Bernd Schmidt, 2008

Kasimir und die Waldkönigin

Ein dummes Gedicht

  Seit Stunden streift er schon durch Flur und Tann, Freund Kasimir, und keucht so rau, vernehmlich. Er musst’ sie finden! Ganz in ihrem Bann … Und seine Frage stellen, sei’s auch dämlich.

Da neckt ihn Knacken, hier, im Strauchgestrüpp,

auch Kobolds list’ger Augenschlag im Dämmer,

des Uhus Laut und andrer Vögel „Tschipp“.

Die Angst in ihm mahnt feige: Du, komm, gemma!

Des Mondes fahle Fülle stiert ihn an.

Des Wolfes Heulen fährt im durch das Mark.

Was hab’ ich, armer Tropf, denn nur getan?!

So denkt er und läg’ lieber schon im Sarg …

Dann steht sie endlich da und echt vor ihm.

Vom Wind zerzaust, gehüllt in groben Zwirn,

doch kühne Röte wächst ihr, wie im Grimm,

und eine Zweifelsfalte teilt die Stirn.

„Was wolltest, Tor, du denn so spät von mir,

der hohen Herrin über Tann und Flur?“

So fragt sie, direkt, nun den Kasimir.

„Ging es am End’ um Zeitvertreib dir nur?!“

„Nein! Meine Königin“, erwidert er,

„ich wollte bloß mir eine Auskunft holen:

Wie backst den Apfelstrudel, bitte sehr …“ –

Das endet all sogleich ihr wildes Grollen.

„Ich kenne kein Geheimnis, keinen Trick“,

spricht nun die Waldeskönigin ganz frei,

„`s gibt allerorten Dr. Oetker ja zum Glück.

Und der weiß alles, was auch immer sei!“

Da fallen sich die Liebenden sogleich

um ihre Hälse, kosen sich und lachen!

Und denken an den Strudel, apfelreich,

da sie ganz nebenbei die Bettstatt machen …

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