte Dr. Specht noch „Unmengen von Glück unter die Menschen bringen können“, meinte einer der Ermittler. Um sodann kryptisch anzumerken: „Warum er getan hat, was er getan hat? Das werden wir wahrscheinlich nie erfahren …“)

Soweit der Stand der Dinge.

E N D E

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